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Der Deutschland-Achter gewnn zuletzt das Weltcup-Finale in Luzern © getty

Rudern-Cheftrainer Hartmut Buschbacher will kurz vor der WM in Posen den Teamgeist in der deutschen Mannschaft entdecken.

Ratzeburg - Die Haubentaucher ziehen unbeeindruckt ihre Kreise. Sie sind an das Geschehen auf dem Küchensee gewöhnt.

Ab und an pflügen halt diese langen dünnen Dinger durch das Wasser, sorgen für ein paar Wellen, tun aber den Vögeln nichts. In diesen Tagen ist diese Szene immer wieder zu beobachten.

In Ratzeburg bereitet sich noch bis Donnerstag das komplette Team des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) auf die Weltmeisterschaften in Posen (22. bis 30. August) vor.

Die komplette Mannschaft ist beisammen

Der neue Cheftrainer Hartmut Buschbacher hat Skuller und Riemer zurückgeführt an den traditionsreichen Ort in der Holsteinischen Schweiz, an die Wiege des modernen Rudersports.

Erstmals seit Jahren trainiert wieder die komplette Mannschaft zusammen. 80 Athleten, Männer, Frauen, Leichte, Schwere und Gehandicapte. Aufgehoben ist die Trennung nach Landesstützpunkten, Bootsklassen, Riemen und Skulls.

"Das Miteinander hat in der Vergangenheit gefehlt", sagt Buschbacher: "Es ist aber durchaus leistungsfördernd."

Ratzeburg mit Bedacht gewählt

Im Schatten des mittelalterlichen Doms und der landschaftlich reizvollen Kulisse bereitet der 51 Jahre alte Cheftrainer ein Jahr nach dem Reinfall bei den Olympischen Spielen 2008 die Sportler auf den ersten großen Höhepunkt auf dem Weg nach London 2012 vor.

Der Ort ist mit Bedacht gewählt, Buschbacher hofft ein bisschen auf den "Geist" von Karl Adam.

Tradition als Motivation

Der Studienrat mit der Schiebermütze, der das Leistungsrudern in den 60er-Jahren mit seinen Erkenntnissen revolutioniert hat, den Deutschland-Achter zu Olympiagold 1960 und 68 führte und und aus der historischen Kleinstadt Ratzeburg ein "Ruder-Mekka" machte, ist allgegenwärtig.

Seine Büste steht im Foyer der Ruderakademie, ein Gedenkstein befindet sich an der Zufahrt zum Ratzeburger Ruder Klub. "Hier ist ja viel Tradition, das soll man nicht unterschätzen", meint Buschbacher, "das ist auch eine Motivation".

"Wir müssen uns ändern"

Der aktuelle Achter mit Schlagmann Sebastian Schmidt ist gerade zu einem Rennen gegen den Doppelvierer draußen. Die Disziplintrainer fahren mit ihren Motorbötchen nebenher, Buschbacher beobachtet genau aus etwas größerer Distanz.

Über 500 Meter geht es, eine Kraftexplosion ohne Zurückhaltung. Der Achter gewinnt klar. "Die Trainer haben auch erkannt, dass wir uns ändern müssen", sagt Buschbacher, der nach der Pleite von Peking zahlreiche alte Zöpfe abschnitt: "Wir wollen Vergleichbarkeit, wir wollen Rennen auch im Training."

Hacker im Doppelvierer

Im Doppelvierer sitzt in diesem Jahr auch der ehemalige Einer-Weltmeister Marcel Hacker. Ein Einzelgänger, jahrelang.

"Acht Jahre habe ich mehr oder weniger mein eigenes Ding gemacht", erzählt der 32-Jährige: "Da war meine größte Angst, wie das Team mich aufnimmt." Klappt aber gut.

Die erzwungene Nähe in der Ruderakademie schweißt die Ruderer zusammen und führt zu Erkenntnissen, die in vielen anderen Disziplinen Allgemeingut sind.

Einstimmung auf die WM

"Ich finde es gut, dass jetzt alle zusammen sind, wir können uns als Team auf die WM einstimmen", meint Schmidt, "und es ist gut, gewisse Dinge gemeinsam zu machen."

Banale Alltäglichkeiten eines Trainingslagers eben: Spielen, Kino, Quatschen. Und sich Kennenlernen. "In der Vergangenheit war es oft so, dass man gar nicht wusste, wer ist eigentlich der da drüben, der auch einen deutschen Traininganzug trägt", berichtet Schmidt.

2012 ist das große Ziel

Zweimal am Tag sind sie auf dem Wasser. Den Küchensee rauf und runter. Im Uhrzeigersinn. Am Anfang und am Ende des Trainingslagers steht auf dem Trockenrudergerät ein Laktattest an, um Entwicklungen zu ermitteln.

Posen soll ein erster Schritt sein, 2012 ist das große Ziel. Jeder Athlet, der jetzt in Ratzeburg ist, möchte dahin. "Ich brauche dafür keine Verpflichtungen der Sportler", sagt Buschbacher: "Ich sehe jeden Tag auf dem Wasser, ob sich einer verpflichtet."

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