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Der Deutschland-Achter enttäuschte bei den Spielen in Peking © getty

Nach dem schlimmsten Schiffbruch seit 52 Jahren soll Hartmut Buschbacher das DRV-Team auf Kurs bringen. Der Präsident droht mit Rücktritt.

Frankfurt - Nach dem schlimmsten Schiffbruch seit 52 Jahren soll Hartmut Buschbacher die deutschen Ruderer wieder auf Kurs bringen.

Der langjährige DDR-Coach wurde am Donnerstag als neuer Cheftrainer des Deutschen Ruderverbandes (DRV) vorgestellt.

"Die Ruderer sind dann gut, wenn alle in einem Boot sitzen. Deutschland hat gute Möglichkeiten, aber das Potenzial wurde in den vergangenen Jahren nicht ausgenutzt", sagte Buschbacher bei seiner Präsentation in den Räumen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/Main.

Präsident Siegfried Kaidel kündigte zudem nach dem Debakel der Olympischen Spiele von Peking mit nur einer Silber- und einer Bronzemedaille eine der weitreichendsten Strukturreformen in der Geschichte des DRV an.

Mit Rücktritt gedroht

Sollte der momentan noch zweigeteilte DRV-Vorstand dem Präsidenten auf einer Sitzung im Oktober bei seinen Vorschlägen nicht folgen, drohte der erst im März gewählte Kaidel sogar mit Rücktritt.

"Es gibt derzeit unterschiedliche Meinungen. Wir müssen aber diesen Weg gehen, um voranzukommen. Sonst könnte ich Konsequenzen ziehen", meinte Kaidel, der bei den Olympischen Spielen 2012 in London "viermal die deutsche Nationalhymne" hören will.

Dafür sollen nach dem Cheftrainer auch ein Koordinator für den Leistungssport, ein Koordinator für die Bundesstützpunkte sowie ein Generalsekretär zur Verbesserung der internationalen Kontakte und die Sponsorensuche installiert werden.

Baar führt Experten-Team an

Während Teile des Vorstands diese Posten nicht schaffen wollen, ist man sich bei der Notwendigkeit eines Expertenteams einig.

Der ehemalige Achter-Schlagmann Roland Baar wird das maximal fünf Personen umfassende Team anführen. Eine weitere Kandidatin für das Team ist die viermalige Olympiasiegerin Kathrin Boron, die nach Peking ihre Laufbahn beendet hat.

Sportdirektor Michael Müller wird sich künftig nur noch um organisatorische Aufgaben kümmern.

Es gibt eine Ausstiegsklausel

Die größten Hoffnungen im früher so erfolgsverwöhnten Verband ruhen auf Buschbacher. Allerdings wurde bisher noch kein Vertrag mit dem 50-Jährigen unterzeichnet, da dieser noch bei einem Provinzteam in China bis Oktober 2009 einen gültigen Kontrakt besitzt.

"Es gibt aber eine Ausstiegsklausel", sagte der zweifache Familienvater, der nach seiner Vorstellung zum Frankfurter Flughafen düste, um seinen Flieger nach China zu bekommen.

Per Handschlag hat sich der DRV mit Buschbacher auf eine Zusammenarbeit bis 2012 geeinigt, in den kommenden Wochen soll der Vertrag unterschrieben werden.

DOSB übernimmt die Kosten

Der DOSB übernimmt die Kosten für den ehemaligen Trainer der DDR-Nationalmannschaft, mit der er von 1987 bis 1990 große Erfolge feierte. Danach war Buschbacher, der sich beim DRV gegen Harald Jährling und den Dänen Morten Espersen durchsetzte, als Frauen-Trainer in den USA tätig.

"Seit 16 Jahren gibt es im Männer-Bereich kein Olympia-Gold - ein Unding. Wir müssen neue Wege gehen und neue Trainer heranziehen, um eine schlagkräftige Mannschaft für 2012 aufzubauen", meinte Buschbacher.

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