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Der Deutschland-Achter ist seit den Olympischen Spielen 2008 ungeschlagen © getty

Der Achter setzt bei der WM in Neuseeland seine Goldserie fort. Ansonsten haben die Ruderer allerdings wenig Grund zur Freude.

Köln/Lake Karapiro - Dürftige Ouvertüre, furioses Finale: Der Deutschland-Achter ist seinem Ruf als nationales Erfolgssymbol gerecht geworden und hat die Ehre der deutschen Flotte mit einer beeindruckenden Goldfahrt bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Neuseeland gerettet.

Das Flaggschiff sorgte für den einzigen Triumph des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in den 14 olympischen Klassen auf dem Lake Karapiro und wurde nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung zum Partyboot.

Schlagmann Sebastian Schmidt brüllte seine Freude heraus, Steuermann Martin Sauer wurde im hohen Bogen ins Wasser befördert und am Ende hüpften die Modellathleten wie kleine Kinder über den Steg.

"Wir haben unsere super Serie weiter ausgebaut. Das ist eine sehr konstante und starke Truppe, die vor allem auch in Krisenzeiten mannschaftlich geschlossen ist", sagte Achter-Trainer Ralf Holtmeyer, dessen Schützlinge seit dem letzten Platz bei den Sommerspielen 2008 in Peking auf der 2000-Meter-Distanz ungeschlagen sind.

Kompletter Medaillensatz für DRV

Nachdem die Crew mit der Goldmedaille um den Hals die deutsche Nationalhymne lautstark mitgesungen hatte, ging es zur ausgelassenen Siegesfeier nach Hamilton.

Beim DRV war unterdessen nicht jedem zum Feiern zumute. Zwar polierte der Achter die Bilanz auf, doch mit einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze wurde die eigene Zielsetzung von fünf Medaillen verfehlt.

"Mit der Medaillenausbeute sind wir nicht zufrieden. Richtung London 2012 haben wir zwar nicht geglänzt, aber wir müssen auch keine Sorgenfalten haben", meinte Cheftrainer Hartmut Buschbacher.

Große Defizite im Frauen-Riemenbereich

Auch Präsident Siegfried Kaidel sah in dem dürftigen Ergebnis keinen Grund, von seiner Zielvorgabe für London mit vier Goldmedaillen abzurücken. "Ich glaube, dieses Ziel ist weiterhin machbar", sagte Kaidel.

Die alte Ruderweisheit "Achter gut, alles gut" passte für die deutsche Flotte aus zwei Gründen nicht. Zum einen offenbarten sich besonders im Frauen-Riemenbereich große Defizite, zum anderen war das Paradeboot nicht nur gut sondern überragend.

Mit einem Start-Ziel-Sieg holte die Crew vor Großbritannien und Australien das zehnte WM-Gold des Deutschland-Achters seit 1960. Von Beginn an kontrollierte die deutsche Mannschaft das Rennen und wehrte alle Angriffe der starken Briten ab. Im Ziel betrug der Vorsprung 0,62 Sekunden.

Fokus auf nächste WM

"Noch haben wir die Schnauze vorne. Die Konkurrenz schläft aber nicht", sagte Kristof Wilke (Radolfzell), während Richard Schmidt (Trier) ergänzte: "Unser Ziel ist Olympia-Gold. Die Weltmeisterschaften sind nur Zwischenschritte."

Bei den Weltmeisterschaften im kommenden Jahr in Slowenien muss der Achter das Olympia-Ticket lösen, um dann in zwei Jahren die Schmach von Peking auszumerzen. "Man merkt, dass London näher rückt, vor allem auch daran, dass die Briten stärker werden", erklärte der Berliner Steuermann Sauer.

Die Briten verbreiteten in Neuseeland Angst und Schrecken und wurden mit neun Medaillen (viermal Gold) erfolgreichste Nation vor den Gastgebern (drei Gold). Deutschland belegte Platz drei, nachdem man vor einem Jahr in Posen mit fünf Medaillen und drei Titeln die Wertung noch gewonnen hatte.

Buschbacher: "Mit Ergebnis nicht zufrieden"

"Vom reinen Ergebnis sind wir natürlich nicht zufrieden. Aber es gibt bestimmte Gründe. Daher werden wir unsere Maßnahmen nicht infrage stellen", meinte Buschbacher.

So hatten einige Athleten des DRV-Teams im Vorfeld mit Verletzungen zu kämpfen, vielen jungen Ruderern war der Kräfteverschleiß der langen Saison am Ende anzumerken.

"Unser Weg ist nicht falsch", meinte Buschbacher, der sich auch durch das sehr gute Abschneiden in den nicht-olympischen Klassen mit vier WM-Titeln bestätigt sah.

Cheftrainer vor Gericht

Nun will Buschbacher das Team auch nach London führen, er dementierte Gerüchte, wonach er den DRV verlassen und zum britischen Verband wechseln wird.

Seine Position sei in Deutschland. Er möchte seine Aufgabe, die er übernommen habe, zu Ende bringen, so Buschbacher.

Ihm droht allerdings in Neuseeland nach einer verweigerten Blutprobe bei einer Polizeikontrolle während der WM noch Ärger. Der 52-Jährige musste am späten Sonntagabend (23 Uhr/MEZ) vor Gericht erscheinen. Der DRV hat nach der Verhandlung eine offizielle Stellungnahme angekündigt.

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