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Samo (o.) gewann mit Australien den Tri-Nations-Cup gegen Guildfords All Blacks © dapd

Bei der WM kämpfen die besten Teams um den Titel. Aber wer darf wann was? Experte Wilhelm und SPORT1 bringen Licht ins Dunkel.

München - 30 harte Kerle, ein Ei und zwei Mal 40 Minuten Action - das ist Rugby.

"Die Zuschauer können sich auf eine sehr harte, sehr faire und schnelle Sportart freuen, bei der es gewisse Werte gibt, die man in anderen Sportarten nicht unbedingt wiederfindet", schwärmt SPORT1-Experte Manuel Wilhelm im Vorfeld der Rugby-WM (ab Freitag LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-STREAM auf SPORT1+) .

Seit 1987 messen sich die besten Team bei der WM, die inzwischen nach Olympia, Fußball-WM und Tour de France zu den größten Sportereignissen der Welt gehört. Das letzte Turnier in Frankreich verfolgten 2007 vier Milliarden Menschen in 200 Ländern.

"Der unglaublich große Teamgeist" spiele im Rugby eine viel größere Rolle als als beispielsweise im Fußball, erklärt der Nationalspieler, "weil man immer wieder auf die Hilfe seiner Teamkameraden angewiesen ist, um vor körperliche Einschränkungen geschützt zu werden." (BERICHT: 30 All Blacks für vier Millionen "Kiwis")

Mut als Grundvoraussetzung

"Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, wenn ein 130-Kilo-Samoaner auf dich zugestürmt kommt, die Schulter hin zu halten und nicht diskret einen Schritt zur Seite zu machen", erklärt Wilhelm deshalb im SPORT1-Interview (zum Interview).

Aber auch der Respekt vor dem Schiedsrichter "ist im Rugby so stark ausgeprägt, wie man es in anderen Sportarten sehr selten findet." (BERICHT: 24 Jahre Dürre: All Blacks wider den Titel-Fluch)

Mutterland des Sports ist England, als Erfinder gilt William Webb Ellis, nach dem auch der WM-Pokal benannt ist. Aber wie funktioniert Rugby? SPORT1 erklärt die wichtigsten Regeln:

Grundprinzip

"Ziel des Spiels ist es, den Ball in die gegnerische Endzone zu legen. Wichtigste Regel dabei ist, dass der Mann mit Ball den Raum überwinden soll", erklärt Wilhelm. "Im Gegensatz zum Football darf man dem Ball nicht nach vorne passen, sondern er darf nur nach hinten abgegeben werden"

Feld und Ball

Bei der WM wird die populärste Variante, das 15er-Rugby gespielt. Dabei stehen sich zwei Teams von je 15 Spielern gegenüber.

Das Spielfeld beim 15er-Rugby ist maximal 70 Meter breit und 100 Meter lang. Die H-förmigen Tore sind 5,60 Meter breit und mindestens 3,40 Meter hoch. Der Abstand von der Oberkante der Querlatte bis zum Boden muss drei Meter betragen.

Der ovale Ball wiegt zwischen 410 - 460 Gramm. Der Umfang beträgt in der Länge 740 - 770 Millimeter und in der Breite 580 - 620 Millimeter. Die reguläre Spielzeit beträgt 2 x 40 Minuten, bei internationalen Spielen können bis zu sieben Auswechselspieler zum Einsatz kommen.

[kaltura id="0_4by6eizr" class="full_size" title="Der Kampf um das Ei"]

Punkte

1. per Versuch (Try) - fünf Punkte: Wenn ein Angreifer den Ball als Erster im gegnerischen Malfeld zu Boden bringt.

2. per Erhöhung (Conversion) - zwei Punkte: Nach einem Versuch darf das angreifende Team einen Kick vom Boden oder einen Dropkick ausführen. Der Ball muss zwischen die beiden Längslatten und über die Querlatte gekickt werden.

3. per Dropkick (Dropped Goal) - drei Punkte: Aus dem offenen Spiel kann mittels eines Dropkicks durch die Stangen gepunktet werden.

4. per Strafkick (Penalty Kick) - drei Punkte: Ein Strafkick wird nach einem schweren Regelverstoß verhängt.

Tackling

"Der Mann mit Ball darf von seinen Gegenspielern per Tackling gestoppt werden", so Wilhelm. "Das ist ein Umgreifen von Knöchel bis Schulterhöhe, um den Gegner zu Fall zu bringen."

Übertriebene Härte ist dabei aber verboten: "Man darf seinen Gegner nicht mit Schlägen oder Tritten malträtieren, man darf den Hals oder Kopfbereich nicht attackieren und man darf einen Gegner, der sich in der Luft befindet und nach dem Ball springt, nicht unterlaufen."

Bei einem Verstoß gegen diese Regeln zieht das einen Platzverweis und lange Sperren nach sich. Außerdem gibt es im Rugby den Videobeweis, durch den auch im Nachhinein Vergehen geahndet werden können.

Gasse

Landet der Ball im Aus, wird das Spiel per Gasse (Line-out) fortgesetzt. Zwei bis sechs Stürmer beider Mannschaften stehen sich parallel gegenüber, ein Spieler der Mannschaft, die nicht zuletzt am Ball war, wirft den Ball von der Seite in die Gasse zwischen den beiden Teams ein.

Um den Ball zu fangen, dürfen auch Spieler auf die Schulter genommen werden. 106033(DIASHOW: Berühmte Sportler-Pärchen)

Gedränge

Bei kleineren Regelverstößen oder Spielunterbrechungen gibt es ein Gedränge (Scrum). Acht Spieler jeder Mannschaft formieren sich in je drei Reihen, sind so ineinander verhakt, dass sich in der Mitte ein Tunnel bildet.

Der Gedrängehalb (Scrum-half) rollt den Ball in den Tunnel, die Spieler in den beiden ersten Reihen versuchen unter dem Schieben der anderen, den Ball mit den Füßen in Richtung ihres jeweiligen Teams zu befördern.

Paket

Schließlich gibt es noch das Paket (Maul), das entsteht, wenn der ballführende Spieler von einem oder mehreren Gegner festgehalten wird und einer oder mehrere Mitspieler sich an ihn binden.

Ein Paket besteht aus mindestens drei Spielern, die auf ihren Füßen stehen müssen. Ziel jeder Seite ist es, Raumgewinn durch Vorwärts-Schieben des Pakets zu erzielen.

Modus

Insgesamt finden in den nächsten sechs Wochen 48 Spiele statt. An der WM nehmen 20 Mannschaften teil, gespielt wird in vier Vorrundengruppen mit je fünf Teams. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Für einen Sieg gibt es vier Punkte, für ein Unentschieden zwei, für eine Niederlage null Punkte. Einen Bonuspunkt bekommt, wer vier oder mehr Versuche schafft oder mit höchstens sieben Zählern Unterschied verliert.

Ins Viertelfinale ziehen jeweils die beiden Gruppenersten ein. Bei Unentschieden wird in der K.o.-Phase zunächst eine Verlängerung von 2 x 10 Minuten gespielt.

Steht dann immer noch kein Sieger fest, gibt es eine weitere, zehnminütige Verlängerung mit Sudden Death. Wenn nötig, folgt danach ein Platzkick-Schießen.

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