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Englands Manu Tuilagi konnte die 12:19-Niederlage gegen Frankreich nicht verhindern © getty

Die englische Presse zürnt nach dem WM-Aus über das Benehmen. Nach der Pleite springt ein England-Profi von einer Fähre.

Auckland/Köln - Eigentlich ist ja nichts Ungewöhnliches passiert. Warum also all die Aufregung? England ist mal wieder vorzeitig bei einer WM (Halbfinale, Sa., 15.10., ab 10 Uhr LIVE auf SPORT1 und So., 16.10., ab 10 Uhr auf SPORT1+ und im SPORT1-LIVESTREAM).

Ja und? Kommt schließlich häufiger vor. Dass das ausnahmsweise einmal nicht beim Fußball passiert ist, sondern beim Rugby, spielt im Prinzip auch keine Rolle.

Doch dieses Mal scheint die Lage etwas anders. Die nach dem Viertelfinal-Aus gegen Frankreich bei der WM in Neuseeland zu erwartende mediale Schelte fiel selbst für die wenig zimperliche englische Presse ungewöhnlich scharf aus.

Dafür verantwortlich ist weniger das schlechteste WM-Abschneiden seit zwölf Jahren, sondern vielmehr die Fehltritte des Teams außerhalb des Platzes.

Englands Medien erbost

"Au revoir! England sagt der WM nach einer weiteren deprimierenden Vorstellung Goodbye, und die WM konnte es nicht erwarten, den ungeliebten Losern auf Wiedersehen zu sagen", schrieb das Massenblatt "The Sun".

"Keine Träne" sei nach dem 12:19 (Bericht) des "Gesindels" von Teammanager Martin Johnson gegen den Erzrivalen Frankreich geflossen:

"Johnsons Mannschaft ist nicht nur weit hinter den Erwartungen geblieben, sondern hat jeden neutralen Rugby-Fan mit einer Mischung aus langweiligem Rugby und unzüchtigen Eskapaden abseits des Platzes verprellt."

Trainer Johnson unter Druck

Noch nie zuvor hatte Frankreich bei einer WM ein K.o.-Spiel gegen den Weltmeister von 2003 gewonnen, einmal war im Viertelfinale, zweimal im Halbfinale Endstation.

Ob der unter Druck geratene Johnson, dessen Vertrag im Dezember ausläuft, nach dem "Tabubruch" gegen Frankreich bleiben darf, ist mehr als ungewiss.

Noch viel schwerer als die sportliche Niederlage dürften die Negativ-Schlagzeilen seines Teams abseits des Feldes wiegen.

Tindalls Affäre im Rampenlicht

Tagelang beherrschten Berichte über einen Fremdflirt von Mike Tindall, Ehemann der Queen-Enkelin Zara Phillips, über einen feucht-fröhlichen Barbesuch einiger Spieler in Queenstown inklusive Zwergenweitwurf und über das Beleidigen einer Hotelangestellten die nationale wie internationale Presse. (Bericht)

"Die traurige Wahrheit ist, dass sich Englands Rugby dem Verhalten außerhalb des Platzes angepasst hat - ruppig, hinterhältig, suspekt, und ohne jeden Schwung", urteilte die "Sun".

Doch die englischen Spieler sind sich offenbar keiner Schuld bewusst. "Unglücklicherweise" habe es einige "Vorfälle" gegeben, klagte etwa James Haskell: "Andere Mannschaften haben sich auch der Dinge erfreut, die Neuseeland zu bieten hat. Und es scheint, als ob sie das in relativer Ruhe getan haben."

"Alle gegen England"

Möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass beim englischen Team genauer hingeschaut wurde. Aber wundert das bei dem Ruf, der Mannschaften von der Insel vorauseilt?

"Leider ist das immer so mit britischen Teams", sagte Haskell: "Das ist eine Schande, denn es gibt viel Unterstützung für dieses Team, und wir wollten sichergehen, dass wir rausgehen und dem Land und uns gerecht werden. " Genau das haben sie, könnte man sarkastisch anmerken. Und das hat man weltweit registriert.

"Wenn ich all den Botschaften der Neuseeländer, der Argentinier und der Australier Glauben schenke, die wir in den Straßen getroffen haben, dann sind alle gegen England vereint", sagte Frankreichs Teammanager Marc Lievremont. (Datencenter: Alles zur Rugy-WM)

Spieler springt von Fähre

Die Negativ-Schlagzeilen reißen allerdings auch nach dem WM-Aus gegen Frankreich nicht ab.

Englands Manu Tuilagi ist Medienberichten zufolge von der neuseeländischen Polizei verhaftet worden, weil er von einer Fähre gesprungen sein soll, als diese im Hafen von Auckland anlegen wollte. (News)

Die Polizei wollte den Namen noch nicht nennen, bestätigte aber den Vorfall mit einem Mitglied der englischen Rugby-Nationalmannschaft. Man habe den Spieler aufgegriffen, nachdem er die kurze Distanz zum Pier geschwommen sei. Die Person sei verwarnt und anschließend dem englischen Teammanagement übergeben worden.

Chance auf Wiedergutmachung

Vier Jahre hat England nun Zeit, um den ramponierten Ruf zu polieren. Dann, 2015, richtet das Mutterland der Sportart die achte WM-Endrunde aus.

"Sie brauchen dringend kühne Anführer, um dem sinkenden Team neues Leben einzuhauchen", schrieb die "Sun".

Bis dahin können sie sich jenseits des Ärmelkanals ja auf Fußball konzentrieren. Obwohl, vielleicht ist das auch keine ganz so gute Idee.

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