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Stephen Donald (M.) spielt in Neuseeland für Waikato und die Chiefs © getty

Für die All Blacks schließt sich mit dem Final-Erfolg über Frankreich ein Kreis. Ein Spott-Objekt wird zum großen Helden.

München/Auckland - Es war ein Feiertag in zweierlei Hinsicht: Zum einen war in Neuseeland der Labour Day (Tag der Arbeit), zum anderen feierte ganz Auckland seine Rugby-Helden.

Die Einwohner der City of Sails strömten am Montag zu Zehntausenden ins Zentrum der Stadt, um wenigstens einen kurzen Blick auf ihre neuen Rugby-Weltmeister zu erhaschen.

Für die All Blacks war die Parade nur der lockere Aufgalopp zu einer Woche voller Feiern und einem Leben voller Ruhm und Ehre. (472517DIASHOW: Die Bilder des Endspiels).

Dicht gedrängt standen die Fans im Zentrum von Auckland, ihre Blicke hafteten an dem eleganten Pokal, den Richie McCaw in seinen gewaltigen Händen hielt. Mit einem stolzen Lächeln präsentierte der sonst oft grimmig wirkende Kapitän des Teams den Webb Ellis Cup.

Kreis schließt sich

Nach über zwei Jahrzehnten, vielen geplatzten Träumen und unzähligen vernichtenden Schlagzeilen schloss sich für die Neuseeländer der Kreis.

Im Eden Park von Auckland, wo die All Blacks 1987 bei der ersten WM den Titel feierten, besiegten sie nicht nur die bravourösen Franzosen, sondern auch den Fluch, mit dem das beste Team der Welt belegt zu sein schien. (BERICHT: All Blacks zittern sich zum Titel)

Vom Spott-Objekt zum Helden

Dabei wird ein Spieler als Finalheld in die Geschichte eingehen, den die Mehrzahl der Neuseeländer für unfähig hielt.

"Haltet ihn so fern von den All Blacks wie möglich", schrieben die Zeitungen vor der WM über Stephen Donald und verspotteten ihn als Donald Duck.

Donald war auf seiner Position nur die vierte Wahl, doch als es darauf ankam, sorgte er für die entscheidenden Punkte.

Keine Abrechnung von Donald

Die Kommentare von Zeitungen und Internetseiten müssen Donald am Tag nach dem Triumph wie ein schlechter Witz vorgekommen sein.

[kaltura id="0_vij7u63y" class="full_size" title="All Blacks zittern sich zum Titel"]

"Schlagt ihn zum Ritter und gebt ihm den Nobelpreis", forderte ein Leser auf "stuff.co.nz" und der "New Zealand Herald" titelte: "Vom Trottel zum Champion." Das hässliche Entlein ist nun Everybody's Darling. Mama Sheryll Donald hat natürlich schon immer große Stücke auf den Sohnemann gehalten.

"Es gab viele abfällige Kommentare über ihn, doch jetzt hat er der ganzen Welt das Gegenteil bewiesen", sagte sie.

Sohn Stephen verzichtete im Moment des Sieges auf eine Abrechnung: "Einige haben meine Fähigkeiten wohl unterschätzt. Ich bin einfach nur stolz darauf, ein All Black zu sein."

Angelurlaub angekündigt

Es lag wohl auch an Donalds Naturell, dass er sich am Montag in Auckland wieder in den hinteren Reihen einordnete. Auf dem ersten Truck hätte er sich neben McCaw und Trainer Graham Henry wohl ein wenig Fehl am Platz gefühlt.

Donald wird es auch bei den nächsten Paraden vermeiden, sich zu sehr ins Rampenlicht zurück.

Er wolle schnell nach Hause und mit seinen Kumpels fischen gehen. Das habe er damals gerade getan, als Henry ihn in das WM-Team berufen hatte.

Sarkozy ist stolz

Während die All Blacks ihre Jubel-Tournee am Dienstag in der von Erdbeben gebeutelten Stadt Christchurch und am Mittwoch in Wellington fortsetzen, macht sich auch im fernen Frankreich nach der ersten Enttäuschung Stolz breit. (453164DIASHOW: Die Bilder der WM).

"Dieses Team hat uns stolz gemacht. Es hat nur knapp verloren, in Ehre und mit großem Zusammenhalt", sagte Präsident Nicolas Sarkozy.

Das Staatsoberhaupt hatte sich sogar kurz aus einer Sitzung des EU-Gipfels gestohlen, um das Ende des Spiels am Fernseher zu verfolgen. Per Telefon gratulierte Sarkozy Trainer Marc Lievremont zum zweiten Platz.

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