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Der Russe Wladimir Kramnik war von 2000 bis 2007 Schachweltmeister © getty

Mit einer überraschenden Variante und einem Sieg vertagt Wladimir Kramnik die Entscheidung über den WM-Titel im Schach.

Bonn - Mit einer überraschenden Variante und dem ersten Sieg hat Herausforderer Wladimir Kramnik die Entscheidung über den WM-Titel im Schach vertagt.

Bei der WM in Bonn zwang der Russe den indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand in der zehnten Partie nach 29 Zügen und 2:54 Stunden zur Aufgabe und verkürzte damit auf 4:6.

Mit Siegen am Mittwoch (mit Schwarz) und am Freitag könnte Kramnik sich in den Tiebreak am 2. November retten. Allerdings hat er noch nie eine Turnierpartie gegen Anand mit Schwarz gewonnen. Anand genügt dagegen ein Remis aus zwei Partien zur erfolgreichen Titelverteidigung.

"Noch sehr weit von 50 Prozent entfernt"

"Meine Aussichten haben sich heute verbessert, aber meine Chancen sind immer noch sehr weit von 50 Prozent entfernt. Es war heute eine sehr seltsame und ganz delikate Stellung. Ich bin froh, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe", sagte Kramnik.

2009 muss der Sieger seinen Titel entweder gegen Ex-Weltmeister Wesselin Topalow (Bulgarien) oder Gata Kamsky aus den USA verteidigen.

Das Duell um das Herausforderungsrecht soll im November stattfinden, allerdings erfordern organisatorische Probleme wohl eine Verschiebung.

Kramnik erholt

"Die ersten Niederlagen waren für Kramnik ein psychologischer Schock, aber jetzt scheint er sich etwas gefangen zu haben", sagte der deutsche Großmeister Helmut Pfleger, "er kann nun einen Untergang vermeiden, dennoch wird es ganz, ganz schwer."

Am Montag überraschte Kramnik Anand, der mit Schwarz eine Hauptvariante der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung wählte, mit einer Neuerung (Turm auf e1 im 18. Zug). Anand spielte fortan zu unpräzise und offenbarte ungewohnte Schwächen. Zudem kam er in Zeitnot.

Unabhängig vom Ausgang erhalten beide Spieler nach der ersten WM auf deutschem Boden seit 1934 je 600.000 der 1,5 Millionen Euro Preisgeld. 300.000 Euro gehen an den ausrichtenden Weltverband FIDE.

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