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Der "Tiger von Madras" erlernte das Schachspiel als Sechsjähriger von seiner Mutter © imago

Nach 24 Zügen reichen sich Titelverteidiger Anand und Herausforderer Kramnik bei der Schach-WM in Bonn ein letztes Mal die Hände.

Bonn - Indiens Schach-Genie Viswanathan Anand bleibt im Spiel der Könige die Nummer eins. Der Weltmeister erkämpfte bei der WM in Bonn am Mittwoch in der elften Partie das benötigte Remis zur erfolgreichen Titelverteidigung und feierte damit einen insgesamt überzeugenden 6,5:4,5-Erfolg gegen seinen Herausforderer Wladimir Kramnik aus Russland.

Nach 24 Zügen und 3:01 Stunden Spielzeit reichten sich die Kontrahenten im Spielsaal der Bundeskunsthalle die Hände."Wladimir hat mir alles abverlangt. In Bonn habe ich eine meiner besten Leistungen überhaupt gezeigt", meinte der alte und neue Weltmeister nach seinem Triumph.

Beim Verlierer hielt sich die Enttäuschung in Grenzen: "Ich habe alles versucht, aber es hat nicht gereicht. So ist das Leben, Niederlagen gehören dazu", kommentierte Kramnik, dessen Vorstellung dennoch für Verwunderung sorgte.

Pfleger: "Fast schon ein Untergang"

"Unglaubliches ist geschehen, einen solch deutlichen Ausgang hätte ich mir nicht träumen lassen", sagte der deutsche Großmeister Helmut Pfleger: "Es ist unerhört, dass Kramnik zweimal mit Weiß verloren hat. Auf diesem Weltklasse-Niveau ist das Endergebnis fast schon ein Untergang, sogar eine richtige Tragödie."

Robert von Weizsäcker, Präsident des Deutschen Schachbundes, lobte Anand. "Er hat rechenintensive Stellungstypen herbeigeführt, dabei fühlte er sich wie ein Fisch im Wasser. Aber der Abstand ist am Ende etwas zu hoch, so viel besser ist Anand nicht."

Beide Spieler erhalten nach der ersten Weltmeisterschaft auf deutschem Boden seit 1934 je 600.000 der 1,5 Millionen Euro Preisgeld, 300.000 Euro gehen an den ausrichtenden Weltverband FIDE.

"Finanzielle Schwierigkeiten"

2009 muss Anand seinen Titel entweder gegen Ex-Weltmeister Wesselin Topalow aus Bulgarien oder den US-Amerikaner Gata Kamsky verteidigen. Termin und Ort allerdings sind völlig offen, da bereits das Duell um das Herausforderungsrecht "in den Sternen steht", wie von Weizsäcker in Bonn bestätigte.

"Es gibt da offensichtlich große finanzielle Schwierigkeiten. Heutzutage ist es nicht leicht für die FIDE, Unterstützer zu finden und den Kampf auszurichten. Ich sehe nicht, dass das Duell stattfindet."

In Bonn sei es jedenfalls "ein ganz großer Erfolg" gewesen, sowohl was finanzielle Aspekte als auch die Medienresonanz betreffe.

Titelverteidiger bleibt sich treu

Anand blieb sich trotz des beruhigenden Vorsprungs vor der Partie treu und wählte einen offensiven Beginn mit Bauer auf e4. Kramnik reagierte mit Schwarz angesichts der fast hoffnungslosen Situation mit der aggressiven Najdorf-Variante der sizilianischen Eröffnung.

Es entwickelte sich eine unduchsichtige Partie, in der Kramnik bei seinem 17. Zug mit Bauer auf e5 statt Läufer auf e6 seine Siegchance schmälerte.

Kramnik hatte 2006 in der russischen Teilrepublik Kalmückien den Titelvereinigungskampf gegen Topalow gewonnen. Damit war die 13 Jahre währende WM-Zweiteilung der rivalisierenden Verbände FIDE und PCA beendet.

Anand, wegen seiner aggressiven Spielweise auch "Tiger von Madras" genannt, eroberte den Titel 2007 in einem WM-Turnier in Mexiko-Stadt, das er mit 9,0 Punkten vor Kramnik und Boris Gelfand (Israel/beide 8,0) für sich entschied.

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