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Beide Spieler legen nach 16 Tagen Stress erstmal eine Pause ein © getty

13 Jahre herrschte Zwietracht zwischen den rivalisierenden Verbänden FIDE und PCA. Damit soll es nun vorbei sein.

Bonn - Nach 16 Tagen Stress, 390 Zügen und mehr als 38 Stunden Spielzeit gaben sich die beiden Kontrahenten respektvoll die Hand und die Schach-Welt hatte wieder Klarheit.

"Jetzt ist die Wiedervereinigung der Verbände endgültig da. Anand ist der unangefochtene Weltmeister", sagte Helmut Pfleger.

Der deutsche Großmeister war nach dem vorzeitigen 6,5:4,5-Triumph des indischen Titelverteidigers Viswanathan Anand bei der WM in Bonn gegen seinen russischen Herausforderer Wladimir Kramnik auch ein bisschen erleichtert.

Zwietracht zwischen FIDE und PCA

13 Jahre herrschte im Spiel der Könige und Damen analog zum Profiboxen Zwietracht zwischen den rivalisierenden Verbänden FIDE und PCA.

2007 wurde mit dem Erfolg von Anand beim WM-Turnier in Mexiko-Stadt der erste Schritt aus der Misere getan, beendet ist sie nun nach den Tagen am Rhein.

"Bonn war wichtig für den Schachsport. Hier standen sich zwei integre Persönlichkeiten gegenüber, ganz feine und vornehme Menschen. Es gab keine verbalen Scharmützel, es war eine echte Werbung", erklärte WM-Kommentator Pfleger.

Pfleger angetan

Dass der 38 Jahre alte "Vishi" Anand der würdige Champion ist, daran ließ Pfleger keinen Zweifel. "Er hat in jeder Spielform bewiesen, dass er der Beste ist", so Pfleger, der aber auch von Kramniks Endspurt angetan war: "Das war ein versöhnlicher Abschluss, immerhin hat er noch den Ehrentreffer erzielen können. Wenn er von Anfang an so gespielt hätte, wäre es enger geworden."

Kramnik hatte erst in der zehnten Partie seinen ersten Erfolg gefeiert, nachdem er zuvor sogar zweimal mit Weiß von Anand geschlagen wurde.

Insgesamt kassierte er drei Niederlagen, allesamt in der frühen Turnierphase. "Ich werde erst später wissen, welche Fehler ich in der Vorbereitung gemacht habe", erklärte Kramnik.

Lob für den Rivalen

Seine Niederlage nahm der 33-Jährige mit großer Geste hin: "Vishy ist ein großer Spieler. Ich habe alles versucht, aber mehr war nicht möglich."

Da wollte Anand nicht nachstehen und lobte seinerseits den Rivalen über den grünen Klee: "Ich habe nicht erwartet so zu gewinnen. Wladimir hat mir alles abverlangt."

Klar ist nach der WM, dass beide Spieler nun eine Pause einlegen. Dabei dürfte Kramniks kürzer ausfallen, denn er bestätigte in Bonn, dass er bei der Schach-Olympiade ab 12. November in Dresden antreten wolle.

"Chaotische und mafiöse Zustände"

Unklar ist, wie es im Kampf um die WM-Krone weitergeht. Ob das Herausforderduell zwischen Ex-Weltmeister Wesselin Topalow (Bulgarien) und Gata Kamsky (USA) am 26. November in der Ukraine stattfindet, ist aufgrund finanzieller Probleme mehr als fraglich.

Und je weiter sich dieses Duell nach hinten zieht, um so unwahrscheinlicher ist es, dass Anand 2009 seinen Titel verteidigen kann.

Für Helmut Pfleger sind die Schuldigen schnell ausgemacht: "Die Zustände in der FIDE sind chaotisch und mafiös. Da laufen merkwürdige Typen rum und wedeln mit Geldscheinen. Das ist alles sehr suspekt."

Iljumschinow nicht in Bonn

FIDE-Chef Kirsan Iljumschinow, Präsident der autonomen russischen Region Kalmückien, hatte sich an den WM-Tagen nicht ein einziges Mal in Bonn blicken lassen.

Dennoch glaubt der 60-Jährige Pfleger an eine Lösung und verknüpft seine Hoffnungen mit einem Namen: Alexander Schukow,

Präsident des russischen Schachbundes und gleichzeitig stellvertretender russischer Ministerpräsident. "Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwie weitergeht. Und ich hoffe, er regelt das", erklärte Pfleger.

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