"Ich surfe ja nicht auf dem Wasser"
Von Andreas Kloo
München - Besser hätte die Schwimm-WM in Rom für Thomas Lurz nicht laufen können. In der ewigen Stadt sicherte sich der Langstreckenschwimmer seine Titel Nummer sieben und acht.
Damit avancierte er zum erfolgreichsten deutschen Schwimmer aller Zeiten. Dennoch standen bei der WM vor allem die anderen beiden Doppelweltmeister Paul Biedermann und Britta Steffen im Mittelpunkt. Das Langstreckenschwimmen führt hierzulande eher ein Schattendasein. Lurz findet das schade, denn "das ist ja auch Schwimmen".
Titelgarant in Ostia
Vor dem Strand von Ostia zeigte der Würzburger der Konkurrenz, wer der Dominator auf der Langstrecke ist. Nachdem er bereits auf der 5-km-Distanz seinen Konkurrenten keine Chance gelassen hat, wiederholte er das Kunststück auch über die 10 km.
Im ersten Teil des Sport1.de-Interviews-der-Woche spricht Thomas Lurz über die WM in Rom, die weitgehende Nichtbeachtung des Langstreckenschwimmens und warum er sich für diese Disziplin entschieden hat. Im zweiten Teil schildert er seine Ansicht zu den "Wunderanzügen".
Sport1.de: Nach der WM sind Sie nun mit acht WM-Titeln der erfolgreichste deutsche Schwimmer aller Zeiten. Haben Sie diesen Erfolg denn schon verarbeitet?
Thomas Lurz: Es ist natürlich schon eine Riesensache. Ich war schon vorher häufig Weltmeister, aber jede WM hat ihren Reiz, ob man es noch einmal schafft, einen draufzusetzen. Deshalb bin ich schon sehr stolz auf mich.
Sport1.de: Haben Sie damit gerechnet, dieses Jahr in beiden Disziplinen noch einmal so erfolgreich zu sein?
Lurz: Ich wusste, dass es sehr schwer wird. Vor allem, da die Disziplinen zeitlich nahe beieinander lagen. Man braucht immer auch ein bisschen Glück dazu. Ich habe gewusst, wenn alles richtig gut läuft, dann kann ich zwei Medaillen gewinnen. Aber dass es dann zweimal Gold wird, Nummer sieben und acht, damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.
Sport1.de: Sie haben schon vor fünf Jahren den ersten WM-Titel über die 5-km-Distanz gewonnen. Wie schaffen Sie es, in diesen schweren Disziplinen so lange vorne in der Weltspitze zu bleiben?
Lurz: Die Olympischen Spiele in Peking waren eine große Motivation. Vor allem auch deshalb, weil die 10 km dort zum ersten Mal olympisch waren. Ich habe letztes Jahr hart dafür trainiert, davon habe ich auch dieses Jahr noch profitiert. Mit Jan Wolfgarten konnte ich dann auch seit Januar optimal trainieren, und auch sein Bruder, unser Trainer, war sehr wichtig. Ich kann mich sehr gut motivieren, das ist glaube ich, eine große Stärke von mir.
Sport1.de: Dennoch führt das Langstreckenschwimmen eher ein Schattendasein. Paul Biedermann oder Britta Steffen bekommen weit mehr Aufmerksamkeit als Sie. Stört Sie das?
Lurz: Es ist schon ein bisschen schade. Dass Biedermann und Steffen diese Aufmerksamkeit bekommen finde ich gut, die beiden sind ja auch Top-Schwimmer. Aber meine Disziplin an sich ist auch sehr interessant. Ich mache ja keine andere Sportart. Das ist ja auch Schwimmen. Ich surfe ja nicht auf dem Wasser. Das Langstrecken-Schwimmen ist so ähnlich wie eine Etappe bei der Tour de France, also durchaus spannend. Ich hoffe schon, dass es in Zukunft mehr Beachtung gewinnt. Gerade auch, weil in Deutschland Herren und Damen erfolgreich sind, ich denke da auch an Angela Maurer.
Sport1.de: Auf welchem Weg könnte die Disziplin denn mehr Beachtung finden?
Lurz: In einigen Ländern ist sie schon hoch angesehen. Ich weiß nicht, warum das bei uns nicht so ist, oder was sich in Zukunft ändern soll. Man könnte bei den Weltcups und Wettbewerben noch einige Dinge verbessern. In Rom hätte zum Beispiel eine große Tribüne aufgebaut werden können – die wäre sicher voll gewesen. Die Wettbewerbe wurden direkt am Strand von Ostia ausgetragen. Ich schwimme ja dort, wo andere Urlaub machen. Das Publikum ist schon da, nur die Rahmenbedingungen könnte man eben noch verbessern.
Sport1.de: Was hat Sie denn zu dieser Sportart getrieben?
Lurz: Tendenziell war es bei mir immer so, dass ich auf den längeren Strecken besser war. Ich bin bis 2004 immer die 1500 Meter im Schwimmbecken geschwommen. Aber danach wurden die 10-km-Strecke olympisch und da ich dort einfach bessere Chancen hatte, bin ich umgestiegen.
Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews
Diskutieren Sie in der Community!
Zurück zur Startseite