Poleska steigt aus dem Becken
Essen - Deutschlands neuer Schwimmstar Paul Biedermann hat seine Rekordjagd gleich zum Auftakt der nationalen Kurzbahn-Meisterschaften in Essen mit einer europäischen Bestmarke über 800 m Freistil fortgesetzt.
Knapp zwei Wochen nach seinem Weltrekord über 200 m Freistil blieb der 22-Jährige aus Halle/Saale in 7:35,23 Minuten 1,01 Sekunden unter dem fast zwölf Jahre alten Rekord des früheren Weltmeisters Jörg Hoffmann und sorgte damit für einen weiteren Paukenschlag.
"Ich will jedes Rennen so schnell schwimmen, wie ich kann. Ich wusste ja, dass ich gut in Form bin. So kann es weitergehen", meinte Biedermann, der bei seiner erfolgreichen Titelverteidigung auch das Ticket für die EM vom 11. bis 14. Dezember in Rijeka/Kroatien löste.
"Solche Leute wie Paul brauchen wir"
In Essen geht Biedermann noch über 100, 200 und 400 m Freistil an den Start.
"Solche Leute wie Paul brauchen wir", erklärte der neue Bundestrainer Dirk Lange: "Er ist ein Vorbild, weil er in jedem Rennen Vollgas gibt."
Stark waren auch die Leistungen von Biedermanns Teamkollegin Theresa Michalak sowie Yannik Liebherz. Der Darmstädter überzeugte mit deutschem Rekord über 400 m Lagen.
In 4:09,05 Minuten blieb der 20-Jährige acht Zehntel unter der neun Jahre alten Marke von Jirka Letzin, musste sich allerdings dem für die SG Frankfurt startenden Polen Lukasz Wojt (4:06,56) geschlagen geben.
Michalak mit großen Zielen
Die erst 16-Jährige Michalak holte sich ihren ersten Titel in 4:36,83 Minuten über 400 m Lagen, verbesserte damit ihre eigene Bestleistung um fast fünf Sekunden und unterbot auch die Richtzeit für die EM.
"Dort will ich unter die ersten zehn kommen", gab Michalak ihr Ziel aus.
Über 1500 m Freistil gewann die Mainzerin Nadine Pastor (16:30,16).
Poleska hört auf
Beim Umbruch wird dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) Anne Poleska nicht mehr zur Verfügung stehen. "Es ist definitiv Schluss", sagte die Olympia-Dritte 2004 von Athen als Zuschauerin am Beckenrand.
In Peking war die 28-Jährige nicht über Platz zehn hinausgekommen.
Immerhin konnte Lange die Leistungen von Biedermann, Michalak und Lebherz mit Genugtuung sehen.
Lange will Erfolge sehen
Der 45-Jährige machte deutlich, dass er auch kurzfristig schon Erfolge sehen will. "Wir müssen nach draußen zeigen, dass der deutsche Schwimmsport nicht so schlecht ist wie er sich bei Olympia in Peking dargestellt hat", meinte Lange:
"Was im Augenblick einzig zählt, sind Leute, die Leistung bringen - egal ob groß, klein, alt oder häßlich."
Auf lange Sicht will Lange Deutschlands Schwimmer mit harter Hand wieder flottmachen. "Ich möchte perspektivisch erkennen, wer die internationale Härte annimmt und wer mutig auftritt", erklärte Lange, der den DSV bis 2010 wieder in die erweiterte Weltspitze zurückführen will: "Dann wollen wir wieder da sein, wo wir hingehören."
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