Thorpe läuft die Zeit davon - DSV-Stars starten schnell
Luxemburg/Essen - Rückkehrer Ian Thorpe läuft die Zeit davon.
Sechs Monate vor den Olympischen Spielen schwimmt der australische Superstar weiter der Konkurrenz und seinen eigenen Ansprüchen hinterher.
"Das war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe", sagte der fünfmalige Olympiasieger nach seinem enttäuschenden vierten Platz beim Euro-Meeting in Luxemburg in schwachen 1:51,51 Minuten über seine einstige Paradestrecke 200 m Freistil.
Sieben Wochen vor den australischen Meisterschaften, bei denen er sich für London qualifizieren will, musste sich der 29-Jährige sogar zweimal dem Hamburger Lagen-Spezialisten Markus Deibler geschlagen geben ( NEWS: Deibler düpiert den "Thorpedo").
"Auf die Zeiten gucke ich gar nicht"
Ganz nach Plan begann dagegen das Olympia-Jahr für die deutschen Schwimmstars Britta Steffen und Paul Biedermann, die bei den Mannschaftsmeisterschaften in Essen erstmals ins Wasser sprangen.
"Auf die Zeiten gucke ich jetzt noch gar nicht", sagte Biedermann, der in Essen über vier Strecken an den Start ging, "wir kommen gerade aus dem Trainingslager und sind alle noch ein bisschen kaputt."
Auf seiner Paradestrecke 400 m Freistil bot der 25-Jährige in 3:56,37 Minuten nur eine mäßige Leistung.
Training zu hart für Thorpe?
Deutlich stärker präsentierte sich Doppel-Olympiasiegerin Steffen.
In 24,92 Sekunden schwamm die Berlinerin über 50 m Freistil die zweitbeste Zeit der noch jungen Saison, über die doppelte Distanz schlug sie nach 54,94 Sekunden an.
Auf die Müdigkeit schob auch Australiens Nationaltrainer Leigh Nugent die schwache Leistung von Thorpe in Luxemburg.
"Er sah aus, als sei er sehr erschöpft", sagte er.
Mit Blick auf die Olympia-Qualifikation in Adelaide (15. bis 22. März) hat Thorpe ein intensives Fitness-Training außerhalb des Wassers begonnen, "das hat ihm wohl eine ganz neue Art der Müdigkeit beschert", so Nugent.
Weltrekord elf Jahre her
Thorpe, der nach fünfjähriger Wettkampfpause sein Olympia-Comeback anpeilt, war in Luxemburg 72 Hundertstelsekunden langsamer als noch vor zwei Wochen.
Die aktuell Weltbesten Sun Yang (China/1:46,84) und Yanick Agnel (Frankreich/1:47,01) sind Lichtjahre entfernt.
"Das sind richtig gute Zeiten", meinte Thorpe mit Blick auf die Konkurrenten. Bei der WM 2001 in Fukuoka war der Australier mit 1:44,06 Minuten letztmals Weltrekord geschwommen.
Am dritten Tag in Luxemburg gelang Thorpe über 100 Meter Freistil immerhin seine bisher beste Zeit seit seiner Rückkehr in den Schwimm-Zirkus.
Einen Tag nach seiner enttäuschenden Leistung und Rang vier über die doppelte Distanz schlug der fünfmalige Olympiasieger am Sonntag nach dennoch mäßigen 50,76 Sekunden als Sechster an.
Den Sieg sicherte sich Deibler in 50,08 Sekunden, der somit im Duell mit Thorpe nach Rang zwei über 200 Meter Freistil erneut die Nase vorn hatte.
Biedermann warnt vor Thorpe
Biedermann, der bei der WM 2011 über die 200 m hinter den US-Stars Ryan Lochte und Michael Phelps Bronze gewann, hat den Australier trotz der bislang schwachen Zeiten für Olympia auf der Rechnung.
"Auch Thorpe", fügte der Hallenser an, als er seine Rivalen für London aufzählte, "es gibt genug Konkurrenz auf 200 Kraul, es wird hart genug, sich da durchzusetzen."
Während der Doppel-Weltmeister von 2009 sich auf die deutschen Meisterschaften in Berlin (10. bis 14. Mai) und die EM in Antwerpen (16. bis 27. Mai) vorbereitet ("ich arbeite an meinen Wenden und meiner Technik"), wird es für Thorpe langsam eng.
Thorpe zuversichtlich
Trainingslager auf Teneriffa und in Lindau sollen ihn bis zur Generalprobe Ende Februar in Zürich wieder an bessere Zeiten heranführen - auch mental.
"Er war früher sehr dominant. Wenn du mit dem Sport aufhörst, verschwindet das alles", sagte Trainer Nugent, "Selbstvertrauen ist schwer zu gewinnen und schnell verloren."
Das Gefühl, den "Thorpedo" geschlagen zu haben, fand Markus Deibler "ganz cool. Aber noch cooler wäre es, wenn ich im Sommer schneller wäre als er", sagte der Hamburger, der als Zweiter angeschlagen hatte.
Thorpe machte sich indes selbst Mut: "Ich wusste immer, dass es schwer wird. Aber ich fühle mich im Wasser schon deutlich besser."
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