Mit Enten-Slalom zum Olympia-Gold
München - Seinen Koffer hat Thomas Lurz eigentlich schon gepackt, der Flug nach London ist längst gebucht.
"Wir hatten schon die Einkleidung. Es rückt immer näher. Ich habe Olympia zwar nicht von morgens bis abends, aber immer häufiger im Kopf", sagt der Rekordweltmeister im Freiwasserschwimmen.
Sechs Wochen vor dem Unternehmen Gold in der britischen Metropole macht der 32-Jährige noch einen Abstecher in die hessische Provinz:
In Großkrotzenburg steht bei der DM die Olympia-Generalprobe an (DIASHOW: Die Olympia-Spielstätten).
Qualitativ hochwertiges Feld
"Es ist ein guter Trainingswettkampf", sagt Lurz, der am Donnerstag über die olympischen zehn Kilometer in den Baggersee Freigericht-West geht, "er ist international ausgeschrieben, das bringt dem Feld mehr Qualität."
Mit einem Sieg würde sich der Würzburger seinen 25. deutschen Meistertitel sichern - ein Jubiläum, das ihn aber nur am Rande interessiert.
"Gold ist mein Ziel"
"London hat absolute Priorität", sagt der zehnmalige Weltmeister, denn in seiner beeindruckenden Titelsammlung klafft noch eine Lücke: "2008 in Peking habe ich Bronze gewonnen. Die Goldmedaille ist natürlich mein Ziel. Es ist der einzige Titel, der mir noch fehlt." (SERVICE: Alles zu Olympia 2012)
Dem hat Lurz in diesem Jahr alles untergeordnet. Wenn er in seinem Heimatbad in Würzburg "am Tag bis zu 20, 22 Kilometer schwimmt", erinnert ihn an fast jeder Wand ein London-Schild an das große Ziel.
Was ihn am 10. August im Serpentine Lake im Hyde Park erwartet, weiß er ganz genau.
Gänse, Enten und Schwäne
"Es sind da relativ viele Enten, Gänse und Schwäne. Da schwimmt ganz schön viel drin rum", erzählt Lurz, der im vergangenen August am Testwettkampf teilnahm: "Danach war ich auch drei Tage krank."
Vor allem die Temperatur von knapp 20 Grad ist gewöhnungsbedürftig: "Bei der WM letztes Jahr in Shanghai waren es 30 Grad. Ich denke, dass ich schon ein, zwei Kilo mehr haben sollte."
Lurz ist extreme Bedingungen gewohnt.
Lieber Quallen als Nägel
"Wir schwimmen überall, See, Meer, Fluss, sehr kaltes Wasser, viel Strömung, wenig Strömung, sehr heißes Wasser und natürlich auch dreckiges Wasser. Da ist alles geboten - von A bis Z", sagt er: "Wir hatten schon Weltcups in Brasilien, da schwammen Holzpaletten mit Nägeln dran rum. Es war gefährlich, weil das Wasser so trüb war, dass man nichts sah. Da sind Quallen noch die bessere Alternative."
Luxus? Eine Seltenheit
Auch das Drumherum ist für einen Rekordweltmeister nicht immer standesgemäß.
"Früher, als ich noch im Becken geschwommen bin, habe ich in besseren Hotels geschlafen", sagt der ehemalige 1500-m-Spezialist.
"Ich will nicht jammern, aber ein gewisser Standard ist schon nicht schlecht. Wir verlangen ja keine Fünf-Sterne-Hotels, sondern normales Essen, damit man keine Vergiftungen davonträgt, das gab's auch schon."
Auch Jugendherbergen kennt Lurz - "ohne Klimaanlage in Brasilien. Man könnte ein Buch darüber schreiben."
Gefährliche Tritte
Seit dem Tod des US-Schwimmers Francis Crippen am 23. Oktober 2010 beim Weltcup in Dubai hat sich zumindest in Sachen Sicherheit einiges getan.
"Es sind mehr Boote dabei. Früher sind wir teilweise allein geschwommen. Jetzt sind Taucher an den Bojen, die schauen, dass nichts passiert. Wenn man mit 60, 70 Mann um die Boje schwimmt, kann man schon mal einen Tritt abbekommen. Und dann kann es gefährlich werden, wenn man ohnmächtig wird."
Auch Waschburger und Maurer am Start
Bei der DM in Großkrotzenburg, bei der auch die beiden anderen deutschen Olympia-Teilnehmer Andreas Waschburger (Saarbrücken) und Angela Maurer (Mainz) an den Start gehen, beträgt die Wassertemperatur 21,5 Grad.
"In London wird es ein bisschen kälter", prophezeit Lurz - und viel wichtiger.
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