Lurz träumt von Gold und Fast-Food-Lizenz
Piombiono - Vor der toskanischen Küste schwimmt Thomas Lurz um seinen sechsten EM-Titel, doch in Gedanken ist der Freiwasser-Rekordweltmeister schon an der Copacabana.
2016 in Rio de Janeiro will der Olympia-Zweite ein allerletztes Mal versuchen, die Medaille zu gewinnen, die ihm in seiner großen Sammlung noch immer fehlt: olympisches Gold.
"Das würde passen", sagt der 32-Jährige vor seinem Start über die 10 km am Mittwoch im italienischen Piombino: "Ich würde es gerne machen."
Vor vier Wochen hatte der Würzburger im Serpentine Lake im Londoner Hyde Park sein großes Ziel knapp verpasst, als er sich mit Silber zufrieden geben musste. Danach hatte er seine Zukunft offen gelassen.
Lurz: "Will nicht nur mitschwimmen"
Mittlerweile steht fest: Lurz schwimmt weiter. "Dass ich bis 2014 weitermache, ist sowieso klar", sagt er, die WM 2013 in Barcelona und die EM 2014 in Berlin sind fest eingeplant: "Wenn bis dahin alles gut läuft, geht es auch weiter."
Mit dann 36 Jahren traut sich Lurz in Brasilien durchaus noch den großen Coup zu. "Erfahrung macht sehr viel aus", sagt er und betont: "Ich will nicht nur mitschwimmen."
In London, wo ihm der tunesische Quereinsteiger Oussama Mellouli den Olympiasieg wegschnappte, sei er "von den Freiwasserschwimmern eigentlich der Schnellste" gewesen.
Anstrengende Zeit
Der Rekordweltmeister weiß, dass ihm vier harte Jahre bevorstehen - mit jeweils 3000 Schwimm-Kilometern.
Deshalb musste er zunächst die eigene Familie überzeugen. Sein Bruder Stefan, Bundestrainer der Freiwasserschwimmer, war zunächst skeptisch.
"Es ist auch für ihn ein großer Aufwand, viel Druck, und es kostet viele Nerven", sagt Thomas Lurz, "aber Olympia ist halt der einzige Wettkampf, der wirklich zählt. Da muss man auf den Punkt gut sein. Was du vorher gewinnst, ist sekundär."
Finanzielle Sorgen
Regeln muss der zehnmalige Weltmeister allerdings noch, wie er in den nächsten vier Jahren finanziell über die Runden kommt.
Derzeit ist er bei der Bundeswehr beschäftigt und wird von regionalen Sponsoren unterstützt.
"Die Preisgelder sind relativ gering. Das ist nichts, worauf man sich verlassen kann", sagt er.
Lurz denkt an Fast-Food-Lizenz
Parallel zum "Fulltime-Job" Freiwasserschwimmen will Lurz in einen zivilen Beruf einsteigen, "eine Ausbildung wäre realistisch".
Als Sozialpädagoge will er nach Abschluss seines Studiums jedoch nicht arbeiten, da lockt den bekennenden Fast-Food-Fan eine McDonald's-Lizenz schon mehr: "Das wäre eine Option."
Olympia im Hinterkopf
Die EM in der Toskana, gibt Lurz zu, ist so kurz nach Olympia von der Motivation her "natürlich schwierig, das juckt ja keinen mehr".
Dennoch will er am Mittwoch seine 27. internationale Medaille holen: "Natürlich will ich gewinnen - aber es ist kein Vergleich zu den Olympischen Spielen."
Die Toskana ist eben nicht die Copacabana.
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