Trotz Olympia-Debakal: Biedermann macht bis 2016 weiter
München - Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann will trotz seiner medaillenlosen Bilanz in London seine Karriere bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 fortsetzen.
"Ich werde definitiv bis 2016 weitermachen", sagte Biedermann der "Welt am Sonntag": "Mit genügend Abstand hat es mich wieder gepackt."
Der 26-Jährige aus Halle/Saale war in London über 400 m Freistil überraschend schon im Vorlauf ausgeschieden und hatte über die halbe Distanz als Fünfter eine Medaille verpasst.
Die deutsche 4x200-m-Freistilstaffel wurde mit Biedermann Vierte.
Gründe für Olympia-Debakel vielfältig
"Der Frust ist noch da, und es wird auch noch eine Weile dauern, bis er komplett draußen ist. Denn ich hatte einen anderen Anspruch", sagte der dreifache WM-Dritte, der sich seine Rennen in London noch nicht angeschaut hat.
"Ich wollte eine Medaille und bin für mich gescheitert. Es ist blöd, zu wissen, dass ich mit meiner Zeit aus dem Vorjahr eine Olympiamedaille gewonnen hätte."
Die Gründe für sein eigenes Abschneiden und den schwachen Auftritt des gesamten deutschen Schwimmteams seien, so Biedermann, vielfältig.
Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hatte nach den ersten medaillenlosen Olympischen Spielen seit 80 Jahren eine lange Mängelliste vorgetragen und den Schwimmern unter anderem fehlende Wettkampfhärte und zu geringe Grundlagenausdauer vorgeworfen.
Biedermann wünscht sich Trainer aus dem Ausland
"Wir haben ein strukturelles Problem. Ich denke, es fängt bei den Trainern an. Wir beschweren uns, dass wir zu wenig Trainer hätten - aber an der Basis hören die Trainer auf, weil sie zu schlecht bezahlt werden, keine Unterstützung bekommen und sich eigentlich niemand für sie interessiert", sagte der Lebensgefährte von Britta Steffen.
"Wir sichten nur Karpfen, hieß es vorwurfsvoll. Um Delfindompteure zu bekommen, müsste man ja Zeit und Geld investieren."
Auch in der Diskussion um den vakanten Posten des Bundestrainers bezog Biedermann Stellung.
"Ich fände es wünschenswert, wenn jemand aus dem Ausland kommt", sagte er: "Was wir nicht brauchen, ist jemand, der sich nach jedem Abschnitt den Medien präsentiert, zu allem seine Meinung sagt und sein Ego pflegt."
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