Steffen und Biedermann drohen mit Deutschland-Flucht
Berlin - Trainieren die deutschen Schwimmstars Britta Steffen und Paul Biedermann bald im Ausland?
Deren Heimcoach Frank Embacher ist zumindest im seit Wochen hinter den Kulissen schwelenden Streit um die ungeklärte Trainersituation erstmals öffentlich auf Konfrontationskurs mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) gegangen.
Der Hallenser setzte die DSV-Führung unter Druck und kokettierte mit einem Abschied von ihm und seinen prominenten Schützlingen ins Ausland.
Biedermann geht mit Embacher
Sollte sein Ende des Jahres auslaufender Vertrag nicht spätestens bis zum 1. November verlängert werden, werde er künftig wohl im Ausland arbeiten, verriet der 48-Jährige am Rande des Kurzbahn-Weltcups in Berlin.
Weltrekordler Biedermann betonte, er würde seinem langjährigen Heimtrainer ohne Zögern ins Ausland folgen: "Da, wo mein Trainer ist, da bin auch ich."
Da Steffen erst vor wenigen Tagen ihren Wechsel in Embachers Trainingsgruppe verkündet hatte, dürfte auch sie im Fall der Fälle Deutschland fürs Training den Rücken kehren.
Embacher macht Andeutungen
Embacher betonte, dass nicht nur sein Team solche Überlegungen anstellen würde.
"Das könnte auch noch bei anderen deutschen Schwimmern passieren", sagte Embacher:
"Wenn erst im Dezember oder Anfang Januar Entscheidungen getroffen werden, dann sind vier von sechs Bundesstützpunkttrainern in anderen Funktionen. Da muss man sehen, ob man sich das leisten kann."
Viele Verträge laufen aus
Die Verträge der meisten Trainer an den Leistungszentren laufen Ende des Jahres aus.
"Wir wurden darüber informiert, dass die Verträge vorerst nicht verlängert werden", sagte Embacher, der aufgrund der ungeklärten Situation "sauer" ist:
"Die Arbeit der vergangenen Jahre war sehr intensiv. Es hat kein Bundesstützpunkttrainer verdient, so behandelt zu werden."
Er forderte deshalb die Verbandsführung zu einem klärenden Gespräch während des bis Sonntag dauernden Heim-Weltcups: "Es ist wichtig, dass hier in Berlin Klartext geredet wird, dass wir eine Antwort auf unsere Fragen bekommen."
DSV zögert
Der DSV will jetzt noch keine Verträge verlängern, weil die zukünftigen Strukturen im Verband erst geklärt werden müssen.
Diese soll die nach dem Olympia-Debakel ins Leben gerufene "Strukturkommission", die am Freitag in Frankfurt/Main erstmals tagte, ermitteln.
Zudem ist noch nicht sicher, wieviel Steuergelder im neuen Olympiazyklus an den Verband fließen.
Dass der Posten des Schwimm-Bundestrainers, der sicher eigene Vorstellungen über das Trainerteam mitbringen wird, noch vakant ist, kommt erschwerend hinzu.
Kritik von Biedermann
Darüber hinaus steht am 10. November der Verbandstag mit Präsidiumswahlen an.
"Ich habe das Gefühl, dass alles auf den Verbandstag guckt und dass bis dahin nichts passiert", sagte die Hamburger Trainerin Petra Wolfram.
Biedermann kritisierte das Vorgehen des DSV: "Es wäre wichtig, erst die Trainerfrage zu klären, ehe man sich als Expertenrunde zusammensetzt."
Lawrence Okoye wird Footballspieler: Der britische Modellathlet erhält bei den San Francisco 49ers einen Dreijahresvertrag. Der Head Coach des Vizemeisters schwärmt. Sportler auf Abwegen. mehr...