Steffen und Biedermann siegen - Flucht wohl vom Tisch
Berlin - Das Schwimm-Traumpaar Britta Steffen und Paul Biedermann hat beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin aus sportlicher Sicht einen gelungenen ersten Auftritt in Deutschland nach der großen Olympia-Enttäuschung hingelegt.
Hinter den Kulissen sorgte jedoch ein Vorstoß ihres Heimtrainers Frank Embacher für Wirbel.
Der Hallenser hatte die Führung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) aufgrund der ungeklärten Vertragssituation der Trainer unter Zeitdruck gesetzt mit einem Abschied von ihm und seinen prominenten Schützlingen ins Ausland kokettiert.
Krisentreffen am Samstag
Doch dieses Szenario scheint nach einem Krisentreffen am Samstag vom Tisch:
"Ich weiß, dass es Gespräche gab, und die gingen relativ gut aus", sagte Weltrekordler Biedermann mit einem Lächeln im Gesicht. Auch seine Freundin Steffen gab Entwarnung: "Ich glaube, das steht nicht mehr zur Debatte." ( Bericht: Traumpaar droht mit Deutschland-Flucht)
"Wo mein Trainer ist, bin ich"
Embacher hatte zuvor betont, er werde wohl ab 2013 im Ausland arbeiten, sollte sein Ende des Jahres auslaufender Vertrag nicht spätestens bis zum 1. November verlängert werden.
Sein langjähriger Schützling Biedermann hatte betont: "Da, wo mein Trainer ist, da bin auch ich."
Das Ausland sei für mehrere Athleten eine Option, hatte Embacher gesagt und kritisiert: "Wenn erst im Dezember oder Anfang Januar Entscheidungen getroffen werden, dann sind vier von sechs Bundesstützpunkttrainern in anderen Funktionen. Da muss man sehen, ob man sich das leisten kann."
Embacher sauer
Die Verträge der meisten Trainer an den Leistungszentren laufen Ende des Jahres aus. "Wir wurden darüber informiert, dass die Verträge vorerst nicht verlängert werden", sagte Embacher, der aufgrund der ungeklärten Situation "sauer" war: "Die Arbeit der vergangenen Jahre war sehr intensiv. Es hat kein Bundesstützpunkttrainer verdient, so behandelt zu werden."
DSV-Präsidentin Christa Thiel gab zwar nach dem vom Betriebsrat initiierten Treffen keine konkreten Inhalte preis, sie schien jedoch den Unmut der Trainer besänftigt zu haben. Einen unterschriftsreifen Vertrag werden aber weder Embacher noch die anderen Stützpunkttrainer, dessen Kontrakte am Jahresende auslaufen, in den kommenden Tagen erhalten, betonte Thiel.
Erst wenn die Ergebnisse der nach dem Olympia-Debakel ins Leben gerufenen Strukturkommission vorlägen, könne man diese wichtigen Personalentscheidungen treffen, sagte Thiel. Mit den Empfehlungen ist noch im November zu rechnen.
Vom Wirbel unbeeindruckt
Vom Wirbel hinter den Kulissen ließen sich Steffen und Biedermann zumindest sportlich nichts anmerken ( Gemeinsam stark: Steffen/Biedermann greifen wieder an).
Erst gewann Biedermann über 400 m Freistil in 3:42,21 Minuten und war damit fast um zwei Sekunden schneller als noch beim Weltcup in Moskau.
Nur wenige Minuten später unterstrich Biedermanns Freundin Britta Steffen ihre gute Frühform mit dem Sieg über 50 m Freistil (24,16).
Siebter Einzelsieg im Weltcup
Für die Doppel-Olympiagewinnerin von 2008 war es bereits der siebte Einzelsieg bei der diesjährigen Weltcupsaison, die sie erstmals in ihrer Karriere komplett bestreitet.
"Die Reiserei geht ganz schön an die Substanz", sagte Steffen, die das krankheitsbedingte Fehlen ihrer schwedischen Rivalin Therese Alshammar bedauerte: "Das ist total schade."
Biedermann kaschiert Trainingsdefizite
Biedermann gab derweil zu, noch mit "großen Trainingsdefiziten" an den Start gegangen zu sein: "Aber das kann man auf der Kurzbahn ganz gut kaschieren."
Der Doppel-Weltmeister von 2009 freut sich auf Sonntag, wenn es über die halbe Distanz zum Duell gegen seinen französischen Rivalen Yannick Agnel kommt.
Der zweifache Olympiasieger von London verpasste über 100 m Freistil als Vierter (47,04) das Podest. Der Olympia-Vierte Steffen Deibler (Hamburg) kam bei seinem ersten Wettkampf nach den Sommerspielen mit der sechstbesten Zeit (48,47) ins Ziel.
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