Neu-Bundestrainer Lambertz warnt vor Durststrecke
Istanbul - Die endgültige Zusage für seine Beförderung erhielt Henning Lambertz quasi als Geschenk an seinem 42. Geburtstag.
Zu diesem Zeitpunkt war sein Name als neuer Schwimm-Bundestrainer aber schon längst an die Öffentlichkeit durchgesickert.
Am Freitagmorgen wurde nun am Rande der Kurzbahn-WM in Istanbul das Geheimnis gelüftet, das keines mehr war.
Obwohl der zunächst bis 2016 befristete Vertrag noch nicht unterschrieben ist, wurde der Essener Stützpunktcoach offiziell als Chef-Bundestrainer Schwimmen vorgestellt ( Suche beendet: Lambertz wird neuer Bundestrainer).
Mammutaufgabe nach Debakel
Mit viel Tatendrang, aber auch einer gehörigen Portion Respekt geht der ehrgeizige Lambertz die Mammutaufgabe an, die deutschen Schwimmer nach dem Olympia-Debakel zurück in die Erfolgsspur zu führen.
"Ich weiß, dass es eine schwere Aufgabe ist, an der sich vor mir schon ausgesprochen dekorierte Trainer die Zähne ausgebissen haben. Aber ich bin guten Mutes, sonst hätte ich den Job nicht angetreten", sagte der neue starke Mann der Becken- und Freiwasserschwimmer.
Die Akkreditierung um seinen Hals wies ihn schon als einen "offiziellen Teambetreuer" aus, doch er wird erst am 1. Januar 2013 die Nachfolge des vor einem Jahr entlassenen Dirk Lange mit erweiterten Kompetenzen antreten.
"Keinen Sack voll Medaillen"
Sein Konzept sieht nicht nur die Elitebetreuung, sondern zum gleichen Teil auch die Förderung der Perspektivathleten vor. Daher dämpfte Lambertz auch die kurzfristigen Erwartungen:
"Wir werden von der WM 2013 sicher nicht mit einem Sack voller Medaillen nach Hause kommen. Wir werden eine kleine Durststrecke überbrücken müssen."
Einen totalen Umbruch werde es unter ihm aber nicht geben. Man müsse "das Rad nicht neu erfinden", sagte der Vater einer 14 Monate alten Tochter und meinte: "Wir müssen besser werden, aber wir müssen keine Quantensprünge machen." Wichtig sei vor allem, dass man die guten Leistungen von deutschen Meisterschaften wieder in die Top-Events überführe: "Das war eine große Schwäche von uns. Aber das ist kein Hexenwerk."
Teamplayer statt Oberguru
Nach der Absage von DSV-Wunschkandidat Paulus Wildeboer (dänischer Cheftrainer) wurde Lambertz' Bewerbung intern schnell favorisiert.
Lambertz, als aktiver Schwimmer nicht besonders erfolgreich, führte in Essen unter anderem Brustschwimmer Hendrik Feldwehr zu internationalen Medaillen. Er sei kein "kein Oberguru, der von oben bestimmt", sondern ein Teamplayer.
Lob von der Präsidentin
Ein Streitpunkt war aber die vom Trainer auch öffentlich geäußerte Forderung nach einem Achtjahresvertrag.
Hier einigte man sich auf eine beidseitige Option zur Vertragsverlängerung nach Olympia 2016. "Es ist auch in meinem Sinne, dass man zwischendurch überprüft wird", sagte Lambertz.
DSV-Präsidentin Christa Thiel lobte den eloquenten und ehrgeizigen Trainer als jemanden, "der aufgrund seiner Persönlichkeit alle mitnimmt". ( BERICHT: Friedensgipfel mit Buschkow)
Biedermann wünscht starke Nerven
Auch die meisten Athleten freuten sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Chef. "Ein cooler Kumpeltyp" sei Lambertz, verriet zum Beispiel Rückenschwimmer Christian Diener.
Weltrekordler Paul Biedermann, der sich für einen ausländischen Coach ausgesprochen hatte, wünschte dem neuen Bundestrainer angesichts der komplizierten Gemengelage im Verband "starke Nerven und ein langes Durchhaltevermögen".
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