Mit zwei wesentlichen Lösungsansätzen will Bundestrainer Henning Lambertz die Wende im kriselnden deutschen Schwimm-Team herbeiführen.

Zum einen wird der 42-Jährige in Zukunft auf härteres und ganzheitlicheres Training drängen, zum anderen will er einen neuen Qualifikations-Modus für den Saisonhöhepunkt einführen.

"Fakt ist eins: Ein 'Weiter so' kann es nicht geben. Ich werde mit Volldampf daran arbeiten, meine Ideen durchzusetzen", sagte der seit Jahresbeginn verantwortliche Chef-Bundestrainer.

Bislang mussten die Schwimmer einige Monate vor einer WM, EM oder vor Olympischen Spielen bei den deutschen Meisterschaften um ihr Ticket kämpfen.

Die teils desolate WM in Barcelona hat jedoch abermals gezeigt, dass die meisten Athleten es nicht schaffen, die guten Leistungen bei der DM ein paar Monate später auch beim Saisonhöhepunkt abzurufen.

Deswegen will Lambertz die Qualifikation künftig nach internationalem Vorbild bei so genannten Trials wenige Wochen vor dem Jahreshöhepunkt abhalten.

Lambertz' Hoffnung lautet: "Wer weniger Zeit zwischen den Terminen hat, macht auch weniger Fehler."

Die Maßnahme soll bereits zur Heim-EM 2014 in Berlin vom 18. bis 24. August greifen.

An der DM Ende April 2014 müssten die Schwimmer zwar teilnehmen, aber keine Normen mehr erfüllen.

Bei seiner Forderung nach einem härteren und ganzheitlichen Training hofft Lambertz auf die Kooperation der Heimtrainer, denn eine Überwachung der Trainingspläne komme für ihn nicht infrage: "Ich will das Verständnis wecken, dass in diesem Punkt vieles im Argen liegt."

Wie schlecht es um das Basisniveau vieler Schwimmer bestellt ist, davon konnte sich Lambertz beim Auftakttrainingslager in Zinnowitz erneut ein Bild machen.

"Ein junger Mann ist nach zwölf Liegestützen zusammengebrochen und auf dem Bauch gelandet. Das war teilweise ein Desaster, was ich da gesehen habe", sagte Lambertz, der vor allem das zehnköpfige Perspektivteam mit verschiedenen Maßnahmen auf ein höheres Grundniveau heben will.

Für Weltrekordlerin Britta Steffen würden sicher Sonderregeln gelten - wenn sie denn überhaupt ihrer Karriere fortsetzt. Noch immer schweigt die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 über ihre sportliche Zukunft.

"Ich hoffe, dass sie sich in ein, zwei Wochen positioniert und eine Entscheidung trifft", sagte Lambertz.

Bei Steffens Lebensgefährten Paul Biedermann, der nach einem halben Jahr Pause wieder ins Training eingestiegen ist, ist der Bundestrainer optimistischer: "Ich denke, dass er weitermachen und auch wieder in der Weltspitze ankommen möchte, auch wenn er sich momentan wie ein Stein im Wasser fühlt."

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