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BMW Oracle (Foto) und Alinghi liefern sich ab Montag einen sportlichen Wettstreit © intern

Statt eines "freundschaftlichen Wettbewerbs" bestimmen Juristen den America's Cup. Ab Montag startet das sportliche Duell.

Valencia/München - Der älteste und prestigeträchtigste Segel-Wettbewerb der Welt startet in seine 33. Auflage, aber kaum einer spricht vom sportlichen Duell, sondern vielmehr von den Streitereien vor Gericht.

Und auch nach der Wettfahrt geht der Rechtsstreit zwischen Titelverteidiger Alinghi und Herausforderer BMW Oracle weiter. Den wird das zuständige New Yorker Gericht am 25. Februar verhandeln.

"Wir hätten uns gewünscht, dass diese Geschichte vor der Austragung des 33. America's Cup geklärt worden wäre. Wir müssen Alinghi nun auf dem Wasser schlagen. Das wäre die beste Art, das Problem zu lösen", sagte ein Sprecher des Golden Gate Yacht Club von BMW Oracle.

Kein freundschaftlicher Wettbewerb mehr

Den ursprünglichen Charakter als Symbol für den "freundschaftlichen Wettbewerb" zwischen Nationen sein, wie er 1852 im sogenannten Deed of Gift festgelegt wurde, hat der America's Cup längst verloren.

Was im Vorfeld der 33. Auflage geschah, hat mit diesen Vorgaben wenig zu tun.

Es wurden wahre Heerscharen von Juristen beschäftigt, Klagen angestrengt, Berufungen eingelegt.

Rennen zweier Hightech-Yachten

Nach einem rund zweieinhalb Jahre andauernden Rechtsstreit geht es ab kommendem Montag zum Duell aufs Wasser.

Zwei hochgezüchtete Rennyachten werden sich vor Valencia gegenüberstehen. Geld scheint kaum eine Rolle zu spielen, Hightech bestimmt das Bild.

Um die Insel Isle of Wright

Dies war nicht immer so. Erstmals wurde 1851 um den Cup gesegelt. Damit ist er die älteste Sporttrophäe der Welt.

Damals forderte der US-Reeder John Cox Stevens mit seiner Yacht America 14 britische Boote zu einem Rennen um die südenglische Isle of Wright heraus.

Es ging um 100 Guinea und den Hundred Guinea Cup. Unter den Augen von Queen Victoria düpierten die Amerikaner die gesamte einheimische Konkurrenz.

"Es gibt keinen Zweiten, Mylady"

Die Königin fragte dennoch nach dem Zweitplatzierten und erhielt als Antwort jenen Satz, der bis heute das Markenzeichen des America's Cup ist: "Es gibt keinen Zweiten, Mylady."

Stevens nahm die "erbeutete" Silberkanne mit über den Atlantik und in seinen Heimatverein, den New York Yacht Club (NYYC). In der Stiftungsurkunde legten die Amerikaner fest, dass der NYYC von jedem anderen Klub der Welt zu Rennen um den Pokal herausgefordert werden darf.

In Anlehnung an das siegreiche Boot benannte man die Trophäe kurzerhand in America's Cup um.

Erste Niederlage im 25. Vergleich

Bis 1983 blieb die Silberkanne im Besitz des NYCC, der sie 24-mal verteidigte. Ausgerechnet beim 25. Versuch, den Cup in New York zu halten, machten die Australier den Amerikanern dann aber einen Strich durch die Rechnung.

Dennis Conner, der die Veranstaltung viermal gewann, musste sich mit der Stars der Australia II geschlagen geben und den Pokal nach Down Under verabschieden.

Seit 1995 kein Sieg der Amerikaner

Vier Jahre später holte Conner den Cup jedoch zurück. Zweimal konnten die USA die begehrte Trophäe danach noch verteidigen, seit 1995 war sie aber nicht mehr in ihrem Besitz.

Damals nahmen die Neuseeländer den Amerikanern den Cup ab und ließen ihn sich auch fünf Jahre später gegen die italienische Luna Rossa nicht wieder entreißen.

Schümann schreibt Segelgeschichte

2003 gelang es jedoch der Schweizer Alinghi mit dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann aus Penzberg, Segelgeschichte zu schreiben.

Als erste europäische Mannschaft gewannen sie gegen das Team New Zealand auf beeindruckende Art und Weise den Cup und brachten ihn 152 Jahre nach seiner "Entführung" durch die Amerikaner wieder auf den Alten Kontinent zurück.

Da die Schweizer als Binnenland über kein geeignetes Gewässer zur Ausrichtung der 32. Cup-Auflage 2007 verfügten, wählten sie das spanische Valencia als Schauplatz.

Alinghi verteidigt Cup

Im Team Germany meldete nach zahlreichen gescheiterten Versuchen auch erstmals ein deutsches Syndikat für die Wettfahrten um die Silberkanne. Doch die Mannschaft um den dänischen Skipper Jesper Bank kam bei den Ausscheidungsrennen nur auf den vorletzten Rang.

Der Sieg ging an Alinghi, das dem Team New Zealand erneut keine Chance ließen.

Im Anschluss folgte der langwierige Rechtsstreit zwischen den Schweizern und BMW-Oracle, in dessen Verlauf auch die deutschen Bemühungen um eine zweite Cup-Kampagne auf der Strecke blieben.

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