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Alinghi geht als Titelverteidiger in den America's Cup 2010. © George Johns / Alinghi © SPORT1

Am Montag wechseln die Kontrahenten vom Gerichtssaal auf das Wasser. Seit 2007 führen beide Teams einen Rechtsstreit.

Valencia - Die Juristen haben Pause, das Hass-Duell steigt auf dem Wasser: Wenn der America's Cup am Montag in seine 33. Auflage startet, kommt es nach rund zweieinhalbjährigem Rechtsstreit zwischen Titelverteidiger Alinghi und Herausforderer BMW-Oracle endlich zum sportlichen Wettkampf.

Die beiden hochgezüchteten Rennyachten versprechen großes Spektakel und Rennen in Hochgeschwindigkeit.

Die Glaubwürdigkeit des Kampfes um die älteste Sporttrophäe der Welt ist jedoch schon vor dem ersten Rennen arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Top-Segler schauen zu

"Die Entwicklungen der vergangenen Jahre waren enttäuschend. Jetzt hoffen wir, dass es einen Sieger ohne juristisches Nachspiel geben wird. Dann gibt es vielleicht auch wieder die Möglichkeit für eine deutsche Herausforderung", meint der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann.

Er gewann den Cup zweimal mit der Alinghi und ist nun aufgrund der gegenseitigen Klagewellen der Duellanten wie so viele andere Top-Segler zum Zuschauen gezwungen: "Mein Ziel bleibt es, mit Deutschland den Cup zu gewinnen."

Anfang vom Ende für Team Germany

Vor 29 Monaten war der 55-Jährige diesem Traum noch um einiges näher.

Nach dem kläglichen vorletzten Platz bei der Cup-Ausscheidung 2007 sollte die deutsche Nachfolgekampagne künftig um den Sieg mitsegeln können.

Mit Schümann als Teamchef, dem Deutsch-Polen Karol Jablonski als Steuermann und potenten Geldgebern als Finanzmotor.

Alles schien perfekt. Dann begannen Alinghi und BMW-Oracle mit ihrem Disput und das Team Germany zerbröselte.

Richter bekannter als die Steuermänner

Die Schweizer und die US-Amerikaner stritten um fast alles, was auf die Agenda geraten konnte: Modus, Regeln, Teilnehmerfeld, Austragungsort, Bootstypen, Herausforderer-Rechte.

Die New Yorker Richter Shirley Kornreich und Herman Cahn erreichten zeitweise fast mehr Berühmtheit als die Steuermänner Ed Baird (USA/Alinghi) und James Spithill (Australien/BMW-Oracle). Am Ende stehen sich die Kontrahenten nun vor Valencia im direkten Showdown gegenüber.

In einer Best-of-three-Serie, die am Mittwoch fortgesetzt und gegebenenfalls am Freitag abgeschlossen wird.

Laues Lüftchen in Valencia

Startverzögerungen scheinen jedoch vorprogrammiert. Die Windverhältnisse in der spanischen Metropole lassen im Winter zu wünschen übrig.

Doch der Rechtstreit ließ kein anderes Revier und keinen anderen Zeitpunkt für das Duell zu. Die Rennen um den 159 Jahre alten Cup werden somit zu einem Vabanquespiel.

Zumal die fragil anmutenden Hightech-Yachten noch nie im Wettkampf getestet werden konnten.

Triumph unter Vorbehalt

Alinghi tritt mit einem Katamaran an, BMW-Oracle schickt einen Trimaran in die Rennen. Beide Boote können Geschwindigkeiten von bis zu 74 Stundenkilometern erreichen.

Beim Cup 2007 erreichten die Crews mit anderen Yachttypen gerade einmal rund 20 km/h. Bei starken Winden können die Wettfahrten somit zu einem ungemütlichen Belastungstest für Material, aber auch für Mensch werden.

Sollte alles glimpflich verlaufen und bis zum Ende der Woche der Sieger feststehen, müsste der Cup-Gewinner allerdings unter Vorbehalt feiern.

Mehr als 500 Millionen Euro wurden investiert

Beide Teams werfen sich gegenseitig vor, mit vermeintlich illegalem Equipment an den Start zu gehen, da nicht alle Bootsteile im jeweiligen Heimatland der Kontrahenten gefertigt worden seien. Die letzten Gerichtsentscheidungen stehen noch aus. Sie werden bis Ende Februar erwartet.

Bisher soll der 33. Cup die Teameigner Ernesto Bertarelli (Alinghi) und Larry Ellison (BMW-Oracle) insgesamt mehr als 500 Millionen Euro gekostet haben. Ein guter Teil davon floss in die Taschen von Juristen.

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