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Schümann (r.), hier mit Müller-Spreer, gewann 2003 und 2007 den America's Cup © getty

Platoon-Eigner Harm Müller- Spreer und Deutschlands erfolgreichster Segler Jochen Schümann sprechen bei Sport1.de über die "Champions League des Segelns" und das Projekt America's Cup.

von Jürgen Blöhs

Hamburg/Valencia - Mit der "Platoon" sind Harm Müller-Spreer und Jochen Schümann mit zwölf weiteren Seglern an Bord als Team Gemany beim diesjährigen Audi MedCup am Start.

Momentan starten sie bei der "Palma Porto Portals" auf Mallorca. Für Eigner Müller-Spreer und seinen Skipper ist ein Podestplatz in der "Champions League des Segelns" das Ziel.

Dabei ist Segeln für Müller-Spreer mehr als ein Hobby: Der dreimalige Goldpokal-Gewinner im Drachenboot verbringt drei Monate im Jahr mit seiner Crew und ist bei jedem Rennen mit an Bord.

Im Gespräch mit Sport1.de verraten der Hamburger Bau-Unternehmer und der Olympia- und America's-Cup-Sieger, dass der Audi MedCup nicht den Höhepunkt der Zusammenarbeit bedeuten muss. Werbung

"Deutschland gehört in den America's Cup"

"Ein Hochtechnologie-Land wie Deutschland gehört in den America's Cup", so Müller-Spreer.

Und Schümann kann sich "nichts Größeres" vorstellen, "als unter deutscher Flagge den Cup zu gewinnen."

Sport1: Herr Müller-Spreer, Herr Schümann, wie kamen Sie zum Segeln?

Harm Müller-Spreer: Meine Mutter hat mich vor über 40 Jahren mit zum Segeln genommen. Und ich bin dann auch schon bald selbst gesegelt - angefangen im Optimisten über Pirat zur Dickschiff-Segelei.

Jochen Schümann: Ich bin auch schon lange dabei, allerdings nicht erblich vorbelastet. Ich war in einer Schul-AG für den Bau eines Segelboots. Und das will man dann natürlich auch segeln. Das war so spannend, dass ich dabeigeblieben bin.

Sport1: Welchen Stellenwert nimmt das Segeln in Ihrem Leben ein?

Müller-Spreer: Das geht über Hobby hinaus. Der Ansatz ist immer professionell gewesen. Ich habe sogar mal den Beruf des Segelmachers gelernt. Ich würde es als semiprofessionell bezeichnen. Aber meine Brötchen verdiene ich damit nicht. Ich bin drei Monate im Jahr in Sachen Segeln unterwegs. Da fehle ich natürlich in meiner Firma - und viel schlimmer: Meine Familie fehlt mir.

Schümann: Segler haben in der Regel einen Beruf gelernt, meist im maritimen Bereich, und bleiben dann beim Segeln hängen. Dass man als Jugendlicher bereits auf den Profi-Sport vorbereitet wird, wie beispielsweise im Profi-Fußball, das gibt es bei uns nicht. Ich selbst bin Diplom-Sportlehrer.

Sport1: Gibt es ein Rennen, dass Sie besonders in Erinnerung haben?

Müller-Spreer: Meine Goldpokal-Siege sind natürlich tolle Erinnerungen. Aber nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.

Schümann: Nicht explizit. Die großen Erfolge bleiben natürlich stehen. Aber das ist Statistik. Die großen Highlights sind immer die, die vor einem liegen.

Sport1: Vermissen Sie manchmal das direkte Feedback von Zuschauern allein auf dem Wasser?

Müller-Spreer: Es gibt immer wieder Situationen, in denen man sich fragt: Warum tust Du dir das an? Aber Segeln ist der Kampf gegen sich selbst und mit der Natur. Wer für andere segelt, kann nicht gewinnen und hat auf dem Wasser eigentlich nichts verloren.

Schümann: Seh' ich genauso. Es sind ja nicht allein die zwei Stunden auf dem Wasser. Man arbeitet ja wochenlang auf den Moment hin. Natürlich freut man sich nach einer Regatta auch über etwas öffentliche Anerkennung.

Sport1: Im Moment segeln Sie den Audi MedCup. Welche Bedeutung hat die Regatta?

Müller-Spreer: Es ist die Champions League des Segelns.

Schümann: Das sieht man schon daran, dass viele Segler auch im America's Cup dabei sind, wie z.B. Skipper Russell Coutts.

Sport1: Wie viel Mann sind an Bord einer Yacht?

Müller-Spreer: Das kann variieren. Man darf insgesamt 1273 Kilogramm Mannschaftsgewicht an Bord bringen.

Schümann: Bei uns sind es 14 Mann.

Müller Spreer: Da kommen dann noch einmal rund 30 Leute an Land hinzu - vom Bootsbauer über Wetterleute bis zum Marketing-Mann.

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