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Jean Le Cam 2006 mit seiner Yacht VM Materiaux © imago

Die Vendee Globe ist das härteste Segelrennen der Welt, immer wieder kommt es zu Todesfällen. Nun musste ein Franzose bangen.

Paris - Diese verdammten Winde am Kap Hoorn!

Schon in alten Zeiten waren sie das gefährlichste Hindernis auf dem Weg von Europa zur Westküste Amerikas. "Kap Hornier" galt als Ehrenauszeichnung alter Seglerkapitäne. Wer es geschafft hatte, die Landspitze auf der südchilenischen Felseninsel Isla Hornos zu umfahren, gehörte zur Elite der Seefahrer.

Jean le Cam dagegen ist am Dienstag in seiner Yacht VM Materiaux im Zusammentreffen von kalten Atlantik- mit warmen Pazifikströmen dramatisch gescheitert und verbrachte fast einen Tag in Todesangst unter seinem umgekippten Boot.

Bergung durch Kollegen

Der Unfall des Franzosen war der jüngste Zwischenfall im härtesten Segelrennen der Welt. Der erfahrene Skipper wurde Opfer der Stürme, Rettungsflieger der chilenischen Marine konnten nicht zu ihm vordringen, zu turbulent war die Luft, zu gefährlich die Lage.

Erst sein französischer Kontrahent Vincent Riou, an zweiter Stelle im Gesamtklassement liegend, erreichte le Cam mit seinem eigenen Boot und nahm den Landsmann schließlich an Bord. "Le Cam hat nicht gerade seine glücklichsten 24 Stunden als Segler hinter sich gebracht", sagte Riou nach der Rettung.

Alle vier Jahre

Alle vier Jahre wird das Rennen Vendee Globe ausgetragen. Einhandsegler umrunden dabei mit Start und Ziel im französischen Les Sables d'Olonne die Erde. Rund 27.000 Seemeilen ohne Landgang, auf denen sie keine Hilfe von außen annehmen dürfen.

Richtung Süden geht es im Atlantik, dann um das Kap der Guten Hoffnung, südlich an Australien und nördlich an der Antarktis vorbei, rund ums Kap Hoorn und dann wieder nach Norden. Ende Januar soll der Sieger wieder in Frankreich sein. In Führung liegt der Franzose Michel Desjoyeaux, der das Kap Hoorn in diesem Jahr als erster umrunden konnte.

Nur noch 13 Yachten

Nur noch 13 von ursprünglich 30 gestarteten Yachten sind im Rennen. Mastbrüche und Kenterungen sind an der Tagesordnung bei diesem Wettbewerb, der Mensch und Material auf das Äußerste fordert. Wegen drohender Kollisionen mit Eisbergen im Südpazifik wurde der ursprüngliche Kurs bereits nach Norden näher ans Kap Hoorn gelegt.

Bislang dramatischster Zwischenfall war der Oberschenkelbruch des Franzosen Yann Elies, der vor Weihnachten erst nach zwei Tagen von der australischen Marine geborgen wurde und anschließend operiert werden musste.

Fast ausschließlich Franzosen nehmen an dem Rennen teil, das erstmals 1989/90 ausgetragen wurde. Unfälle und Unglücke sind seitdem an der Tagesordnung, und bislang wurden drei Todesfälle verzeichnet.

Zwei tote Segler

Bei der zweiten Auflage 1992/93 kamen zwei Segler ums Leben: Der Amerikaner Mike Plant ging auf See bei der Anreise zum Start verloren, der Brite Nigel Burgess wurde nach vier Tagen ertrunken vor Cap Finisterre gefunden, wahrscheinlich ist er über Bord gefallen.

1996/97 verschwand das Boot des Kanadiers Gerry Roufs spurlos im Ozean.

Die Herausforderung aber ist immer wieder größer als die Angst.

Depressionen als Begleiter

So wie bei dem österreichischen Extremsegler Norbert Sedlacek, der als einziger deutschsprachiger Sportler an dem Event teilnimmt. Mit einem Gaskocher bereitet er sich sein Essen zu. An Bord hat er unter anderem 30 Kilo Nudeln, 30 Kilo Müsli, 10 Kilo Trockenobst und 15 Kilo Knäckebrot.

Das Trinkwasser wird mit Salzwasseraufbereitungsanlagen selbst produziert.

"Depressionen sind dein täglicher Begleiter", sagt der 47-Jährige, er allerdings auch: "Wo die Grenze liegt, weiß man erst, wenn man sie überschritten hat."

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