Der Olympiasieger kommt beim Training für den America's Cup ums Leben - unter einem reparierten Boot. Warnungen wurden überhört.

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San Francisco - Nach einem tragischen Unglück im Training für den America's Cup trauert der Segelsport um einen seiner Olympiasieger:

Für den 36 Jahre alten Engländer Andrew "Bart" Simpson kam in der Bucht von San Francisco jede Hilfe zu spät, als sein sechs Tonnen schwerer Katamaran kenterte und den Strategen des Artemis-Teams unter sich begrub.

Zehn Minuten lang war Simpson unter seinem Hightech-Boot verkeilt. Zwar konnten Rettungskräfte den Briten noch aus dem Wrack befreien, an Land aber konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen.

Artemis-Team "am Boden zerstört"

"Unsere Gebete sind mit Andrew Simpsons Familie, seiner Ehefrau und Kindern", sagte Artemis-Geschäftsführer und Segel-Veteran Paul Cayard, "das ganze Team ist am Boden zerstört."

Auch der britische Dachverband, die Royal Yachting Association (RYA), reagierte geschockt auf den Tod des hochgeschätzten Simpson. "Er war eine große Inspiration für andere, für das britische Segelteam und die ganze Nation", sagte Direktor John Derbyshire.

Das Unglück ereignete sich am Donnerstagabend nördlich von Treasure Island beim Training für den Louis Vuitton Cup, bei dem zwischen Juli und September ermittelt wird, wer gegen Titelträger Oracle um den America's Cup antreten darf.

Vermutlich Technik- oder Konstruktionsfehler

Aus bisher ungeklärter Ursache brach das 22 m lange Boot auseinander und kippte um.

Während Simpson zehn Minuten unter dem Katamaran eingeklemmt war, kamen die übrigen zehn Crew-Mitglieder glimpflich davon. Lediglich Craig Monk, der 1995 und 2000 den America's Cup mit dem Team Neuseeland gewonnen hatte, erlitt noch leichte Verletzungen.

Nach Angaben des Technik-Magazins Wired lag wohl kein Fahr-, sondern eher ein technischer oder ein Konstruktionsfehler vor.

Segel 2011 schwer beschädigt

Dafür spricht, dass das Boot zuletzt häufig zu Reparaturzwecken aufs Trockendock musste. Erst im vergangenen Herbst wurde der vordere Balken, der die beiden Rümpfe verbindet, beschädigt.

2011 trug das fast 40 m hohe Flügelsegel bei Testfahrten Schäden davon. Unter Experten steht jedoch außer Frage, dass die bis zu 40 Knoten schnellen Rennmaschinen äußerst schwer zu handhaben sind.

"Das sind gefährliche Boote", sagte Max Sirena. Der Skipper des italienischen Teams Luna Rossa hatte bereits nach einem Unfall von Titelträger Oracle im vergangenen Herbst, bei dem niemand verletzt wurde, geunkt, dass weitere Kenterungen folgen werden.

Veranstalter nimmt Gefahren in Kauf

Die Gefahren sind die Veranstalter allerdings bewusst eingegangen, um durch den schnellen und wendigen Bootstypus eine größere Medienaufmerksamkeit zu erzielen.

"Offensichtlich ist ein Katamaran anfälliger für eine Kenterung als ein Einrumpfer", sagte Stephen Barclay, der Geschäftsführer der America's Cup Event Authority.

Zwar erkannten die Organisatoren die Risiken, reagierten allerdings nur mit halbherzigen Sicherheitsmaßnahmen. Denn weder Sturzhelm, Rettungsweste noch die stets in Bootsnähe kreuzenden Rettungsboote konnten Ex-Weltmeister Simpson das Leben retten.

Es sollte ein Spaß werden

Das Abenteuer America's Cup endete für den Star-Olympiasieger von 2008 in Peking und Silbermedaillengewinner von 2012 in London damit nach nur wenigen Monaten.

Erst im Februar hatte er sich der Artemis-Mannschaft unter Sportdirektor und Olympiapartner Iain Percy angeschlossen, um sich seinen letzten sportlichen Traum zu erfüllen.

"Gehe mit der Familie für sechs Monate nach San Fran. Es ist wirklich hektisch!!! Der Cup sollte ein Spaß werden", twitterte er noch Ende März. Ein Spaß, den er mit dem Leben bezahlte.