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Philipp Buhl liegt auf Rang 15
Philipp Buhl startete auf eigene Faust - und eigenes Risiko - beim Youth Americ'a Cup © getty

Jung-Segler Philipp Buhl erklärt bei SPORT1, worauf es ankommt, wenn man beim America's Cup erfolgreich sein will.

Von Martina Farmbauer

München - Nach dem tödlichen Unfall von Weltmeister und Olympiasieger Andrew Simpson für den America's Cup hatte der Deutsche Segelverband die Teilnahme der deutschen Mannschaft beim Youth America?s Cup aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Doch die junge Crew um Philipp Buhl beschloss, auf eigene Faust an den Start zu gehen - und setzte sich durch. Sieben Rennen hat die siebenköpfige Nachwuchsmannschaft vor San Francisco bestritten, wo nun die Finalregatten des America's Cup steigen.

Am Ende sprang nur ein neunter Platz heraus.

Im SPORT1-Interview spricht Buhl über die Winner-Qualitäten beim America's Cup, die Gefahren beim Überqueren eines Zebrastreifens und seine Führungsrolle im Team.

SPORT1: Herr Buhl, Sie haben beim Youth America's Cup in den vergangenen Tagen Erfahrung gesammelt. Worauf kommt es an, wenn man vor San Francisco gewinnen will?

Philipp Buhl: Der Start ist ganz wichtig. Beim Youth America's Cup stehen alle Boote an einer Startlinie, beim America's Cup sind es ja nur zwei. Wenn man einen guten Start hinulegt, hat man für den Rest der Wettfahrt ein leichtes Leben. Dann muss man die Strömung richtig einkalkulieren, deren Stärke und Richtung sich jede halbe Stunde ändert. Und es herrscht Starkwind, das heißt, man ist immer körperlich am Limit unterwegs. Es ist eine Kombination aus allem, was man sich an Schwierigkeiten vorstellen kann.

SPORT1: Das hört sich ähnlich an wie in der Formel 1, ebenfalls ein Hochgeschwindigkeitssport. Wieviel Risikobereitschaft ist denn notwendig? Ihre Crew wurde ja schon gefragt, ob sie lebensmüde ist...

Buhl: Das kann ich sofort komplett verneinen. In jedem Sport steckt ein gewisses Restrisiko. Aber der Youth America's Cup ist, was die Gefahr angeht, mit dem America?s Cup nullkommanull zu vergleichen. Wir haben ein Windlimit von 18 Knoten und die Boote sind viel kleiner. Das ist nicht gefährlicher als jede andere Sportart.

SPORT1: Und nicht gefährlicher, als über einen Zebrastreifen zu gehen, haben Sie behauptet. Wie verhalten Sie sich denn an einem Zebrastreifen?

Buhl: Ich schaue natürlich links und rechts und gehe dann über den Zebrastreifen. Aber es gibt vielleicht immer jemanden, der einen übersieht. Da draußen haben wir alles im Griff. Die Boote sind kontrollierbar, und wir haben Motorboote, die uns verfolgen. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen.

SPORT1: Der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann sieht das anders. Sie haben gegen seinen Rat und gegen die Entscheidung des Deutschen Segelverbandes am Youth America's Cup teilgenommen. Was hat Sie dazu bewogen?

Buhl: Die Antriebskraft kommt vom America's Cup. Das ist das Größte, was man erreichen kann. Und der Weg dahin ist unglaublich schwer. Beim Youth America's Cup ist man so nah dran am America's Cup, wie wir vielleicht nie wieder rankommen. Wir konnten uns direkt vor den Augen der Profi-Cup-Teams beweisen. Zeigen, wie gut junge Leute segeln können.

SPORT1: Sie haben dafür einiges in Kauf genommen.

Buhl: Wir haben 100.00 Euro für das ganze Projekt auftreiben müssen. 48.000 Euro innerhalb von fünf Tagen, damit uns der Veranstalter glaubt, dass wir die Finanzierung hinbekommen. Diese erste Hürde haben wir mit Spenden und Eigeneinlagen geschafft. Der Prozess von den 50.000 bis zu den kompletten 100.000 Euro hat gedauert, und ich bin mir nicht sicher, ob wir das Budget schon komplett erreicht haben. Jedenfalls haben wir gespart wir, wo wir konnten.

SPORT1: Was heißt das für die Bedingungen, die Sie in San Francisco hatten?

Buhl: Wir hatten eine sehr günstige Unterkunft, die wir zweimal gewechselt haben. Wir haben auch den Mietwagen gewechselt und versucht, den günstigsten zu nehmen. Und wir haben die Motorboote, die mit 800 Dollar am Tag sehr teuer sein können, vier- oder fünfmal gewechselt und am Ende kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

SPORT1: Was Sie nicht hatten, ist einen Trainer.

Buhl: Das hat uns im Wesentlichen von den anderen Teams unterschieden. Wir waren auf uns allein gestellt.

SPORT1: Wer hat da gesagt, wo es langgeht?

Buhl: Erik [Heil, der Steuermann] und ich. Wir haben eine teamführende Rolle an Bord, wir haben auch Vorbildcharakter. Wir müssen die Kernmessages rüberbringen, die es braucht, um uns nach vorne zu bringen. Wie: "Ruhig bleiben und das machen, was wir im Training gemacht haben! Nur ein, zwei Sekunden bei dem ein oder anderen Manöver mehr Zeit nehmen!" Auf diese Sachen muss man es herunterbrechen. Plus, wenn andere schlafen gegangen sind, haben wir die Strömung analysiert. Aber gut: Unser Motto ist "Let's go all in".

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