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Reals international schwarze Serie ging weiter © APA (epa)

Real Madrid hat am späten Mittwochabend einen alten Fußball-Spruch bestätigt. Geld schießt keine Tore und garantiert schon

Real Madrid hat am späten Mittwochabend einen alten Fußball-Spruch bestätigt. Geld schießt keine Tore und garantiert schon gar nicht den Erfolg! Club-Chef Florentino Perez investierte im Sommer über 250 Mio. Euro, um den Traum vom zehnten Titel in der europäischen Königsklasse im eigenen "Wohnzimmer" wahr werden zu lassen.

Allein spielen die "Königslichen" am 22. Mai in ihrem Bernabeu-Stadion nicht mehr die Haupt-, sondern nur noch die Zuschauerrolle. Der spanische Tabellenführer scheiterte am OL-Komplex und Achtelfinal-Fluch.

Kaka, Cristiano Ronaldo und Co, die mit einem 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel in Frankreich begonnen hatten und ein 2:0 benötigt hätten, kamen gegen Olympique Lyon vor ausverkauften Haus über ein 1:1 nicht hinaus und flogen in hohem Bogen aus dem Bewerb. Statt des Jubiläums wurde es ein Desaster, das Häme und Spott auslöste. Real blieb gegen den französischen Serienmeister auch im sechsten Spiel ohne Sieg (0-3-3) und schied zum sechsten Mal in Folge schon im Achtelfinale aus.

Dabei hatte zunächst alles programmgemäß seinen Lauf genommen. Cristiano Ronaldo erzielte nach Traumpass von Guti schon in der sechsten Minute aus spitzem Winkel mit seinem siebenten CL-Treffer die schnelle 1:0-Führung. In der Folge verabsäumten es aber die Stars, den Vorsprung bis zur Pause auszubauen. Und so kam es, wie es im Fußball so oft kommt, wurde die mangelnde Auswertung der Chancen bestraft. Durch den bosnischen Jungstar Miralem Pjanic, der im Finish (75.) zum Ausgleich traf.

"Es ist eine Schande. Es hat sich gezeigt, dass wir in großen Spielen den Sack nicht zumachen können", sagte Kapitän Guti und lieferte auch gleich den Grund für das Versagen mit: "Wir müssen mehr als Mannschaft und nicht als Individualisten auftreten." Trainer Manuel Pellegrini, der die Verantwortung für das K.o. seiner Truppe übernahm, sprach von einem "großen Rückschlag", den man erst verdauen müsse. Dass jetzt der Titel in der Primera Division her muss, wurde quasi zu Vorgabe.

Der ungeliebte Chilene wurde am Donnerstag wie schon vor Wochen und Monaten als Hauptschuldiger für die Blamage an den Pranger gestellt. "Adios Champions, Adios Pellegrini!" war als Schlagzeile in der mächtigen Zeitung "Marca" zu lesen. "Ich denke nicht daran, zurückzutreten", meinte der "Sündenbock", dem Reals Sportdirektor Jorge Valdano den Rücken stärkte. "Es war eine traurige Nacht, klar. Aber er ist Real-Trainer, er bleibt, wir vertrauen seiner Arbeit und respektieren ihn", sagte der Ex-Spieler.

Im OL-Lager freute man sich über den fünften Einzug ins Viertelfinale der Champions League nach 2004, 2005, 2006 und 2008, der Hoffnungen für mehr aufkeimen ließ. "Wir haben jetzt verrückte Träume in unseren Köpfen, einer davon ist, dass wir zum Finale nach Madrid zurückkehren wollen", sagte Präsident Jean-Michel Aulas. Trainer Claude Puel blickte noch nicht in die Zukunft, sondern genoss den Augenblick der Stunde: "Es war großartig, vor allem wenn man bedenkt, wie alles begonnen hat."

Nach FC Bayern München und Arsenal London schaffte neben Lyon am Mittwoch auch Manchester United und das eindrucksvoll gegen AC Milan den Aufstieg. Wie im Hinspiel (3:2) war auch in Old Trafford Wayne Rooney Matchwinner. Der Stürmer traf abermals zweimal, er stellte zu Beginn beide Spielhälften mit der 2:0-Führung klare Verhältnisse her. "Er wird immer besser, heute war er wieder einmal sensationell", lobte Alex Ferguson Rooney.

Es sei egal, so der Schotte, gegen wen seine Mannschaft in der Runde der letzten Vier nun antrete. "Es war eine wunderbare Vorstellung von uns in der zweiten Hälfte. Wenn wir mit diesem Tempo spielen, dann ist es sehr schwer gegen uns." ManU hat die Chance gewahrt, wie Milan (1993 bis 1995) und Juventus Tuin (1996 bis 1998) zum dritten Mal ins Serie im Finale zu stehen. Jetzt stehen die "red devils" einmal zum vierten Mal in Folge im Viertelfinale.

Davon waren die Mailänder, die die wertvollste Trophäe siebenmal (zuletzt 2007) holten, weit entfernt. "Wir werden viele Dinge analysieren müssen. Es ist unmöglich, dieses Spiel so schnell zu vergessen. In der Serie A liegen wir vier Punkte hinter Inter. Wir müssen versuchen, den Lokalrivalen noch zu überholen", erklärte Milan-Trainer Leonardo, dem Abwehrchef Nesta kurz vor dem Abpfiff ausgefallen war.

"La Gazzetta dello Sport" zeigte mit dem Brasilianer keine Gnade und ist der Ansicht: "Leonardo macht alles falsch". Die Zeitung "Tuttosport" stufte die Vorstellung der Rossoneri im "Theater der Träume" als "Folter" ein. Applaus gab es dort nur für einen Mailander: Für Heimkehrer David Beckham bei seiner Einwechslung nach der Pause. "So wie mich die Fans empfangen haben, war es für mich eine bewegende Nacht", sagte er nach seinem 105. Spiel in der Champions League.

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