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Fischbacher kann sich mit Olympia-Gold trösten © APA (Gindl)

Seit Mittwoch ist es traurige Gewissheit, dass der alpine Ski-Weltcup-Winter 2009/10 ohne österreichischen Sieg in der

Seit Mittwoch ist es traurige Gewissheit, dass der alpine Ski-Weltcup-Winter 2009/10 ohne österreichischen Sieg in der Königsdisziplin Abfahrt zu Ende gehen wird. Während die Herren zumindest zwei zweite und zwei dritte Plätze einfuhren, präsentiert sich die Lage im Lager der Damen eher trostlos. Elisabeth Görg und ihre Kolleginnen blieben erstmals in der Weltcup-Geschichte ohne Top-Drei-Ergebnis.

Görgl rettete die Ehre immerhin mit Olympia-Bronze. "In der Abfahrt ist nicht viel zusammengelaufen", redet Damen-Cheftrainer Herbert Mandl nicht lange um den heißen Brei herum. Görgls Bronzene deckt das Debakel ein wenig zu, im Abfahrts-Weltcup muss man jedoch bis Rang 15 schauen, um mit Andrea Fischbacher die erste ÖSV-Läuferin zu finden. Ein bezeichnendes Zahlenspiel: Saison-Dominatorin Lindsey Vonn hat in der Abfahrt in diesem Winter 725 Punkte geholt, alle ÖSV-Läuferinnen zusammen gerade einmal 339 und somit nicht einmal annähernd die Hälfte.

"Das Potenzial von Fischbacher und Görgl ist sicher wesentlich höher", ist sich Mandl sicher. Im Fall von Görgl sticht vor allem das Auseinanderklaffen der Leistungen in den Trainings, in denen sie regelmäßig unter den Topläuferinnen zu finden war, und in den Rennen hervor. "An dem müssen wir arbeiten", so Mandl.

Die große junge Meute hinter Görgl und Fischbacher ist noch nicht auszumachen, Anna Fenninger, Regina Mader und Nicole Schmidhofer fehlt noch recht viel auf die Spitze. Dass Maria Holaus die Saison aufgrund eines Knöchelbruchs Anfang Jänner frühzeitig beenden musste, tat Mandls Speed-Truppe natürlich ebenfalls nicht gut.

"Unsere Mannschaft ist dichter geworden" - Die Analyse von Alpinchef Hans Pum zur erstmals seit 1991/92 im Weltcup sieglosen Herren-Abfahrts-Truppe klingt auf den ersten Blick kühn, entspricht jedoch den Tatsachen. Denn während in den vergangenen Saisonen meist Michael Walchhofer als Alleinunterhalter die fehlende Breite im Team kaschierte, hat man nun mit Walchhofer, Klaus Kröll sowie den nach Verletzungen fast voll wiedererstarkten Mario Scheiber und Hans Grugger gleich vier potenzielle Siegfahrer.

Dennoch werde es Veränderungen geben. "Gewisse Sachen werden wir sicher verändern, zum Beispiel bezüglich Training. Ob sich personell etwas ändert, werden wir sehen", so Pum, der angesichts des von Scheiber am Mittwoch nur um 0,02 Sekunden verpassten Sieges auch aufs Hundertstelpech verwies. "Aber wir werden sicher an einem Schrauben drehen, damit die Hundertstel auf unsere Seite kommen."

Bei Walchhofer ("Das war leider nicht meine Abfahrtssaison") deutet alles darauf hin, dass er noch zumindest einen Winter anhängen wird. "Derzeit gehe ich davon aus, dass ich weiterfahre. Ich möchte es nächstes Jahr noch einmal besser machen", meinte Walchhofer in Garmisch-Partenkirchen. Allerdings will der Salzburger auch abwarten, welche Konstellation im Trainerteam entsteht. "Wenn ich weiterfahre, dann in einem Umfeld, in dem ich mich wohl fühle."

Pum hält Walchhofer nach wie vor für einen der besten Abfahrer im Weltcup, und auch Kröll habe weitaus mehr Potenzial, als es diese Saison den Anschein hatte. "Und Scheiber und Grugger sind von Rennen zu Rennen besser geworden, dadurch wurde unser Team kompakter." Und ganz nebenbei scheint den ÖSV-Abfahrern der WM-Hang 2011 in Garmisch, die Kandahar-Strecke, weit mehr zu liegen als jener bei Olympia in Whistler.

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