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Der Schweizer schmiss sich in den Schnee © APA (Gindl)

Eigentlich hätte es Carlo Janka gar nicht wissen wollen. Doch die dröhnenden Lautsprecher entlang der Kandahar-Strecke in

Eigentlich hätte es Carlo Janka gar nicht wissen wollen. Doch die dröhnenden Lautsprecher entlang der Kandahar-Strecke in Garmisch-Partenkirchen hatte es dem Schweizer am Freitag zehn Sekunden vor seinem Start verraten, dass er mit einem Sieg im Riesentorlauf vorzeitig den Gesamt-Weltcup-Sieg einfahren könnte. Janka löste die Situation in gewohnter Manier: mit Coolness und Erfolg.

Für Benjamin Raich blieb damit neuerlich nur Rang zwei, zum fünften Mal in den vergangenen sechs Saisonen. Mit 23 Jahren weist Janka bereits die Reife und Abgebrühtheit sowie auch die Erfolgsliste eines alten Hasen auf. Janka avancierte zum ersten Gesamt-Weltcup-Sieger in der Ski-verrückten Schweiz seit 18 Jahren. Die große Kristallkugel hatten vor ihm nur drei Eidgenossen erobert, nämlich Peter Lüscher (1979), Pirmin Zurbriggen (1984, 1987, 1988, 1990) und Paul Accola (1992).

Dabei fährt Janka erst seine dritte Weltcup-Saison und hat seinen ersten Podestplatz vor nicht einmal 16 Monaten eingefahren. Mittlerweile ist der "Iceman" nicht nur Gesamt-Weltcupsieger, sondern auch Weltmeister und Olympiasieger (jeweils im Riesentorlauf). Dieses Triple hat vor ihm im Schweizer Team nur der große Zurbriggen zustande gebracht.

Wie bei seinen Goldenen bei der WM 2009 und bei Olympia 2010 stand Janka auch am Freitag als Halbzeit-Führender als Letzter am Start. "Zehn Sekunden vor dem Start habe ich über den Lautsprecher gehört, dass ich gewinnen muss, um als Weltcupsieger festzustehen", erzählte Janka, der dem Druck neuerlich scheinbar problemlos stand hielt und mit 0,31 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Davide Simoncelli ins Ziel kam.

Danach jubelte der ansonsten so kontrolliert wirkende Janka so emotional wie nie zuvor. Janka ballte beide Fäuste und schmiss sich in den Schnee. Dass Jankas guter Freund Daniel Albrecht am Freitag in Garmisch 414 Tage nach seinem schweren Sturz in Kitzbühel ein Comeback als Vorläufer gab, machte den Tag aus Schweizer Sicht perfekt.

Jankas Saisonvorbereitungen waren von einem hartnäckigen Virus gestört worden. Dass das Standvermögen und die Ausdauer dennoch stimmten, bewies er in Garmisch-Partenkirchen mit Final-Siegen in Abfahrt und Riesentorlauf eindrucksvoll. Den Grundstein zum Sieg hatte er aber im Dezember in Beaver Creek gelegt, als er dort drei Rennen gewann. Gedämpft wurden die Erwartungen allerdings bereits auf der nächsten Weltcup-Station mit drei Ausfällen in Val d'Isere.

Janka ließ sich jedoch nicht abschütteln und schon gar nicht aus der Ruhe bringen. Didier Cuche, Jankas 35-jähriger Teamkollege, ist sich sicher, dass man noch zahlreiche weitere Erfolge des Jungstars sehen wird. "Wenn er ohne schwere Unfälle über die Runden kommt, wird Carlo alle Rekorde brechen."

Auch Atomic-Renndirektor Rudi Huber war voll des Lobes für Janka. "Carlo hat sich den Gesamtsieg mehr als verdient. Wir haben schon vor einigen Jahren erkannt, was für ein Potenzial in ihm steckt und sind sehr stolz, ihn im Team zu haben. Carlo gehört schon jetzt zu den ganz Großen im Skisport. Seine Siege hier beim Saisonfinale zeigen, dass er auch die nötigen Kraftreserven hatte."

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