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Der Ex-Rapidler mag seinen Job als Trainer © APA (Neubauer)

Peter Schöttel mag Egoisten. Zumindest dann, wenn er sie zu einem Kollektiv formen kann. In seiner Eigenschaft als Trainer von

Peter Schöttel mag Egoisten. Zumindest dann, wenn er sie zu einem Kollektiv formen kann. In seiner Eigenschaft als Trainer von Bundesligist Wiener Neustadt scheint der 43-Jährige dabei jedenfalls ein gutes Händchen zu haben. Seit seiner Verpflichtung in der Winterpause hat der Aufsteiger und Stronach-Club ein tadelloses Frühjahr gespielt und sich als erster Kandidat auf Platz fünf etabliert.

Zwischenbilanzen sind Schöttels Sache freilich nicht, zumal zur "Halbzeit" der Frühjahrssaison. "Das tut man nicht", gab sich Schöttel vor dem Sonntags-Heimduell mit der Wiener Austria diesbezüglich zurückhaltend. "Das ist eine Phase, die jetzt von den Ergebnissen her recht positiv absolviert wurde, das kann in ein paar Wochen wieder anders ausschauen."

In Wiener Neustadt ist der Wiener Trainer und Sportdirektor in Personalunion, Coach Schöttel hat freilich mehr zu tun als Sportdirektor Schöttel - dem das nicht ganz ungelegen kommt. "Meine Freude gilt allem, was ich mache, aber als Trainer bist du einfach am nächsten am Geschehen dran." Schöttel spricht aus Erfahrung. Vor Wiener Neustadt trainierte er schon Rapids Amateure und den Wiener Sportklub, war Sportdirektor von Rapid und Manager der Vienna.

"Als Trainer kannst du in der täglichen Arbeit viel mehr bewegen. Und du hast einen schnellen Wechsel von Erfolg und Misserfolg. Das ist extrem spannend. Du hast 25 Egoisten, die auf ihre persönliche Karriere schauen. Und die musst du formen", sagte Schöttel. Prägend seien sie gewesen, die bisherigen Stationen. "Bei den Rapid Amateuren habe ich mit Jungen gearbeitet, beim Sportklub habe ich mit vielen Routiniers zu tun gehabt." Erfahrungen, die sich nun bezahlt machen. "Bei uns ist jetzt viel von den Jungen die Rede. Die sind gut, aber ohne Fornezzi, Kostal, Aigner oder Klapf rennt das Werkl auch nicht."

Als Spieler hat Schöttel schon viel erreicht, holte mit Rapid drei Meister- und zwei Cup-Titel und stieß bis ins Finale des Europacups der Cupsieger vor. Nun will er mit Wiener Neustadt auch als Trainer hoch hinaus. "Der Plan ist ganz klar, dass wir im nächsten Jahr um die Europacup-Plätze mitspielen wollen", betonte Schöttel, der dieses Ziel auch schon heuer im Cup erreichen könnte. Nur noch zwei Siege trennen den Club vom Pokalsieg. "Das wäre für den Verein super, aber so weit denke ich noch nicht."

Über die ferne Zukunft macht sich der 63-fache Teamspieler schon gar keine Gedanken. "Keine Ahnung, was ich in zehn Jahren mache. Ich habe nie diese Pläne gehabt und bin immer gut damit gefahren. Ich sagte nicht, 'ich will Rapid-Trainer werden'. Jetzt will ich einmal lange in Wiener Neustadt bleiben, weil das Projekt irrsinnig interessant ist."

Daran ändert auch der fehlende Glamour-Faktor im Süden Wiens nur wenig, fehlen doch Infrastruktur und Tradition als Bundesliga-Club. "Es ist schwierig. Der Verein hat die Lizenz von Schwanenstadt übernommen. Es ist ganz normal, dass keine große Fan-Anzahl kommt", sagte Schöttel, der aber auch diesbezüglich optimistisch ist: "Entscheidend wird der Stadionneubau (soll noch vor dem Sommer starten, Anm.) sein, dann werden auch die Leute kommen."

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