vergrößernverkleinern
Kapitän Niang traf im Doppelpack © APA (epa)

Nach dem ersten Meistertitel nach einer 18-jährigen Durststrecke benötigten Olympiques Fans im fußballverrückten Marseille

Nach dem ersten Meistertitel nach einer 18-jährigen Durststrecke benötigten Olympiques Fans im fußballverrückten Marseille erst einmal eine Abkühlung. Tausende Anhänger feierten Mittwochabend am Alten Hafen den neuen französischen Champion. Mit einem 3:1 gegen Stade Rennes kürte sich Olympique zwei Runden vor Saisonende der Ligue 1 zum Nachfolger des entthronten Meisters Girondins Bordeaux.

Ein Doppelschlag von Kapitän Mamadou Niang und Regisseur Lucho Gonzalez (76., 78.) verwandelte das mit 60.000 Zuschauern ausverkaufte Stade Velodrome in einen Hexenkessel. Dank des achten Sieges in den jüngsten neun Runden sicherte sich "OM" vorzeitig den neunten Titel der Club-Geschichte. Zuletzt war der beliebteste französische Club 1992 zu Meisterehren gekommen, der Titel von 1993 war wegen eines Bestechungsskandals nachträglich aberkannt worden.

Baumeister des Erfolgs ist Didier Deschamps. Als Spieler hatte er Marseille zum bisher letzten Meistertitel und 1993 zum Gewinn der Champions League geführt, knapp zwei Jahrzehnte später streifte der französische Weltmeister von 1998 das Loser-Image des Clubs ab und führte Olympique bereits in seiner ersten Saison zum Triumph im Liga-Cup und in der Meisterschaft. "Das ist die Belohnung für neun Monate harter Arbeit", erklärte Deschamps in der Stunde des Erfolgs.

Als Nachfolger des Belgiers Eric Gerets hatte es der Ex-Internationale nach seiner Amtsübernahme geschafft, Schlüsselspieler zu halten und sein Team an entscheidenden Positionen zu verstärken. Mit den Argentiniern Gonzalez - genannt "El Comandante" - und Gabriel Heinze kamen erfahrene Profis. "Ich bin nach Marseille gekommen, um Titel zu gewinnen. Und Deschamps hat mich davon überzeugt, dass das der Fall sein wird", meinte Heinze.

Die Straßen der südfranzösischen Hafenstadt wurden nach dem Heimsieg zu Partymeilen. Die Polizei hatte alle Mühe, die auf den Dächern von Autos und Lokalen feiernden Fans zumindest ein wenig unter Kontrolle zu halten. An den Manipulationsskandal um Ex-Präsident Bernard Tapie, der Marseille zwischen 1986 und 1994 geführt hatte, dachte da niemand mehr. Die große Meisterfeier wird dennoch erst am 16. Mai über die Bühne gehen.

Nach dem Titelgewinn in der heimischen Liga will Marseille nun auch international wieder vorne mitmischen. In der Champions League schied der Club nach der Gruppenphase aus, in der Europa League scheiterte man im Achtelfinale an Benfica Lissabon. "Die nächste Saison wird härter", warnte Deschamps bereits. "Wir müssen geduldig bleiben. Wie immer kann man nach den größten Siegen auch die größten Fehler machen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel