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Die Fans der "Löwen" haben Grund zum Feiern © APA (dpa/Archiv)

Max Merkel war ein harter Hund. Der Wiener polarisierte wie kaum ein anderer, führte den TSV 1860 München in kürzester Zeit

Max Merkel war ein harter Hund. Der Wiener polarisierte wie kaum ein anderer, führte den TSV 1860 München in kürzester Zeit aber weit nach oben. Der Trainer-"Zampano" formte die "Löwen", die am kommenden Montag ihr 150-jähriges Bestehen feiern, in den 1960er Jahren zu einer Spitzenmannschaft im deutschen Profifußball.

1961 kam Merkel von Borussia Dortmund zum Münchner Club, führte ihn 1963 in die neu gegründete landesweite Bundesliga und feierte mit 1860 im Anschluss zwei große Titel: 1964 den DFB- Pokal-Sieg, zwei Jahre später die einzige Meisterschaft der Vereinsgeschichte.

Der Höhepunkt aber war 1965, als die "Löwen" ins Endspiel um den Europacup der Pokalsieger einzogen - und mit viel Pech an West Ham United scheiterten. Kurz danach war Merkels Mission bei 1860 wieder zu Ende. 1966 zettelte Kult-Torwart Petar Radenkovic eine Revolte gegen Merkel an, weil der ihn mit der Verpflichtung eines weiteren Torwarts unter Druck gesetzt hatte. "Der Radi hat mich Jahre meines Lebens gekostet, ein Original, heute möchte ich sogar behaupten, ein Genie zwischen den Pfosten", sagte der inzwischen verstorbene Merkel später.

Die Mitspieler folgten damals aber Radenkovic, und mit Merkel ging auch der Erfolg. Nach Merkel waren noch einige Österreicher mit wechselndem Glück bei den Münchnern beschäftigt. Zum Höhepunkt um die Jahrtausendwende spielten Harald Cerny, Marcus Pürk, Christian Prosenik, Martin Stranzl und Markus Weissenberger für die Münchner. Rapid-Coach Peter Pacult, der Mitte der 90er Jahre eine Saison lang für die Löwen stürmte, war von 2001 bis 2003 eineinhalb Jahre lang 1860-Trainer.

150 Jahre alt wird der TSV am 17. Mai. Die Ansprüche sind hoch, die Realität ist seit Jahren quälend, der Ausblick auf Besserung mau. Selbst die Hoffnung auf eine Heimkehr ins Grünwalder Stadion müssen sich die "Löwen" derzeit abschminken. Denn für einen Komplettumbau, der überhaupt erstmal für die Spielgenehmigung nötig wäre, fehlt dem Verein das Geld, einen Investor gibt es nicht. Die Stadt hielt sich lange zurück und verkündete im März das Aus der Umzugspläne.

"Wir haben alles Erdenkliche getan, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen", sagte 1860-Präsident Rainer Beeck. Nur die Realität sah wieder anders aus als erwünscht. Immer wieder haben die Sechziger nach oben geschielt - und torkeln doch im Mittelfeld der 2. Bundesliga herum. "Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Vor der Saison wollen sie aufsteigen, dann landen sie wieder auf Platz zehn", nörgelte Ex-Trainer Werner Lorant bei einer Stippvisite vor kurzem.

Seit dem Bau der Allianz Arena im Sommer 2005 teilen sich die "Löwen" das Stadion mit dem Lokalrivalen FC Bayern, erst als Partner, nun als Mieter des deutschen Rekordmeisters - aber immer häufiger vor bedrückend leeren Rängen. Ausgerechnet zu seinem Jubiläum ist der TSV 1860 von Problemen gezeichnet wie selten zuvor. Sportlich sowieso, zum 150. Bestehen war natürlich der Wiederaufstieg in die Beletage angepeilt gewesen. Der Traum davon hielt selbst bei den größten Optimisten nur bis ein paar Wochen nach Saisonstart.

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