vergrößernverkleinern
Stadion als perfekte Kulisse für Sturms Cup-Sieg © APA (Schlager)

Bald zwei Jahre ist es her, dass die Fußball-EM ins Land gezogen ist, die den Klagenfurtern ein neues Fußballstadion mit gut

Bald zwei Jahre ist es her, dass die Fußball-EM ins Land gezogen ist, die den Klagenfurtern ein neues Fußballstadion mit gut 30.000 Sitzplätzen beschert hat. Und noch immer ist die Zukunft des Ovals im Stadtteil Waidmannsdorf ungewiss. Die Entscheidung, ob der Oberrang abgetragen oder permanent gemacht wird, steht aus, aber in jedem Fall droht der Arena das Schicksal eines "Geisterstadions".

Wenn dem SK Austria Kärnten die Bundesligalizenz auch in letzter Instanz verweigert wird, gibt es nichts mehr, aber auch bei einer Teilnahme an der Ersten Liga werden die Ränge wohl weitgehend leerbleiben. Fans bezeichnen die Arena als "schönstes Stadion Österreichs", die Gegner sprechen von einer Geldvernichtungsmaschine.

Im Juli 2008, unmittelbar nach Ende der EURO, hätte der Rückbau beginnen sollen, so war es vertraglich vereinbart. Doch der damalige Landeshauptmann Jörg Haider, der damalige Klagenfurter ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher und die Fußballfans plädierten dafür, es in voller Größe zu belassen. Der Haken dabei: Die Konstruktion war von vorneherein auf einen Rückbau ausgelegt, soll der Oberrang erhalten bleiben, müssten Verstärkungen eingebaut werden.

15,5 Millionen Euro, soviel ist das Sportministerium bereit, auszugeben. Aber nur für die Fertigstellung, nicht für den Rückbau. Die Baufirma hat der Stadt ein Angebot gemacht, um genau diese Summe die Konstruktion fertigzustellen. Das Angebot wird derzeit überprüft, was natürlich auch Geld kostet, nämlich einige 100.000 Euro. Nicht eingerechnet sind die Kosten für das Umweltverträglichkeits-Feststellungsverfahren und für eine mögliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Sollte eine UVP nötig sein, könnte sie Jahre dauern, ob bis zum Abschluss die 15,5 Millionen dann reichen werden, kann niemand beantworten.

Die UVP hat der Stadt - ihr gehört das Stadion - die derzeitige missliche Lage überhaupt erst eingebrockt. Denn um eine solche zu umgehen, wurde der Trick mit dem temporären Oberrang aus dem Hut gezaubert. Immerhin steht das Stadion mitten in dicht verbautem Gebiet, laut Experten ist bei 30.000 Sitzplätzen eine Prüfung der Verträglichkeit unumgänglich.

Der SK Austria beklagt seit Jahren die enormen Kosten für die Stadionmiete und moniert deshalb öffentliche Förderungen. Stadt und Land haben auch ihre Säckel geöffnet, die Stadt hat zudem beim Lizenzverfahren dem Club noch einmal unter die Arme gegriffen. Der Ligakommission reichten die Unterlagen trotzdem nicht. Scheitert der Verein, dessen Lizenz einst von Pasching gekauft wurde, auch in der letzten Instanz, steht das Stadion unterm Jahr leer. Und der Stadt drohen Millionenverluste. Denn wird die Arena nicht bespielt, fällt auch die Vorsteuer-Abzugsberechtigung weg, die Finanz würde den Erhalt des Stadions als "Liebhaberei" einstufen.

Der Fußballbund will das Wörtherseestadion jedenfalls in der derzeitigen Größe erhalten wissen. Um einen Rückbau zu verhindern, will der ÖFB etwa für die Jahre 2011 bis 2013 das Cupfinale fix nach Klagenfurt vergeben. Auch ein eventuell entscheidendes letztes EM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft könnte in Kärnten ausgetragen werden.

Gegen einen Rückbau spricht, dass dieser dem Vernehmen nach inzwischen mehr kosten würde als eine Fertigstellung. Denn die Stahlträger des Oberranges sind so verbogen, dass man die Verbindungsschrauben nicht mehr lösen kann. Auch das ist eine Spätfolge der Tricksereien rund um die Errichtung. Diese wiederum waren, so heißt es, notwendig, weil die Arena sonst nicht fristgerecht vor der EM fertig geworden wäre. Diese Blamage wollten Stadt und Land mit allen Mitteln verhindern.

In den nächsten Wochen soll eine Entscheidung fallen, kündigte Bürgermeister Christian Scheider (FPK) - wieder einmal - an. Er sieht die Zeichen in Richtung Fertigstellung weisen, Landeshauptmann und Parteifreund Gerhard Dörfler, er ist auch Sportreferent, ist dezidiert für die Belassung in der jetzigen Größe. Dass eventuell kein Club mehr da ist, der im Stadion spielt, ändert an seiner Ansicht nichts. Die Sprungschanze in Innsbruck werde ja auch nur einmal jährlich benützt und diene den Rest der Zeit als "Wahrzeichen", meinte er.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel