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39 Menschen starben bei der Katastrophe © APA (epa)

Am Samstag jährt sich zum 25. Mal eines der schwärzesten Kapitel in der Fußball-Geschichte. Am 29. Mai 1985 kamen vor dem

Am Samstag jährt sich zum 25. Mal eines der schwärzesten Kapitel in der Fußball-Geschichte. Am 29. Mai 1985 kamen vor dem Meistercup-Endspiel zwischen Juventus und Liverpool (1:0) im Brüsseler Heysel-Stadion insgesamt 39 Menschen, 32 Italiener, vier Belgier, zwei Franzosen und ein Nordire, im Zuge von schweren Ausschreitungen und Panik auf den Tribünen zu Tode. Hunderte Besucher wurden verletzt.

Provozierende Sprechchöre, umherfliegende Feuerwerksraketen, eine aufgeheizte Stimmung unter den rivalisierenden Anhänger-Gruppen und ein einsetzender Sturmlauf von Randalierern aus den Engländern zugeteilten Sektoren X und Y auf den mehrheitlich mit Italienern besetzten neutralen Z-Bereich waren Auslöser der Katastrophe gewesen. "Es wurde das schlimmste Match meines Lebens", erzählte ORF-TV-Kommentator Robert Seeger über die schrecklichen Szenen.

Er habe versucht, für diese Tragödie Worte zu finden. "Es war klar, dass man das nicht wie ein ganz normales Spiel übertragen durfte." Der Steirer fand die richtigen Worte, für die er später mit dem internationalen Sport-Oscar ausgezeichnet wurde. Nicht nur der ORF-Reporter, der auf diesen Preis gerne verzichtet hätte, hat das offizielle Argument, "das Spiel müsse stattfinden, weil sonst noch mehr passiert wäre", nicht verstanden.

"Das war völlig falsch und pietätlos. Es war ein Versagen der Polizei und der Ordnungskräfte", sagte Seeger, der sich maßlos über den Jubel der Azzurri nach dem Siegestor des Franzosen Michel Platini aus einem Elfmeter geärgert hatte. Die APA - Austria Presse Agentur schrieb damals über die Ereignisse: "Am mörderischen Mittwoch von Brüssel wurde Fußball nur als Präventiv-Maßnahme gespielt." Einige TV-Stationen brachen die Direktübertragung ab.

Neun Jahre nach der Tragödie wurde die veraltete Heysel-Arena geschliffen und am 23. August 1995 das neue König-Boudouin-Stadion mit dem Länderspiel Belgien gegen Deutschland (1:2) eingeweiht. Zum 20. Jahrestag des Heysel-Dramas, am 29. Mai 2005, wurde an der Außenseite des neuen Ovals eine Gedenkskulptur, die mit den Worten "Haltet die Uhren an" versehen ist, enthüllt.

Von den insgesamt 26 an Belgien ausgelieferten Hooligans erhielten 14 Haftstrafen bis zu drei Jahren. Die belgischen Behörden überwiesen den Hinterbliebenen der Opfer rund 1,25 Mio. Euro Entschädigung. Die UEFA verhängte über die englischen Vereine eine fünfjährige, über Liverpool eine siebenjährige Europacup-Sperre. Auch Juventus und der belgische Verband kamen nicht ungeschoren davon. Die Tragödie führte in den Jahren danach zum Umdenken, zu baulichen Veränderungen in vielen Stadien und zu strenger kontrolliertem Kartenverkauf.

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