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Brasilien hofft auf Spielmacher Kaka © APA (epa)

104 Weltranglisten-Plätze trennt die große Unbekannte Nordkorea vor dem ersten WM-Auftritt seit 44 Jahren vom Auftaktgegner

104 Weltranglisten-Plätze trennt die große Unbekannte Nordkorea vor dem ersten WM-Auftritt seit 44 Jahren vom Auftaktgegner Brasilien. Trotzdem gibt sich das "Geflügelte Pferd" ("Chollima") vor der Partie gegen den fünffachen Weltmeister am Dienstagabend (20.30) in Johannesburg kämpferisch. "Wir können gegen Brasilien gewinnen. Jeder von uns denkt an dieses Spiel", sagte Stürmer Jong Tae-se.

Den Rekordweltmeister lassen solche Kampfansagen kalt. In den Tagen vor der Partie im Ellis Park war Brasilien viel zu sehr mit den eigenen Problemen beschäftigt. Geheimtrainings, Diskussionen um die Kader-Nominierung und Zweifel an der Form von Regisseur Kaka standen im Mittelpunkt des Interesses von Fans und Medien. Gegen Nordkorea, als 105. im FIFA-Ranking so schlecht gereiht wie kein anderes Team in Südafrika, erwartet sich ganz Brasilien einen klaren Erfolg.

Mit seiner Vorliebe für Fußball-"Arbeiter" denn für Ballkünstler wie den unberücksichtigten Ronaldinho und restriktiver Pressepolitik hat sich Teamchef Carlos Dunga noch mehr unter Druck gesetzt. Seit dem 5:1-Testspielsieg vor einer Woche in Tansania hat der 46-Jährigen vor seinem WM-Debüt kein Interview mehr gegeben.

Unter dem Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1994 gewann die nun weitgehend unspektakulär spielende "Selecao" die Copa America 2007 und den Confed-Cup 2009. "Unsere Nationalmannschaft ist ausgeglichen, und das ist wichtig im Fußball", sagte Kaka, der einzige verbliebene internationale Topstar, den jedes Kind auf der Welt kennt. Brasilien habe "kein anderes Ziel" als die "Hexa", den sechsten WM-Titel: "Wir haben eine Geschichte, der wir gerecht werden müssen."

Brasiliens Erfolgsformel unter Dunga gründet auf einer gesicherten Defensive. Der wieder fitte Torhüter Julio Cesar, Kapitän Lucio und Maicon verteidigten schon Inter Mailand zum Champions-League-Sieg. Mit Gilberto Silva und Felipe Melo gibt es außerdem zwei Abräumer im Mittelfeld. Im Angriff sollen Luis Fabiano und der quirlige Robinho für die Tore sorgen.

Aber alles hängt vor allem an Kaka: Der 65-Millionen-Mann, bei Real Madrid in diesem Jahr mehr in ärztlicher Behandlung als auf dem Rasen, kämpft um seine Form. "Er ist gut drauf und wir sind alle sicher, dass er eine großartige WM spielen wird", sagte Maicon über den Spielgestalter. Großes Rätselraten bereitet auch der Gegner. "Wir wissen wenig über Nordkorea", räumte Felipe Melo ein.

Die Kicker aus dem politisch isolierten Land setzen, natürlich, auf das Kollektiv. Kein WM-Team hat eine so lange Vorbereitung wie Nordkorea absolviert. Mehr als vier Monate schweißte Teamchef Kim Jong-hun seine Mannschaft zusammen, unter anderem in Dornbirn wurde ausgiebig Kondition geschunden.

Eine dichter Fünfer-Abwehrriegel soll Brasiliens Techniker außerdem nicht zur Geltung kommen lassen. Als einzige Spitze dürfte an vorderster Front Jong Tae-se agieren. Asiens "Wayne Rooney des Volkes" vom japanischen Club Kawasaki Frontale hatte vor der Endrunde vollmundig einen Treffer pro Partie angekündigt. "Jeder glaubt, wir haben keine Chance, aber wir haben große Herzen und einen starken Charakter. Das kann uns helfen, das Wunder zu schaffen", erklärte der als Sohn zweier Südkoreaner in Japan geborene Jong.

Nordkorea nimmt zum zweiten Mal nach 1966 wieder an einem WM-Turnier teil. Damals gewannen die Asiaten in ihrer Gruppe gegen Italien überraschend mit 1:0. In der K.o.-Runde verloren sie dann trotz einer 3:0-Führung das Spiel gegen Portugal (3:5). Die Portugiesen sind in Gruppe G auch 2010 Kontrahenten, als viertes Team wartet die Elfenbeinküste.

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