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Fans sehnen drei Punkte herbei © APA (epa)

Für Fußball-WM-Gastgeber Südafrika ist der Mittwoch ein historischer Tag, nicht nur weil die "Bafana Bafana" am Abend (20.30

Für Fußball-WM-Gastgeber Südafrika ist der Mittwoch ein historischer Tag, nicht nur weil die "Bafana Bafana" am Abend (20.30 Uhr) in Pretoria gegen Uruguay ihr zweites Match in der Gruppe A bestreiten. Am 16. Juni 1976 begann der Aufstand in Soweto, der für die Südafrikaner historisch dieselbe Bedeutung hat wie der Sturm auf die Bastille für die Franzosen.

"Das ist ein besonderer Tag für uns. Hoffentlich holen wir drei Punkte und schenken der ganzen Nation eine Riesenfeier", betonte deshalb Südafrikas Mittelfeldregisseur Steven Pienaar. Die komplette Regenbogennation sehnt den zweiten Auftritt ihrer Helden herbei, der ausgerechnet am nationalen Feiertag zum Gedenken der Opfer des Aufstands von Soweto stattfindet.

Vor 34 Jahren hatten mehr als 10.000 Schüler im Township Soweto dagegen protestiert, die bei vielen Schwarzen verhasste Sprache Afrikaans zwangsweise in Schulen einzuführen, und damit den Kampf gegen die Apartheid eingeleitet. Die Polizei schlug den Aufstand auf brutalste Weise nieder, in dem sie das Feuer auf die Schüler eröffnete. In der Folge verloren in wenigen Tagen mehr als 500 schwarze Südafrikaner durch radikale Polizeieinsätze ihr Leben.

Kapitän Aaron Mokoena und seine Teamkollegen wiesen mehrfach auf die Bedeutung dieses Tages für ihre Landsleute hin und möchten die historisch aufgeladene Stimmung im mit 49.000 Zuschauern restlos gefüllten Loftus-Versfield-Stadion nutzen. "Wir wollen unsere Landsleute an diesem historischen Tag stolz machen", sagte Mokoena. Und Pienaar schlug in dieselbe Kerbe: "Wir wollen unseren Landsleuten doppelten Grund zum Feiern geben."

Sportlich ist die Ausgangssituation für beide Teams die gleiche: Die Gastgeber sind nach dem 1:1 im Auftaktspiel gegen Mexiko ebenso zum Siegen verurteilt wie die Südamerikaner, die im ersten Match ein torloses Remis gegen Vizeweltmeister Frankreich erreicht haben. Beide wollen sie schließlich ihr jeweils ausgegebenes Ziel - Aufstieg in die K.o.-Phase - realisieren. "Wenn wir das Achtelfinale erreichen, dann ist das das Größte, was je im südafrikanischen Fußball passiert ist", weiß Verteidiger Siboniso Gaxa um die historische Chance, die ein Sieg über Uruguay eröffnet.

Südafrikas Teamchef Carlos Alberto Parreira ist jedenfalls zuversichtlich, dass sich seine Burschen beim zweiten WM-Auftritt im eigenen Land steigern werden. "Gegen Mexiko haben sie den Ball in der zweiten Hälfte bereits gut laufen lassen und flach gehalten. Wir müssen und werden besser spielen", sagte der 67-jährige Brasilianer. Und Pienaar glaubt das Erfolgsrezept für einen Sieg über Uruguay bereits gefunden zu haben. "Wir müssen mit viel Herz spielen. Wenn du mit dem Herzen spielst, kann dich niemand stoppen. Wir müssen einfach alles geben und an uns selbst glauben", erklärte der Everton-Star.

Siphiwe Tshabalala, der gegen Mexiko mit einem Traumtor das 1:0 erzielt hatte, warnte jedoch vor dem zweifachen Ex-Weltmeister Uruguay. "Wir wissen, dass es wieder ein ganz schweres Spiel wird. Doch wir sind bereit und werden für unser Land kämpfen", gab der Mittelfeldspieler der Kaizer Chiefs, an dem laut Medienberichten Clubs aus England und Skandinavien bereits ihr Interesse bekundet haben sollen, zu Protokoll. Doch diese Wechselgerüchte lassen den 25-Jährigen vorerst kalt, er ist total fokussiert auf das Mittwoch-Match. "Alles was jetzt zählt, ist ein Sieg gegen Uruguay!"

Auf der Gegenseite ist man aber auch total auf drei Punkte eingestellt. Im Gegensatz zur destruktiven Frankreich-Taktik setzt Uruguay-Teamchef Oscar Tabarez diesmal auf ein offensives 3-4-3-System. Edinson Cavani werde anstelle von Mittelfeldmann Ignacio Gonzalez in die Startelf rücken und soll neben Atletico-Madrid-Star Diego Forlan und Ajax-Angreifer Luis Suarez für Torgefahr sorgen, wie der Trainer bereits am Montag verriet.

"Wir müssen in der Offensive deutlich besser werden und in der Lage sein, mehr gefährliche Situation vor dem Tor des Gegners herauszuspielen", forderte Tabarez vor dem Spiel gegen die Gastgeber, bei denen er in der Defensive große Schwachpunkte ausgemacht hat. Diese soll sein Sturm-Trio nun eiskalt ausnutzen, damit Uruguay endlich in "eine neue Dimension" vordringen kann. Schließlich hat der Champion von 1930 und 1950 zuletzt nur eines seiner 17 WM-Spiele gewonnen.

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