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Wiedersehen nach 16 Jahren © APA (epa)

Diego Maradona wird am Dienstag beim WM-Spiel Argentiniens gegen Griechenland von seinem letzten erfolgreichen Kapitel als

Diego Maradona wird am Dienstag beim WM-Spiel Argentiniens gegen Griechenland von seinem letzten erfolgreichen Kapitel als Fußballer eingeholt - und gleichzeitig von seinem wohl dunkelsten. Fast auf den Tag genau vor 16 Jahren erzielte "El Diez" beim 4:0-Erfolg zum Auftakt des zweifachen Champions in die Endrunde in den USA gegen die Hellenen seinen 34. und letzten Treffer für die "Albiceleste".

Maradona bot dabei eine Leistung, die nicht nur verzückte, sondern auch verwunderte. Der damals 33-Jährige hatte davor schon oft mit Gewichts- und Fitness-Problemen zu kämpfen gehabt. Bei der WM 1994 aber präsentierte sich Maradona auf einmal um 15 Kilo leichter und in absoluter Top-Verfassung. Der Grund dafür war schon bald gefunden: Nach dem 2:1 über Nigeria mit einem neuerlich überragenden Kapitän jubelte der vielleicht beste Kicker aller Zeiten noch den Fans zu, als ihn eine Krankenschwester an der Hand nahm und zum Wasserlassen führte.

Das Ergebnis war der größte Dopingskandal in der Fußball-Geschichte. Bei Maradona wurde das Aufputschmittel Ephedrin nachgewiesen, er selbst mimte das Unschuldslamm und sah sich als Opfer der FIFA. "Ich schwöre beim Augenlicht meiner Mutter, dass ich nie verbotene Substanzen genommen habe", rief Maradona damals.

Knapp elf Jahre später hörte sich das schon anders an. "Wenn ich nicht beim Doping erwischt worden wäre, wäre Argentinien Weltmeister geworden", sagte Maradona im Jänner 2005. Zu dieser Zeit weilte er zumeist bei seinem väterlichen Freund Fidel Castro auf Kuba, wo er sich einer Entziehungskur wegen seiner schweren Kokainsucht unterzog, die ihn im April 2004 fast das Leben gekostet hätte.

Das weiße Pulver war zumindest seit Anfang der 1990er-Jahre ständiger Wegbegleiter des 49-Jährigen. Im März 1991 wurde der damalige Napoli-Star wegen Kokain-Konsums für 15 Monate gesperrt, auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere 1997 hatte er ständig mit Drogenproblemen zu kämpfen.

Mittlerweile ist Maradona wieder einige Kilo losgeworden und hat nach eigenen Angaben auch die Sucht hinter sich gelassen. Ganz ohne Aufputschmittel hüpft und stolziert die "Hand Gottes" bei der WM in Südafrika die Coaching Zone entlang, gestikuliert wild in die Richtung des Schiedsrichters oder gegnerischen Trainers und läuft auch einmal jubelnd auf den Platz, wenn seine Mannschaft gerade ein Tor erzielt hat.

Bei seinen Spielern steht der Exzentriker hoch im Kurs. "Die Umarmung am Ende mit Diego - das war eine persönliche Erleichterung", seufzte Martin Demichelis. Obwohl der Innenverteidiger gegen Südkorea ein Gegentor verschuldet hatte, wurde er nach dem Schlusspfiff von seinem Teamchef innig geherzt und geküsst.

Bei vielen Fans war der Weltmeister von 1986 noch bis kurz vor der WM weniger beliebt. Regelmäßig wurde Kritik an seinen Trainer-Fähigkeiten laut, schließlich schaffte die "Albiceleste" die Qualifikation für Südafrika trotz Ausnahmespieler wie Lionel Messi nur mit viel Mühe. Seit seinem Amtsantritt holte Maradona weit über 100 Spieler in den Teamkader und wechselte die taktische Formation wie seine Unterhosen.

Rechtzeitig zur WM aber steht das gemeinsam mit dem von ihm ungeliebten Co-Trainer Carlos Bilardo erarbeitete Konzept. Die Argentinier überzeugten beim 1:0 über Nigeria und beim 4:1 über Südafrika und gelten derzeit als vielleicht aussichtsreichster Turnierfavorit.

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