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Selbst Präsident Sarkozy schaltete sich nun ein © APA (epa/Archiv)

Der französische Fußball erlebt die schwerste Krise seiner Geschichte. Das blamable Auftreten des Nationalteams bei der WM in

Der französische Fußball erlebt die schwerste Krise seiner Geschichte. Das blamable Auftreten des Nationalteams bei der WM in Südafrika lässt die Grande Nation vor Scham im Boden versinken. Nach der Meuterei der Spieler gegen Trainer Raymond Domenech trainierte man am Montagvormittag zwar wie geplant. Doch selbst Politiker fordern nun schonungslose Konsequenzen.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das ist erbärmlich und dramatisch", kommentierte der ehemalige Sportminister und Parlamentsabgeordnete Jean-Francois Lamour in der Zeitung "Le Parisien" (Montag). "Das ist inakzeptabel", hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bereits am Wochenende geschimpft.

Frankreichs Sportministerin Roselyn Bachelot soll dem Chaos jetzt ein Ende setzen. Die Politikerin verlängerte auf Anordnung von Sarkozy ihren Aufenthalt in Südafrika und berief für Montag ein "Krisentreffen" mit dem französischen Team-Kapitän Patrice Evra, Trainer Raymond Domenech und dem Präsidenten des Nationalverbands FFF, Jean-Pierre Escalettes ein. Wegen der "Empörung der Franzosen" über ihre Elf, sagte Bachelot dem Fernsehsender "TF1", rufe sie alle Delegationsangehörigen zur "Verantwortung und zur Wahrung der Würde" auf.

In den Medien wurden die Vize-Weltmeister von 2006 am Montag wüst angegangen. "Diese französische Mannschaft bereitet uns eine echte Schande", überschrieb der "Parisien" seine Titelgeschichte. Auch die anderen großen Blätter zeigten wenig Verständnis für das Verhalten der Nationalspieler in Südafrika. "Die Bleus versinken in der Lächerlichkeit", schrieb "Liberation" auf dem Titel. "Kollektiven Selbstmord" und "die Implosion des französischen Fußballs", konstatierte "Le Figaro". Eine "Farce" nannte die Sportzeitung "L'Equipe" die Vorfälle vom Wochenende.

Das Lyoner Blatt "Progres" fand besonders sarkastische Worte: "Sie hätten sich damit begnügen können, auf dem Spielfeld schlecht und außerhalb des Stadions arrogant zu sein, wie dies bereits seit einigen Jahren der Fall ist. Aber nun hauen sie uns wirklich um! Sie bieten uns ein Feuerwerk aus Dummheit, Feigheit und vulgärem Benehmen. Und bei der Suche nach dem Schlimmsten sind sie nun alle solidarisch, ausnahmsweise: Spieler, Trainer und Funktionäre des Fußballverbandes."

Ausgangspunkt der beispiellosen Krise bei den Franzosen war der miese Vorrundenstart. Nach einem mageren 0:0 gegen Uruguay und der Niederlage gegen Mexiko steht Frankreich in der Gruppe A vor dem Aus. Anschließend musste Stürmer Nicolas Anelka vorzeitig nach Hause fahren, weil er Trainer Raymond Domenech übelst beleidigt haben soll. Das Team um Franck Ribery trat daraufhin in den Streik. Kein Training, hieß es am Sonntag. Ein handfester Streit zwischen Kapitän Patrice Evra und Konditionstrainer Robert Duverne sowie der Rücktritt von Delegationschef Jean-Louis Valentin machten das Chaos komplett.

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