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Lippi steht unter Zugzwang, signalisiert aber Ruhe © APA (epa)

In Italien, dem Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters, macht sich Resignation breit. "Italienischer Flop! Italien ist

In Italien, dem Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters, macht sich Resignation breit. "Italienischer Flop! Italien ist kopflos", titelte "La Repubblica" und befürchtete ein frühes Heimkommen der Squadra, die sich am Sonntag beim 1:1 gegen Neuseeland blamierte. "Eine italienische Mannschaft ohne Qualität", urteilte der "Corriere della Sera". Innerhalb des Teams gibt man sich hingegen gelassen.

Im Kreuzfeuer der Kritik stehen Teamchef Marcello Lippi und der offensichtlich in die Jahre gekommene Kapitän Fabio Cannavaro. "War's das, Lippi?", fragte "La Gazzetta dello Sport". Dabei haben es die Italiener in Gruppe F weiterhin in der eigenen Hand, mit seinem Sieg am Donnerstag im Ellis Park von Johannesburg gegen die Slowakei würden sie fix im Achtelfinale stehen.

Und eigentlich sollte man in Italien den eher behutsamen Start ihres Nationalteams in ein Turnier bereits gewohnt sein. "Es gibt keine Panik", betonte deshalb Lippi. "Ich bin 62 Jahre und ich habe viele große Titel gewonnen. Derzeit fehlt uns etwas. Ich hoffe, dass wir es in den nächsten Tagen finden. Wir können viel mehr", erklärte Lippi, der Weltmeister-Coach 2006.

Dieses "etwas" könnte Spielmacher Andrea Pirlo sein, der nach seiner Wadenverletzung bis zum Slowakei-Match fit werden könnte. Sogar ein Remis gegen die Slowaken würde reichen, falls gleichzeitig Paraguay Neuseeland besiegt. Dann würde Italien wie 1982 mit drei Unentschieden aufsteigen, damals war dies der stotternde Auftakt zum WM-Titel gewesen. Auch daran erinnerte Lippi nach dem Neuseeland-Match.

"Es existiert eine kleine Angst, dass wir nicht aufsteigen", gestand Vincenzo Iaquinta, der Schütze des Ausgleichs gegen die Neuseeländer. Iaquinta ist sich aber sicher, dass Partien wie jene in einem möglichen Achtelfinale gegen die Niederlande den Italienern deutlich besser liegen würden. "Gegen offensivere Gegner finden wir mehr Platz für unser Spiel vor."

Auch Cannavaro beschwerte sich über die neuseeländische Abwehr-Mauer: "Bei Neuseeland standen alle hinten drin, da fehlte nur noch der Trainer." Das war den Neuseeländern egal, die Nummer 78 der Weltrangliste feierte den größten Erfolge der Geschichte. "Wir haben weiterhin eine Aufstiegschance, und das wird 99,9 Prozent der Leute überraschen. Dieses 1:1 ist das unglaublichste Resultat unserer Geschichte", freute sich Teamchef Ricki Herbert.

Die Neuseeländer, die gegen die Italiener dank Shane Smeltz sogar in Führung gegangen waren, sehen die zwei 1:1-Remis gegen die Slowakei und den Weltmeister als perfekte Antwort auf Experten-Meinungen aus aller Welt. "Viele Leute haben gesagt, dass wir Amateure sind und nicht bei dieser WM mitspielen sollten", erinnerte sich Herbert, dessen Team in der Qualifikation Teams wie Neukaledonien und Bahrain zu bekämpfen hatte.

(Schluss) hal/mgä

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