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Plötzlich ist alle Kritik vergessen © APA (Archiv/epa)

Slowakei-Teamchef Vladimir Weiss ist nach dem geschafften Achtelfinal-Aufstieg bei der Fußball-WM in Südafrika ein gefeierter

Slowakei-Teamchef Vladimir Weiss ist nach dem geschafften Achtelfinal-Aufstieg bei der Fußball-WM in Südafrika ein gefeierter Held. Der 45-Jährige war zuletzt im Clinch mit den Medien gelegen, der sensationelle 3:2-Sieg gegen Weltmeister Italien am Donnerstagabend in Johannesburg machte allerdings vieles vergessen. "Das war ein herrliches Spiel, vielleicht eines der besten dieser WM", sagte Weiss.

Die Slowaken hatte nach dem schwachen 1:1-Remis gegen Neuseeland sowie der 0:2-Niederlage gegen Paraguay eigentlich niemand mehr auf der Rechnung gehabt. Mit einer tollen Vorstellung gegen allerdings schwache Italiener machten sie aber im "Gruppen-Endspiel" doch noch die Sensation perfekt und zogen gleich bei der ersten Teilnahme als Zweiter der Gruppe F ins Achtelfinale ein, wo am Montag in Durban die Niederlande der Gegner ist. "Es war der zweitbeste Tag meines Lebens nach der Geburt meines Sohnes", betonte der Teamchef.

Die ganze Slowakei freue sich mit der Nationalelf. Fast vergessen ist der Konflikt von Weiss mit den Medien. Anfang der Woche hatte der Trainer von kritischen Fragen genervt eine Pressekonferenz nach einer Minute bereits wieder verlassen. Während des Turniers soll er zudem Journalisten teilweise böse beleidigt und einem Reporter auch Prügel angedroht haben. "Was geschehen ist, ist geschehen. Das ist Vergangenheit, schauen wir weiter. Ich habe an die Spieler geglaubt und werde weiter an sie glauben", meinte Weiss.

Das zuvor noch kritischere Blatt "Plus 1 den", das gegen Weiss wegen seiner Beleidigungen und Drohungen gegen Journalisten sogar bei der FIFA eine Beschwerde eingereicht hatte, titelte am Freitag begeistert: "Jungs, wir danken euch!" Die Wirtschaftstageszeitung "Hospodarske noviny" lobte: "Weiss - unser Wundermacher". Und das Internetportal "aktualne.sk" jubelte: "Die Slowakei lebt ihren afrikanischen Traum" und schrieb weiter: "Herrlich, zauberhaft und unglaublich - das alles war das dritte Spiel der Slowakei bei ihrer ersten WM."

Lob kam auch vom slowakischen Fußball-Verbandspräsidenten. "Das war die beste Leistung seit der slowakischen Unabhängigkeit", sagte Frantisek Laurinec, der jetzt endlich auf ein Ende des Streits mit den Medien hofft. "Ich wünsche mir, dass wieder eine normale Situation hergestellt wird. Zum Fußball gehören die Spieler, Trainer, Zuschauer und Fans, aber auch die Medien", erklärte Laurinec.

Der Sieg der Slowaken war in einer dramatischen Partie wirklich bis zum Abpfiff auf des Messers Schneide gestanden. Robert Vittek (25., 73.) hatte für die Weiss-Truppe einen komfortablen 2:0-Vorsprung herausgeschossen, Kamil Kopunek (89.) nach dem Anschlusstreffer von Antonio di Natale (81.) für die Vorentscheidung gesorgt. Das 2:3 von Fabio Quagliarella (92.) kam zu spät.

"Das ist ein riesiger Erfolg. Wir haben die Grenzen des slowakischen Fußballs verschoben", freute sich Vittek. Nicht einmal im Traum hätten die Spieler daran gedacht, dass so etwas möglich sei. "Wir haben mit Herz gespielt und das ist, was entschieden hat. Wir waren die bessere Mannschaft", fügte der Stürmer hinzu.

Auf den Hauptplätzen Bratislavas und anderer slowakischer Städte jubelten Tausende so begeistert wie sonst nur nach Erfolgen der Eishockey-Stars, in deren Schatten die slowakischen Fußballer schon immer standen. Bis in den frühen Morgenstunden waren die Bars mit feiernden Fans gefüllt, auf den Straßen war immer wieder Jubel von nach Hause kehrenden Fangruppen zu hören.

Im Achtelfinale wartet auf die Slowaken mit der Niederlande nun wieder ein harter Brocken. "Sie sind ein WM-Mitfavorit, wir sind krasser Außenseiter. Aber wir haben schon eine Überraschung geschafft und werden versuchen, wieder so ein Spiel zu machen", kündigte Doppeltorschütze Vittek Arjen Robben und Co. einen harten Kampf an.

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