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Lippi nahm seine Spieler in Schutz © APA (epa)

Italiens Fußball-Teamchef Marcello Lippi hat nach der 2:3-Niederlage gegen die Slowakei bei der WM in Südafrika die volle

Italiens Fußball-Teamchef Marcello Lippi hat nach der 2:3-Niederlage gegen die Slowakei bei der WM in Südafrika die volle Verantwortung für das Ausscheiden in der Gruppenphase übernommen. "Wenn eine Mannschaft mit Angst einläuft, dann hat der Trainer alles falsch gemacht", betonte der 62-Jährige. Die "Squadra Azzurra" beendete die Gruppe F mit zwei Punkten hinter Neuseeland auf dem letzten Platz.

"Das war das schlechteste Italien aller Zeiten", klagte die "Gazzetta dello Sport". "Schande!", titelte der "Corriere dello Sport". Für die "Repubblica" war es das "Waterloo der Azzurri". "Tuttosport" verhöhnte die WM-Versager als "Mozzarelle". Minister Roberto Calderoli beschimpfte Trainer Lippi als "arrogant" und die Spieler als "verwöhnte Millionäre mit Gelatine-Beinen."

Der Coach entschuldigte sich für den enttäuschenden Auftritt seiner Elf, die wie schon 1950 als Titelverteidiger gleich in der Gruppenphase ausschied. "Es tut mir schrecklich leid für Italien, die Fans, den Verband und die Spieler. Ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft so vorzubereiten, wie es hätte sein müssen", sagte Lippi. Der Coach hatte seine Spieler vor der Partie auf die Wichtigkeit des Spiels hingewiesen und damit anscheinend genau das Falsche gemacht. "Ich habe Druck gemacht. Das war falsch", gestand sich Lippi ein.

Die Spieler selbst suchten ebenfalls keine Ausreden für die große Blamage. "Als wir Weltmeister geworden sind, haben wir Siegermedaillen bekommen, jetzt werden wir Medaillen der Schande bekommen und das völlig zurecht. Wir haben einen Tiefpunkt erreicht", sagte Gennaro Gattuso, der genauso wie Fabio Cannavaro ("So ein Abschied tut weh. Es war der schwärzeste Tag für unsere Nationalelf") seine Teamkarriere beendete.

Ähnlich sah es Andrea Pirlo, der verletzungsbedingt erst gegen die Slowakei und da auch nur nach der Pause zum Einsatz gekommen war. "Unsere Leistung war beschämend. Wir haben kein einziges Spiel gewonnen, es ist die Schuld jedes Einzelnen."

Lippi erlebte mit Italiens Nationalteam alle Höhen und Tiefen. 2006 hatte er die Mannschaft in seiner ersten Amtszeit in Deutschland noch zum Titel geführt, jetzt kam das peinliche Aus in einer von der Papierform leichten Gruppe mit Paraguay, der Slowakei und Neuseeland.

Für Lippi war es aber kein Fehler, das Amt 2008 neuerlich angenommen zu haben. "Ich bin mit Begeisterung zurückgekehrt. Das bereue ich nicht. Ich war zwar nicht überzeugt, dass wir Weltmeister werden können, aber ich war hundertprozentig davon überzeugt, dass wir besser abschneiden", fasste Lippi zusammen, der sich jetzt einmal eine mehrmonatige Trainer-Auszeit nehmen wird.

Auf seinen Nachfolger Cesare Prandelli wartet jedenfalls harte Arbeit, in Südafrika hatten die Italiener in keinem der drei Gruppenspiele wirklich überzeugen können. "Mein Nachfolger wird den richtigen Mix finden, was mir diesmal nicht gelungen ist", war Lippi optimistisch.

Prandelli tritt sein Amt offiziell am 1. Juli an, wie Verbandspräsident Giancarlo Abete am Freitag bekanntgab. Der 52-jährige Ex-Fiorentina-Coach erhielt einen Vierjahresvertrag.

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