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Capello will jetzt durchstarten © APA (epa)

Deutschland gegen England ist kein gewöhnliches Länderspiel. Es ist ein besonderes Treffen, ein geschichtsträchtiger

Deutschland gegen England ist kein gewöhnliches Länderspiel. Es ist ein besonderes Treffen, ein geschichtsträchtiger Klassiker, der Emotionen ebenso weckt wie Erinnerungen - in den beiden Ländern ebenso wie über deren Grenzen. Im 32. Duell am Sonntag (16.00 Uhr) im Free-State-Stadion von Bloemfontein kämpfen die beiden Fußball-Großmächte um den Einzug ins WM-Viertelfinale.

Viele sagen, Turniere würden erst so richtig mit den K.o.-Spielen beginnen, die für Freund und Feind meist mehr eine Nervensache sind. Siegen oder Fliegen lautet die Devise für alle, ab nun zählt nur noch der Erfolg und sonst nichts. "Auch wenn England bisher nicht die allerbeste Form gezeigt hat, diese Mannschaft ist mit hervorragenden Spielern besetzt. Ob Gerrard, Lampard und Rooney, bei dem man weiß, dass er explodieren kann. Dieser Mann ist zu allem fähig. Unsere Abwehr wird vor eine große Aufgabe gestellt", sagte respektvoll der deutsche Teamchef Joachim Löw.

Der frühere Innsbruck- und Austria-Coach weiß, dass alles passen muss, um die "Three Lions" zur Not auch wieder im Elferschießen wie 1996 im EM-Halbfinale (6:5), 1990 im WM-Halbfinale (4:3) oder in der Verlängerung 1970 im WM-Viertelfinale (3:2) zu eliminieren. Legendär ist auch das 4:2 nach Verlängerung der Briten 1966 im WM-Endspiel mit dem berühmten Wembley-Tor von Geoff Hurst, wobei bis heute ungeklärt ist, ob der Ball von der Latte vor oder hinter der Linie aufsprang.

Damals wie heute ist das Gewinnen-Wollen oberste Prämisse und Gratwanderung zugleich. "Völlig befreit aufspielen kann man in einem Turnier nie. Bei einer WM ist jedes Spiel mit Druck behaftet. Das erlebt England, das erlebt Frankreich, das erlebt Italien. Das erleben Teams, die mit Erfahrung und mit Klassespielern gespickt sind, die permanent in der Champions League spielen", sagt Löw, der den jüngsten DFB-Kader seit 76 Jahren nominiert hat.

Die Engländer, die in der Bilanz mit dem DFB bei sechs Remis mit 15:10 Siegen führen, hätten das Achtelfinal-Treffen mit den Deutschen lieber vermieden. "Einige Spieler sagten, es wäre besser gewesen, gegen Ghana zu spielen", verriet Jermain Defoe, der am Mittwoch gegen Slowenien das Goldtor zum 1:0 erzielt hatte. Der Resekt vor den Deutschen sei groß. "Sie sind eine großartige Fußball-Nation und in Turnieren immer stark", sagte der Stürmer.

England dürfe nicht über die Vergangenheit nachdenken, sondern müsse einfach selbstbewusst auftreten, man sei ganz entspannt und konzentriere sich auf den Job, fügte der 28-Jährige hinzu und gab zu, dass er und seine Kollegen seit geraumer Zeit intensiv Elfmeter trainieren. "Jeden Tag, seit dem Trainingslager in Österreich". Und die Medien berichteten, dass Fabio Capello mit Lampard, Gerrard, Barry, Rooney und Milner bereits die ersten fünf Schützen für eine mögliche Entscheidung vom ominösen Punkt nominiert habe.

Der Italiener und seine Schützlinge haben das erste Gruppen-Aus seit 52 Jahren abgewehrt und fühlen sich für die Deutschen gerüstet. "Die WM beginnt jetzt erst. Es ist egal, wie wir in der Gruppenphase gespielt haben, das interessiert nun niemanden", sagte Frank Lampard, und auch Capello sah den Sieg gegen Slowenien als Wende. "Das war das England, das ich sehen wollte. Diese Leidenschaft, diesen Kampfgeist wollte ich haben - den Geist aus unserer Qualifikation." In dieser Form wäre sein Truppe tatsächlich eine Gefahr für die Deutschen.

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