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Chile sorgte mit Offensivfußball bisher für Furore © APA (epa)

Mit bedingungslosem Offensivfußball hat Chiles Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Südafrika bisher für Aufsehen

Mit bedingungslosem Offensivfußball hat Chiles Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Südafrika bisher für Aufsehen gesorgt. Im Achtelfinal-Duell mit Rekordweltmeister Brasilien wird sich am Montag im Ellis Park von Johannesburg aber zeigen, ob Angriff allein zum Erfolg führt. Für die "Selecao" könnte Chile auf dem Weg in die Runde der besten Acht sogar ein Wunschgegner sein.

Brasiliens Teamchef Carlos Dunga hat den schnellen Konter aus einer gesicherten Defensive zu seiner beliebtesten Taktik auserkoren. Das berühmte "Jogo Bonito" (Schöne Spiel) wird dabei zwar nicht geboten, der Erfolg gibt dem ehemaligen Abräumer im Nationaltrikot aber recht. Chiles argentinischer Trainer Marcelo Bielsa setzt hingegen voll auf die Offensive - Lücken in der Abwehr natürlich mit eingeschlossen.

Noch dazu plagen Chile ausgerechnet vor dem südamerikanischen Schlager gravierende Personalprobleme. Weil "Pitbull" Gary Medel und Abwehrchef Waldo Ponce wegen ihrer zweiten Gelben Karten gesperrt sind, fehlen in der Dreier-Kette die beiden zentralen Figuren. Bielsa ist gezwungen, seine Defensive fast komplett umzubauen. Dafür kehrt Mittelfeld-Abräumer Carlos Carmona zurück und wird sich wahrscheinlich um die Kreise von Kaka kümmern. Tore besorgen soll der gegen Spanien geschonte, nicht völlig fitte Topangreifer Humberto Suazo.

"El loco" Bielsa war sich der Schwere der Aufgabe bewusst. "Die Erfolge von Brasilien in der Vergangenheit sprechen für sich. Sie sind immer ein Team, das man fürchten muss und die jetzige Version enthält all die brasilianischen Tugenden und dazu noch Schnelligkeit und Abgebrühtheit", meinte der Argentinier, der in Südamerikas WM-Qualifikation mit seiner Elf zweimal klar mit 0:3 und 2:4 den Kürzeren zog.

Überhaupt darf Brasilien getrost als Angstgegner der Chilenen gelten. Gegen den fünffachen Weltmeister kassierte die Auswahl aus dem Andenstaat in den letzten vier Pflichtspielen 16 Tore, so viele wie gegen keinen anderen Kontrahenten. Seit knapp zehn Jahren ist die "Roja" gegen Südamerikas Fußball-Großmacht ohne Sieg und verlor auch die bisherigen beiden WM-Duelle im Semifinale 1962 (2:4) und im Achtelfinale 1998 (1:4). Angesichts der bisherigen Leistungen gehen die wiedererstarkten Chilenen aber voller Zuversicht ins Achtelfinale.

"Chile hat sich Respekt verschafft und für uns ist diese Partie wie ein Finale", sagte Verteidiger Pablo Contreras. "Wir dürfen uns keine Fehler erlauben und hoffen, dass wir mit Brasilien auf Augenhöhe sind." Mauricio Isla versicherte: "Wir denken nie daran, weniger anzugreifen. Brasilien ist sehr stark und hat Spieler mit großer Qualität. Aber wir versuchen, ihnen unser Spiel aufzuzwingen."

Für Brasilien soll es das zuletzt gegen Portugal schmerzlich vermisste Trio Kaka, Elano und Robinho richten. Dunga setzt vor allem auf den Angreifer vom FC Santos. "Robinho kann uns einen Vorteil verschaffen. Er kann den Unterschied ausmachen mit seinen Dribblings, wenn wir wie gegen Portugal nicht viel Platz haben", meinte der Teamchef.

Ihre Anwärterschaft auf den WM-Titel muss die "Selecao", die bisher nur beim Sieg gegen die Elfenbeinküste überzeugte, nun erstmals im Ernstfall unter Beweis stellen. Die Kritiker stehen bei einer Pleite bereits parat. Der in Brasiliens Medienlandschaft unter permanentem Druck stehende Dunga, der den am Knöchel verletzten Felipe Melo im defensiven Mittelfeld möglicherweise durch Josue ersetzen muss, forderte "Respekt" vor dem südamerikanischen Rivalen ein: "Chile ist im Aufwind. Sie haben eine Mannschaft mit hervorragenden Spielern und werden hart darum kämpfen, weiterzukommen."

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