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Rosetti und Ayroldi erkannten Fehler zu spät © APA (epa)

Einige Pfiffe bzw. Gelbe Karten der Schiedsrichter haben schon in der Gruppenphase der 19. Fußball-WM in Südafrika für manches

Einige Pfiffe bzw. Gelbe Karten der Schiedsrichter haben schon in der Gruppenphase der 19. Fußball-WM in Südafrika für manches Kopfschütteln gesorgt. Was sich aber am Sonntag in den beiden Achtelfinal-Schlagerspielen vom Sonntag zwischen Deutschland und England (4:1) in Bloemfontein und Argentinien - Mexiko (3:1) in Johannesburg zugetragen hat, das stellt alles Bisherige deutlich in den Schatten.

Der 27. Juni geht als Schwarzer Sonntag in die WM-Historie ein. "Für diese Fehlentscheidungen gibt es keine Entschuldigung, aber Fehler passieren", sagte Österreichs FIFA-Referee Thomas Einwaller, der im erweiterten Kader der Referees für Südafrika gestanden war, aber letztlich nicht in den Kreis der WM-Schiedsrichter Aufnahme gefunden hat, zu den zwei eindeutigen Situationen, die über WM-Aufstieg bzw. -Abschied mehr oder weniger beigetragen oder sie zumindest mitbeeinflusst haben.

Den Briten wurde beim Stand von 1:2 vor der Pause ein klarer Treffer von Frank Lampard verweigert und die Argentinier bekamen die 1:0-Führung durch Carlos Teves geschenkt. Lampard hatte mit einem Schuss die Latte getroffen, von wo der Ball für alle im Stadion und TV-Zuschauer sichtbar klar und deutlich mit vollem Umfang hinter der Linie aufsprang. Und Maradona, Messi und Co. jubelten über ein klares Abseitskopftor ihres kleinen Stürmers.

Die Fans in England und Mexiko, aber auch neutrale Anhänger verstehen die Fußball-Welt nicht mehr. Sie stellen sich die Frage, warum es nicht das elektronische Auge wie etwa im Eishockey nicht schon längst auch in "ihrem"Sport gibt. "Grundsätzlich begrüße ich Alles, was uns die Arbeit erleichtert, aber man muss aufpassen, wie man den Video-Beweis umsetzt", warnte Österreichs Pfeifenmann Nummer eins am Montag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Man dürfe den Fußball nicht etwa mit dem Tennis, in dem es viele Unterbrechungen gibt und bei knappen Entscheidungen der Abdruck des Balles auf Sand angeschaut werden kann, vergleichen. Das gehe im Fußball nicht. "Und wer unterbricht bei strittigen Situationen? Der vierte Offizielle kann es nicht. Er ist mit den Trainern und den Ersatzbänken beschäftigt. Also müsste ein zusätzlicher Mann das Spiel anschauen", gibt Einwaller zu bedenken. Nach seiner Meinung wäre für die "gestrigen Tore" aber alles sehr schnell umsetzbar.

Solche Treffer kämen im Jahr ohnehin nur zwei- oder dreimal vor. Problematisch ist "das elektronische Auge" nach Einschätzung des 33-Jährigen, der von Zivilberuf Revisor ist, jedoch bei knappen Abseits-Stellungen. "Da kann man vier oder fünfmal die Aktion am Bildschirm anschauen und kommt schließlich ebenfalls nicht zu einer klaren Antwort oder ob ein Spieler den Ball noch berührt hat oder nicht." Dann stellt sich immer noch die Frage, wann soll das Video herangezogen werden und wann nicht.

Einwaller glaubt, dass zwei unterschiedliche Sportarten entstünden. Auf höchstem Niveau gäbe es dann die elektronische Hilfe, während sich in regionalen Bereichen dies wegen der Kosten kaum umsetzen lasse. "Die FIFA möchte ihren Fußball jedoch überall gleich geregelt sehen, in Afrika ebenso wie etwa in Asien", bemerkte der Tiroler, der seit Jänner 2005 den FIFA-Status besitzt.

Johann Hantschk, der derzeit auf Skandinavien-Urlaub auf Hoher See befindliche Chef von Einwaller, kreidete die Fehler in beiden Fällen nicht den Schiedsrichtern, sondern deren Assistenten an. "Das sind Top-Leute, das muss man sehen, andernfalls hat man bei einer WM nichts verloren", sagte der Vorsitzende der heimischen Bundesliga-Schiri-Kommission zur APA. Die beiden Spielleiter treffe keine Schuld.

Er kritisierte vor allem auch die FIFA, die es zulasse, dass alle Leute die Szene im Stadion auf der Anzeigentafel sahen, nur die Schiedsrichter nicht. Und irgendwann müsse der Verband auch etwas Zulassen. Hantschk meinte damit nicht explizit den Video-Beweis oder eine Torkamera. "Die FIFA hat so viele Milliarden an Einnahmen, dass Kosten für zusätzliche Assistenten an den Torlinien keine Rollen spielen dürften", meinte der Wiener mit unverständlichem Kopfschütteln.

Einwaller und Hantschk demonstrieren Einigkeit, dass etwas überlegt werden und geschehen müsse. Andererseits sei in den vergangenen Jahren im UEFA-Bereich schon viel passiert. "Es wurden das Headset für die Kommunikation des Schiri-Teams, die Torrichter, eingeführt, die bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine erstmals im Einsatz sein werden", bemerkte dazu Einwaller. Nur die FIFA schweigt, und verweigerte einen Kommentar zu den sonntägigen Fehlentscheidungen.

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