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Mannschaft voller Helden © APA (epa)

Argentinien feiert nach dem 3:1-Sieg gegen Mexiko den Matchwinner. Carlos Tevez mit einem Abseitstor (25.) und einem herrlichen

Argentinien feiert nach dem 3:1-Sieg gegen Mexiko den Matchwinner. Carlos Tevez mit einem Abseitstor (25.) und einem herrlichen Weitschusstreffer (52.) ebnete den Weg ins Viertelfinale, in dem am Samstag (16.00) Deutschland wartet. Gonzalo Higuain steuerte das 2:0 bei (33.), während Superstar Lionel Messi auch nach seinem vierten WM-Spiel noch auf seinen ersten Treffer wartet.

"El Apache" ist auf Torpfad, doch so richtig friedlich wirkte Tevez nicht. Der Stürmer von Manchester City ärgerte sich über seinen Austausch in der 69. Minute. Aber "ich habe ein Match wie dieses gebraucht", betonte Tevez. Denn wenige Monate vor der WM hatte er selbst noch seine Form bemängelt. Nun schlug Tevez, der im Buenos-Aires-Vorort Fuerte Apache aufwuchs und aus ärmlichen Verhältnissen stammt, zweimal zu. "Ich habe mich so gut wie nie zuvor auf dieses Turnier vorbereitet, und zum Glück zahlt es sich aus. Ich habe bewiesen, dass ich noch nicht tot bin", sagte der 26-jährige Tevez.

Der quirlige Stürmer profitierte bei seinem ersten Tor nicht nur vom Zusammenspiel mit Messi, sondern auch davon, dass der italienische Schiedsrichter-Assistent Stefano Ayroldi seine klare Abseitsposition nicht sah. Noch während Ayroldi mit Schiedsrichter Roberto Rosetti Rücksprache hielt, flimmerte über die Video-Schirme im Soccer-City-Stadion von Johannesburg die entscheidende Szene. 84.377 Zuschauer wurde die Fehlentscheidung vor Augen geführt, nur die Schiedsrichter hatten kein Video.

Messi dagegen ist trotz starker Leistungen noch torlos. Der 23-jährige Weltfußballer hofft, dass es nun im Viertelfinale klappt. "Hoffentlich, wenn Gott es will, gelingt es gegen Deutschland", sagte Messi. Sollte neben Tevez und Higuain, der mit vier Treffern die Torschützenliste anführt, nun auch Messi noch treffen, wird die argentinische Offensive nur ganz schwer zu stoppen sein.

Derzeit helfen sich die Gegner oft mit unfairen Mitteln, vor allem gegen Messi, kritisierte Argentiniens Teamchef Diego Maradona einmal mehr. "Was mit Messi gemacht wird, ist ein Skandal", machte er seinem Ärger Luft. "Die schauen nicht einmal nach dem Ball, sondern treten ihn", schimpfte der 49-Jährige. Es habe aber lediglich Verwarnungen dafür gegeben. "Ich habe das selbst erlebt vor 20 Jahren", schilderte Maradona und forderte: "Ich möchte, dass Messi respektiert wird. Es gibt für alles eine Grenze."

Abgesehen davon kann Maradona bisher zufrieden sein. "Ich kann meine Spieler nur beglückwünschen", sagte er nach dem Aufstieg. Genugtuung schwang bei der Pressekonferenz auch mit, war doch ausgerechnet er, der Teamchef, vor der WM von vielen Experten und Fans als Schwachstelle der Argentinier ausgemacht worden. "Es ist großartig, sich wie ein Puzzleteil dieses Teams zu fühlen. Ich bin sehr stolz, diesen Moment teilen zu können. Man hat vorher gesagt, als Trainer hätte ich keine Ahnung und keine Ideen. Plötzlich gewinne ich vier Spiele. Aber ich habe mich nicht verändert und ich werde auch morgen derselbe sein. Gewinnen fühlt sich immer großartig an, als Spieler, als Trainer", sagte er.

Die Mexikaner fühlten sich nach ihrem WM-Aus betrogen vom Schiedsrichter-Team, verabschiedeten sich aber mit Anstand. Sachlich und erstaunlich ruhig richtete Teamchef Javier Aguirre den Blick schon in die Zukunft. "Es ist eine großartige Generation junger Spieler. Ich bin mir sicher, dass sie in vier Jahren an der Spitze mitmischen werden", sagte der 51-Jährige.

Auf dem Platz und beim Weg in die Kabine wollten die Mexikaner dem Referee noch an die Gurgel, später gaben sie sich nachsichtig. "Jeder ist ein Mensch. Schieds- und Linienrichter müssen in Sekunden Entscheidungen treffen. Auch wir haben dies und das falsch gemacht, ich habe manches falsch gemacht", befand Aguirre, der sich dem Druck aus der Heimat gebeugt hat und Toptalent Javier Hernandez erstmals bei der WM von Beginn an brachte. Der 22-jährige Hernandez dankte es mit dem Ehrentor.

Ob der in der Heimat umstrittene "El Vasco" (der Baske), wie der Sohn baskischer Einwanderer genannt wird, Mexiko auch in die Zukunft begleiten darf, ist offen. Mexiko-müde wirkt Aguirre nicht. "Wir müssen nicht den gesamten Prozess ändern. Ich habe 48 Monate an dem Team gearbeitet, um es zur WM zu bringen. Ich weiß, wovon ich rede", betonte der Coach. Doch der Blick auf das Ergebnis ist gnadenlos: Wie immer seit 1986 und zum fünften Mal in Folge war im Achtelfinale Endstation. "Immer dasselbe Elend", meinte dazu die Zeitung "El Universal" knapp.

In Mexiko-Stadt hatten 90.000 Menschen die Übertragung des Spiels auf einer Großleinwand verfolgt. Viele Fans brachen beim dritten Tor der Argentinier in Tränen aus. Und nach dem Abpfiff stimmte ein Musiker das traurige Abschiedslied "Las golondrinas" an.

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