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Erfolgsrezept von Rajevac: "Jugend und Disziplin" © APA (epa)

Die Gruppenphase der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden hat von den sechs Teilnehmern des Kontinents nur Ghana

Die Gruppenphase der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden hat von den sechs Teilnehmern des Kontinents nur Ghana überstanden. Am Freitag in Johannesburg gegen den zweifachen Fußball-Weltmeister Uruguay könnten die "Black Stars" Kamerun (1990 gegen England 2:3) und den Senegal (2002 gegen Türkei 0:1 n.V.) übertreffen und als erstes Land Afrikas ins Halbfinale eines WM-Turniers einziehen.

Die Ghanaer, die erst zum zweiten Mal nach 2006 (Achtelfinale 0:3 gegen Brasilien) an einer WM teilnehmen, weisen in Südafrika nach vier Spielen zwei Siege (1:0 Serbien, 2:1 USA n.V.) sowie je ein Remis (1:1 Australien) und eine Niederlage (0:1 Deutschland) auf. Das Afrika-Sextett brachte es bisher am Kap nach 19 Spielen auf vier Erfolge, fünf Unentschieden und zehn Niederlagen, was einen Punkteschnitt von 0,89 ergibt.

Kamerun beklagte in Südafrika Gruppen-Bildung und Egoismus, im Lager Nigerias gab es Morddrohungen und die Elfenbeinküste zerbrach letztlich an der Last der Erwartungen. Dass die Westafrikaner die Farben des Kontinent jetzt am Kap hochhalten, kam nicht von ungefähr. Sie setzen auf Tugenden, die man afrikanischen Teams früher oft abgesprochen hat. Und so drückt in den kommenden Tagen ein ganzer Erdteil als letzte WM-Hoffnung den "Black Stars" fest die Daumen.

Dass trotz des verletzungsbedingten Ausfalls ihres Superstars Michael Essien alle auf die Ghanaer schauen, hat verschiedene Gründe. Anders als die kurzfristig von Nigeria bzw. Elfenbeinküste engagierten schwedischen Trainer Lars Lagerbäck und Sven-Göran Eriksson hatte der serbische Coach Milovan Rajevac seine Spieler zwei Jahre lang auf das WM-Turnier vorbereiten können. Sein Erfolgsrezept lautet ganz schlicht und einfach Gehorsam.

"Vor vier Jahren das Achtelfinale, jetzt das Viertelfinale. Wir haben einen Plan, setzen auf Disziplin und Jugend", sagte dazu Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi. Im Training wird viel gelacht, wenn der Teamchef spricht, geschwiegen. "Disziplin und Leistung des Teams bedingen einander", betonte der Boss, der verriet, dass es klare Verhaltensregeln gebe, die genau festlegen, wann aufgestanden, wann trainiert werden müsse etc. Sinn für Ordnung haben Kevin-Prince Boateng und Co. auf dem Rasen bewiesen.

Als Sulley Muntari, mit Inter Mailand heuer Gewinner der europäischen Champions League, nach dem 1:1 im Gruppen-Spiel gegen Australien Rajevac kritisierte, wurde der 25-Jährige erst begnadigt, nachdem er sich offiziell entschuldigt hatte. Im Afrika-Cup zu Jahresbeginn war Muntari aus disziplinären Gründen nicht dabei. Zum neuerlichen Wirbel um den Spieler sagte Nyantaki: "Er wurde nicht rausgeworfen, aber verwarnt. Beim nächsten Verstoß fliegt er raus."

Für die Mitspieler war der "Fall Muntari" Warnung und Mahnung zugleich. Zumal Rajevac den Mut hatte, den Mittelfeldspieler im Achtelfinale gegen die USA (2:1 n.V.) 113 Minuten auf der Ersatzbank schmoren lassen. Der Legionär soll in Südafrika angeblich Kicker-Kollegen aus Frust über den verpassten Erfolg gegen die Aussies beschimpft haben.

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