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Halbfinalgegner von Spanien ist Deutschland © APA (epa)

Es ist die Neuauflage des EM-Finales von Wien, die Chance zur Revanche. Nach England und Argentinien stellt sich Spanien im

Es ist die Neuauflage des EM-Finales von Wien, die Chance zur Revanche. Nach England und Argentinien stellt sich Spanien im Halbfinale der WM in Südafrika in den Weg der deutschen Nationalmannschaft. Hatten die Deutschen Argentinien aber mit 4:0 abgefertigt, so mussten sich die Spanier mit 1:0 gegen Außenseiter Paraguay in die Vorschlussrunde zittern. Dort wartet alles auf ein monumentales Duell.

Die Spanier hatten sich im Turnierverlauf bisher alles andere als souverän präsentiert. Nach seiner Auftaktniederlage gegen die Schweiz setzte sich der Europameister in der K.o.-Phase gegen Portugal und Paraguay jeweils nur dank eines Goldtores von Wunderstürmer David Villa mit dem knappsten aller Ergebnisse durch. Dennoch stehen die Spanier erstmals im WM-Halbfinale. Bei Platz vier 1950 in Brasilien war die Finalrunde noch als Vierergruppe ausgetragen worden.

"Das ist ein großer Moment für den spanischen Fußball", meinte Teamchef Vicente del Bosque. "Wir haben nicht gut gespielt, aber diese Mannschaft kann jeden schlagen. Ich hoffe, das Spiel gegen Deutschland wird Werbung für den Fußball." Del Bosque will trotz dessen schwacher Form weiter auf Fernando Torres im Sturmzentrum setzen. "Wir sind mit seiner Arbeit zufrieden", betonte Del Bosque. Mit fünf Turniertoren ist aber Villa der Mann der Stunde.

Zweiter Vater des Zittersieges gegen Paraguay war Torhüter Iker Casillas. Der Kapitän der "Seleccion" parierte nicht nur beim Stand von 0:0 einen Elfmeter von Oscar Cardozo, sondern in der Schlussphase auch die große Ausgleichschance von Roque Santa Cruz. Nach Spielende stürmten die spanischen Ersatzspieler auf Casillas zu, herzten ihren Schlussmann. "Er war außergewöhnlich, das waren zwei unglaublich wichtige Paraden", gestand Del Bosque.

Den Tipp, in die rechte Ecke zu tauchen, hatte Casillas von Ersatztorhüter Pepe Reina erhalten, hatte Cardozo im Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen Japan doch noch links eingeschossen. Auf der Gegenseite war auch Xabi Alonso im zweiten Anlauf vom Elfmeterpunkt gescheitert. "Das Spiel war genug, um einen Herzinfarkt zu bekommen", sagte Casillas, der am Mittwoch in Durban gegen Deutschland erneut Fußball-Geschichte schreiben will.

"Der Reisepass ins Paradies", titelte die spanische Sportzeitung "As" am Sonntag euphorisch. Die Paraguayer dagegen suchten die Schuld auch bei Schiedsrichter Carlos Batres aus Guatemala. Ein Tor von Nelson Valdez war kurz vor der Pause offenbar zu Unrecht wegen Abseits aberkannt worden. "Einige Entscheidungen hätten das Match verändern können. Aber gut, jetzt wird sich die FIFA wieder bei uns entschuldigen", sagte Teamchef Gerardo Martino.

Tatsächlich hatten die Paraguayer den Spaniern mit ihrer massiven Defensive ein schwieriges Spiel geliefert, waren vor der Pause sogar die gefährlichere Mannschaft. "Wir sind Spanien auf Augenhöhe begegnet, aber das war am Ende nicht genug. Wir hätten es ins Semifinale schaffen können", versicherte Martino. Etwa durch den vergebenen Elfmeter. "Ich fühle mich ein wenig schuldig", gestand Cardozo. "Aber wir gehen erhobenen Hauptes."

Mit dem erstmaligen Erreichen des WM-Viertelfinales hatte das 6,4-Millionen-Einwohner-Land nämlich den größten Erfolg seiner Fußball-Geschichte gefeiert. Dementsprechend wurden die Spieler der "Albirroja" auch nach dem unglücklichen Out gegen Spanien gefeiert. "Paraguay hat ein gebrochenes Herz", schrieb die Zeitung "Ultima Hora" in Asuncion. "Sie haben es sich nicht verdient, zu verlieren, aber sie sind und bleiben unsere Helden."

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