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Stars im WM-Duell: Diego Forlan, Wesley Sneijder © APA (epa)

Nicht Argentinien, nicht Brasilien - Außenseiter Uruguay ist Südamerikas letzte Hoffnung auf eine Finalteilnahme bei der

Nicht Argentinien, nicht Brasilien - Außenseiter Uruguay ist Südamerikas letzte Hoffnung auf eine Finalteilnahme bei der Fußball-WM in Südafrika. 60 Jahre nach ihrem zweiten WM-Titel wollen die "Urus" am Dienstag (20.30 Uhr) in Kapstadt im Halbfinale gegen die Niederlande erneut Geschichte schreiben. Oranje gilt gegen das dezimierte Team um Stürmerstar Diego Forlan aber als klarer Favorit.

Die Niederlande waren bereits 1974 und 1978 im Finale gestanden, jedoch jeweils knapp an den Gastgebern Deutschland und Argentinien gescheitert. Mit ihrer neu gewonnen Stabilität im Defensivbereich haben die Niederländer aber bereits Rekordweltmeister Brasilien entzaubert. Dazu setzt Bert van Marwijk gegen Uruguay auf die Kreativität von Wesley Sneijder und Arjen Robben. "Es wird ein sehr schwieriges Spiel. Sie sind Kämpfer, wir müssen 100 Prozent fokussiert sein", warnte der Bondscoach.

24 Spiele in Folge haben die Oranjes nicht verloren, auf dem Weg ins WM-Halbfinale hat die "Elftal" alle ihre 13 Pflichtspiele gewonnen - inklusive Qualifikation. "Unsere Mission ist aber noch nicht abgeschlossen", betonte Van Marwijk. "Das Ziel, Weltmeister zu werden, ist noch nicht erreicht. Wir vermeiden jede Form von vorschneller Euphorie." In der Heimat ist das nicht ganz gelungen. Regisseur Sneijder und Kollegen haben die Niederlande seit Tagen in ein unübersehbares Meer in Orange getaucht.

Sorgen bereitet Van Marwijk lediglich die Form von Stürmerstar Robin van Persie. Der 26-Jährige von Arsenal hat im WM-Verlauf bisher noch nicht getroffen. Im Viertelfinale gegen Brasilien (2:1) hatte er sich zudem am Arm verletzt, scheint aber rechtzeitig fit geworden zu sein. "Zur Not hätte ich auch mit einem gebrochenen Arm gespielt", versicherte Van Persie. "Wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen, dafür werden wir alles geben."

Spielerisch hatten die Oranjes bei dieser WM bisher nicht zu überzeugen vermocht, gegen Brasilien reichten aber zwei Standardsituationen zur Entscheidung. Sneijder hält bei vier WM-Toren, dazu hat das Comeback von Robben nach seinem Muskelfaserriss dem Offensivspiel eine neue Dimension gegeben. Im Finale würden entweder Deutschland oder Spanien warten. "Daran denken wir aber nicht. Wenn man Weltmeister werden will, muss man sowieso jeden Gegner schlagen", erinnerte Van Marwijk. Der Bondscoach muss auf die gesperrten Gregory van der Wiel und Nigel de Jong verzichten, an ihrer Stelle dürften Khalid Boulahrouz und Demy de Zeeuw in die Startformation rücken.

Die Ausfälle bei Uruguay wiegen weitaus schwerer. Die Südamerikaner müssen auf mehrere Schlüsselspieler verzichten, darunter den nach seinem Torraub im Viertelfinale gegen Ghana gesperrten Stürmerstar Luis Suarez. Neben Suarez, der ausgerechnet im Land des Gegners bei Ajax Amsterdam seine Tore erzielt, muss Teamchef Oscar Tabarez auch Linksverteidiger Jorge Fucile gesperrt vorgeben. Dazu fällt Mittelfeldspieler Nicolas Lodeiro mit einem gebrochenen Fuß für den Rest des Turniers aus.

Die wichtigste Personalie betrifft Kapitän Diego Lugano. Der Abwehrchef ist mit einer Knieverletzung mehr als fraglich, dafür dürfte Diego Godin zurückkehren. Mit dem Innenverteidiger von Villarreal hat die "Celeste" bei der WM noch keinen Gegentreffer erhalten. "Wenn es Gott will, werden wir einen weiteren Schritt in Richtung unseres großen Traumes machen", erklärte Lugano. "Uruguays Geschichte verlangt es, dass wir Weltmeister werden."

Tatsächlich ist das 3,5-Millionen-Einwohner-Land reich an fußballerischer Historie. 1930 und 1950 waren die "Urus" Weltmeister, 1954 und 1970 stand man zudem im WM-Halbfinale. Nun trägt der Außenseiter die Hoffnungen von ganz Südamerika. "Vor allem spielen wir für unser Land, für unsere Leute. Wenn wir dann auch noch einen ganzen Kontinent repräsentieren, ist das natürlich eine besondere Ehre", erklärte Flügelspieler Edinson Cavani.

Die Niederländer haben aber nicht nur als einziges Team alle ihre WM-Partien gewonnen, auch das bisher einzige WM-Duell mit Uruguay war 1974 mit 2:0 an die Oranjes gegangen. Damals hatte der Vater von Stürmerstar Diego Forlan für Uruguay verteidigt. "Die Niederlande haben brillante Einzelspieler. Aber solange es einen Funken Hoffnung gibt, werden wir nicht das Handtuch werfen", versprach Teamchef Tabarez. "Ich weiß nicht, wo die Reise für uns hingeht. Aber wir werden die Partie mit Enthusiasmus bestreiten."

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