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Kaum jemand feiert ausgelassener als Brasilianer © APA (epa)

Noch nie ist ein Land als Ausrichter sportlicher Großereignisse derart in den Mittelpunkt gerückt wie Brasilien in den

Noch nie ist ein Land als Ausrichter sportlicher Großereignisse derart in den Mittelpunkt gerückt wie Brasilien in den nächsten Jahren. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro (5.-21. August) werden die zwei größten Sportereignisse der Welt innerhalb von 26 Monaten im größten Land Südamerikas ausgetragen.

Brasilien hat sich dafür ein Mammutprogramm an Investitionen vorgenommen, allerdings hinken die Vorbereitungen dem Plan hinterher. 90 Milliarden Dollar (71,7 Mrd. Euro) will das Land in die beiden Sportereignisse investieren, offenbarte Brasiliens Wirtschaftsminister Miguel Jorge im Vormonat dem deutschen "Handelsblatt". Das sind immerhin über zehn Prozent der insgesamt 735 Mrd. Dollar (586 Mrd. Euro), die Brasilien laut Jorge in die Modernisierung des Landes stecken will. Infrastruktur und Stadienbau verschlingen wie stets bei solchen Events die größten Summen.

Ein ambitioniertes Programm des 190 Millionen Einwohner zählenden Landes, das fußball-verrückt wie kein anderes ist. Doch in den vergangenen Monaten lief es keineswegs nach Plan. Sportlich scheiterte die Mannschaft von Carlos Dunga bei der WM in Südafrika im Viertelfinale an den Niederlanden (1:2). Ein neuer Teamchef soll nun ein neues Team für die Heim-WM aufbauen und verhindern, dass es so wie 1950 (1:2 im entscheidenden Spiel gegen Uruguay) auch bei der zweiten WM-Endrunde im eigenen Land wieder so eine Enttäuschung wie vor 60 Jahren gibt.

Die größere Baustelle scheint aber der Fortschritt in den Vorbereitungen zu sein. Wegen Verzögerungen im Stadionbau wurde Brasilien im Frühjahr von der FIFA Anfang Mai scharf kritisiert. "Viele der Fristen sind abgelaufen und nichts ist passiert", schimpfte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. Ursprünglich hätten die Bauarbeiten am 1. März beginnen sollen, der Weltverband verlängerte die Frist bis 3. Mai.

Denn die Zeit drängt: Im Jahr 2013 findet der Confederations Cup als WM-Generalprobe statt, die FIFA will dafür fünf der zwölf WM-Stadion nützen. Die Bauarbeiten müssen daher am 31. Dezember 2012 abgeschlossen sein. Ein brasilianischer Journalist zeigte sich in Südafrika wenig optimistisch: "Derzeit ist das beste Stadion in Brasilien so gut wie das schlechteste in Südafrika", meinte er. Im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro haben die Arbeiten mittlerweile begonnen, budgetiert sind dafür 600 Mio. Real (270 Mio. Euro). Zwei Jahre soll die 90.000-Zuschauer-Arena, die für die WM 1950 gebaut wurde und damals 200.000 Besucher fasste, geschlossen werden, um die FIFA-Auflagen betreffend Tempo der Evakuierung erfüllen zu können.

Als im Vormonat aber ausgerechnet Sao Paulo, mit rund 11 Mio. Einwohnern größte Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes, keine finanziellen Sicherheiten für die mit rund 110 Mio. Euro veranschlagte Sanierung des Morumbi-Stadions vorlegte, wurde das Stadion und - zumindest vorerst - auch Sao Paulo von der Liste der Austragungsstätte gestrichen. Jetzt gilt es, ein anderes Stadion zu finden, denn eine WM ohne Sao Paulo ist nur schwer vorstellbar.

Noch dazu, wo mit Manaus im Amazonasgebiet, dem weit im Westen liegenden Cuiba oder auch Natal im äußersten Osten Städte dabei sind, die nicht als Fußball-Zentren gelten. Der Transport dürfte dabei eine der größten Herausforderungen sein. Der öffentliche Verkehr ist zwar besser ausgebaut als etwa in Südafrika, es gibt funktionierende Bus-Systeme und U-Bahn-Netze. Es gibt aber enorme Distanzen, die WM-Städte Manaus und Porto Alegre liegen zum Beispiel 3.200 km voneinander entfernt. Das ist in etwa die Distanz zwischen Wien und Teheran. Zudem ist mit einem erheblichen Klima-Unterschied zu rechnen. So ist es im südlichen Porto Alegre oft 20 Grad kühler als in Manaus, wo es gleichzeitig schwül und heiß sein kann.

Über eines brauchen sich die Verantwortlichen keine Sorgen machen: Der Enthusiasmus wird wohl so groß sein wie noch nie. Denn wenn die "Selecao" spielt, steht Brasilien still. Vor Lokalen und Kiosken stehen Menschen vor im Freien installierten Fernsehgeräten, Banken und Geschäfte schließen, Fließbänder ruhen, Firmen geben "Fußball-frei". Bei jedem Tor lassen sie Raketen in den Himmel steigen. Brasilien, das 2014 auch 100 Jahre Fußball-Verband "Confederacao Brasileira de Futebol/CFB und 125 Jahre Republik feiert, wird in einen vierwöchigen "Copa"-Rausch verfallen.

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