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Löw soll trotz Halbfinal-Aus Bundestrainer bleiben © APA (dpa)

Auf dem Sprung zum achten WM-Finale hat die junge Truppe der Mut verlassen. Statt um den vierten Titel gegen den Endspiel-Neuling

Auf dem Sprung zum achten WM-Finale hat die junge Truppe der Mut verlassen. Statt um den vierten Titel gegen den Endspiel-Neuling Niederlande zu kämpfen, muss Deutschland gegen Uruguay um den Trostpreis spielen. "Wir sind enttäuscht und traurig, aber nicht demoralisiert. Wir haben ein gutes Turnier gespielt und werden noch besser werden", sagte Trainer Joachim Löw mit einem Blick in die Zukunft.

Seine Elf, die im Gegensatz zum begeisternden Achtel- (4:1 England) und Viertelfinale (4:0 Argentinien) am Mittwochabend in Durban gegen Europameister Spanien (0:1) nie zu ihrem Spiel und ihrer Linie fand, habe ihre Hemmungen nie abgelegt. "Wir haben nach der Balleroberung zu viele Bälle zu schnell wieder verloren. Das Umschalt-Tempo fehlte diesmal. Wir hatten nicht den Mut und die vollständige Überzeugung, unsere Aktionen zu Ende zu spielen. Warum, weiß ich auch nicht", resümierte Löw.

Die Spanier hätten den Ball so laufen lassen, dass man häufig hinterherrenne. "Wir kamen nicht zu den nötigen Ballgewinnen und haben viel Kraft gebraucht. Alle mussten unglaublich viel nach hinten arbeiten. Gegen Spanien hat es nicht gereicht, aber ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, sie hat alles gegeben und getan", sagte der frühere Innsbruck- und Austria-Trainer, der seine Burschen für das letzte Spiel am Samstag (20.30 Uhr) in Port Elizabeth moralisch aufrichten muss, in seiner stets besonnenen und ruhigen Art.

Seine Schützlinge hätten keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. "Ich bin mir sicher, dass wir das Siel mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angehen. Wir arbeiten daran, einen guten WM-Abschluss zu haben. Ziel ist jetzt, das letzte Spiel zu gewinnen und Dritter zu werden", kündigte der Schwarzwälder an. Er ist überzeugt, dass seine Elf spielerisch viel mehr könne, als sie gegen Spanien gezeigt habe. 1970 in Mexiko hat Deutschland das WM-Spiel um Rang drei gegen Uruguay durch ein Overath-Tor 1:0 gewonnen.

Für Kapitän Philipp Lahm ist das "kleine Finale" nur ein schwacher Trost. "Es ist sehr bitter, denn man nicht alle vier Jahre die Chance, in einem WM-Halbfinale zu stehen", sagte der 26-jährige Bayern-Verteidiger mit den Tränen in den Augen. Theo Zwanziger erhofft sich aber trotzdem einen positiven WM-Kehraus. "Wir wollen jetzt nicht schlechter als 2006 abschneiden", meinte der DFB-Präsident und fügte hinzu: "Die Spanier sind vier Jahre weiter als wir und da wollen wir auch hinkommen."

Und Teammanager Oliver Bierhoff betonte: "In der Mannschaft steckt unheimlich viel Potenzial. Mit ein bisschen Abstand werden alle mit Stolz auf diese WM zurückblicken." Im vorletzten WM-Spiel wurden nicht nur Mut und Selbstvertrauen, sondern auch die Ideen des gesperrten Thomas Müller vermisst.

Der Bayer ist am Samstag gegen Uruguay wieder mit von der Partie. Er alleine wird aber wohl keine Steigerung bringen, zum Siegen bedarf es mehr. Keine Diskussion gab es im DFB-Lager über den Ausgang des Finales. "Sie sind Favorit. Diese Mannschaft ist so stark, so kompakt, so ballsicher, so dominant, so eingespielt und hat in Xavi und Iniesta überragende Spieler in ihren Reihen", erklärte Löw.

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