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Die Fans wollen den nächsten Titel © APA (epa)

Der Sonntag bringt auf jeden Fall eines - einen neuen Fußball-Weltmeister. Weder Spanien noch die Niederlande haben die begehrte

Der Sonntag bringt auf jeden Fall eines - einen neuen Fußball-Weltmeister. Weder Spanien noch die Niederlande haben die begehrte Trophäe bisher in Händen gehalten. Die Spanier könnten erst als drittes Team der Geschichte gleichzeitig Welt- und Europameister sein, die Niederländer wollen am Sonntagabend in Johannesburg ihr Trauma der verlorenen WM-Endspiele von 1974 und 1978 überwinden.

Spanien geht als Favorit der Buchmacher ins Rennen. Das kommt nicht von ungefähr. Selbst der niederländische Teamchef musste die Qualität der spanischen Spielkultur anerkennen. "Spanien spielt seit Jahren den schönsten Fußball der Welt", meinte Bert van Marwijk. "Wir sehen das aber als Herausforderung. Wer der Favorit ist, interessiert mich nicht." Die Oranjes werden Härte entgegenhalten. Kein Team hat im Turnierverlauf bisher so viele Gelbe Karten kassiert.

Beide Finalisten haben beeindruckende Serien hinter sich. Während die Spanier nur zwei ihrer vergangenen 53 Spiele verloren haben, darunter 0:1 in der Gruppenphase gegen die Schweiz, sind die Niederländer bereits 25 Spiele ungeschlagen. Auf dem Weg in ihr drittes WM-Endspiel haben die Oranjes inklusive Qualifikation alle 14 Pflichtspiele gewonnen. Einem Weltmeister war das bisher nur einmal gelungen - 1970 dem Starensemble von Brasilien.

"Die Niederländer haben ein sehr gutes Turnier gespielt. Wir dürfen nicht überheblich sein, aber wir wollen jetzt das Maximum", versicherte Spanien-Trainer Vicente del Bosque. "Wir haben lange genug auf diesen Moment gewartet." Noch nie standen die Spanier im WM-Finale. Dort könnte ausgerechnet jener Mann auf der Bank Platz nehmen müssen, der ihnen 2008 in Wien den EM-Titel beschert hatte. Fernando Torres hat bisher erfolglos nach seiner Form gesucht.

Statt Torres könnte erneut Barcelonas Pedro beginnen und Topscorer David Villa im 4-2-3-1-System ins Sturmzentrum rücken. "Vor dem Tor haben wir bisher vielleicht nicht die besten Entscheidungen getroffen", sagte Del Bosque. "Aber das Wichtigste ist, dass wir unserem Konzept vertrauen. Aus dieser Organisation heraus sollten die individuellen Fähigkeiten gut genug sein, ein Spiel zu entscheiden." Etwa jene von Andres Iniesta, Xavi oder Villa.

Fünf von sieben spanischen WM-Toren hat Villa bisher erzielt, der Barca-Neuzugang führt damit gemeinsam mit dem niederländischen Spielmacher Wesley Sneijder die Schützenliste an. Auch bei den Niederländern ist der Mittelstürmer bisher nicht wirklich zur Geltung gekommen. Van Marwijk hat aber weiterhin Vertrauen in Robin van Persie. "Er hat sich verbessert und wird seinen besten Fußball im letzten Spiel zeigen", versprach der Bondscoach.

Aus der Etappe kommt Kreativität von Sneijder und Arjen Robben, dazu wollen Van Marwijks Schwiegersohn Mark van Bommel und der nach einer Gelb-Sperre zurückkehrende Nigel de Jong durch ihre körperliche Präsenz im Mittelfeld den Spaniern die Schneid abkaufen. Beide Coaches haben ihren gesamten Kader zur Verfügung. Bei den Iberern ist auch Edeljoker Cesc Fabregas fit, gleiches gilt für Ersatzverteidiger Raul Albiol. Beide hatten zuletzt an Wadenproblemen laboriert.

Welt- und Europameister zur gleichen Zeit durften sich bisher nur Deutschland (EM 1972 und WM 1974) sowie Frankreich (WM 1998 und EM 2000) nennen. Der bisher größte Erfolg der Niederlande liegt 22 Jahre zurück. Damals hatten Sneijder, Robben und Co. als kleine Kinder den EM-Titel der "Elftal" um Ex-Teamchef Marco van Basten miterlebt. Die WM-Endspiele 1974 in Deutschland und 1978 in Argentinien waren jeweils unglücklich gegen den Gastgeber verloren gegangen.

Van Marwijk sieht sich durch den Finaleinzug nicht in einer Linie mit seinen großen Vorgängern Rinus Michels oder Ernst Happel, dem legendären österreichischen Trainer, dem der "Wödmasta"-Titel 1978 nur durch einen Stangenschuss von Rob Rensenbrink verwehrt geblieben war. "Ich bin niemand, der seine Rolle überbewertet", erklärte der Bondscoach, der den Spielstil der Oranjes von bedingungsloser Offensive in den einer kompakten Einheit umgewandelt hat.

"Was zählt, ist das Ergebnis. Ich habe lieber ein hässliches Spiel, wenn wir dafür gewinnen", erinnerte Robben. Eine couragierte Vorstellung wird aber notwendig sein, um auf Kosten der Spanier als erstes europäisches Land auf einem anderen Kontinent den WM-Titel zu holen. Denn wie man dem Europameister und seinem Kurzpassspiel nicht beikommt, hatten die Deutschen im Halbfinale (0:1) vorgezeigt. Mit ihrer tief stehenden Defensivtaktik waren sie chancenlos.

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